Das Obwaldner Institut für Justizforschung lädt für Donnerstagabend zu einem Anlass über die Rolle der staatlichen Strafverfolgungsbehörden bei Fällen von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche ein. Basis sind Erkenntnisse aus der laufenden Forschung der Universität Zürich.
Regula Pfeifer
Das Obwaldner Institut für Justizforschung (IJF) ist schwerpunktmässig in der Wissensvermittlung und der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Justizfragen tätig, erklärt Michele Luminati, geschäftsführender Direktor des IJF.
Das ist demnach nun auch die Absicht des Anlasses vom Donnerstagabend in Sarnen OW. Dieser basiert auf dem laufenden Forschungsprojekt zur Geschichte des sexuellen Missbrauchs im Umfeld der katholischen Kirche seit Mitte 20. Jahrhundert. Das Projekt realisiert ein Forschungsteam der Universität Zürich, das den Auftrag dazu von der römisch-katholischen Kirche erhalten hat.
«Im Zentrum der laufenden Arbeiten steht dabei auch die Frage nach einer möglichen Mitverantwortung staatlicher Institutionen – insbesondere von Strafverfolgungsbehörden und Gerichten – im Umgang mit bekannt gewordenen Fällen», heisst es im Einladungsschreiben des IJF.
Laut dem Direktor des IJF, Michele Luminati, ist bereits aus dem Schlussbericht des Pilotprojekts zur Geschichte des Missbrauchs in der Kirche ersichtlich geworden, «dass die Justizbehörden eine wichtige, nicht immer positive Rolle gespielt haben».
Mit dem Anlass wolle das Institut «einen Beitrag zum besseren Verständnis der Funktionsweisen der Strafjustiz in einem gesellschaftlich und politisch heiklen Kontext leisten», so Luminati gegenüber kath.ch. Dabei würden auch problematische Aspekte der richterlichen Unabhängigkeit thematisiert. «Wir erhoffen uns eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema, die zum Ausgangspunkt für weitere Debatten werden soll.»
Bisher habe sich sein Institut noch nicht mit dem Thema beschäftigt. «Wir möchten aber das laufende Forschungsprojekt der Universität Zürich mit eigenen Aktivitäten begleiten und dabei den Fokus auf das Verhalten der staatlichen Behörden ausweiten», sagt Luminati. Zudem sei es denkbar, dass sich künftig Seminar-, Master- und Promotionsarbeiten an der Universität Luzern sowie Forschungsprojekte mit dem Themenbereich auseinandersetzten.
Am Anlass tritt mit Lucas Federer ein Historiker des Forschungsteams der Universität Zürich auf, das die Geschichte des Missbrauchs in der katholischen Kirche erforscht. Er referiert über «Strafverfolgung unter Druck: Der Umgang der staatlichen Justiz mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche seit 1950». Und er werde aus der laufenden Forschung mit Blick auf den Kanton Obwalden berichten, heisst es. Im Anschluss daran diskutieren Vertretende aus Justiz, Kirche und Betroffenenorganisationen zentrale Fragestellungen und stehen dem Publikum für Fragen zur Verfügung.
Institutsdirektor Michele Luminati moderiert die Podiumsrunde. Daran beteiligt sind seitens Kirche Bernhard Willi, Generalvikar der Urschweiz, seitens Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (IG-M!kU) die Präsidentin Vreni Peterer und seitens Justiz Stefan Keller, Rechtsanwalt und Präsident des Obergerichts des Kantons Obwalden.
Das IJF gehört zur Universität Luzern und hat Sitz in Sarnen. Es ist nach eigenen Angaben «schweizweit die erste universitäre Forschungseinrichtung, welche sich der Erforschung von Themen rund um die Justiz widmet». (korrigiert, 13.6.25)
Der Anlass «Tatort Kirche: Staatliche Strafverfolgung und sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche seit 1950» findet am Donnerstag, 19.00 bis 21.00 Uhr in der Residenz am Schärme, Am Schärme 1, in Sarnen OW statt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant