Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter reist diese Woche nach Irland. Am Donnerstag wird sie an der Eröffnung einer Ausstellung über die Beziehungen zwischen Irland und St. Gallen teilnehmen. Dort werden siebzehn irische Handschriften aus der St. Galler Stiftsbibliothek gezeigt.
Barbara Ludwig
Die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter reist diese Woche für hochrangige Gespräche mit Politikerinnen und Politkern nach Irland. Dies teilte das Eidgenössische Finanzdepartement am Montag mit. Die Magistratin wird zudem am Donnerstag bei der Eröffnung einer Ausstellung im Nationalmuseum über die Beziehungen zwischen Irland und St. Gallen teilnehmen.
Die Ausstellung trägt mit dem Titel «Words on the Wave: Ireland und St. Gallen in Early Medieval Europe» zeigt Kunstgegenstände und Manuskripte aus dem «Goldenen Zeitalter» Irlands, als irische Missionare das Christentum in Europa verbreiteten. Zu den Objekten zählen auch siebzehn irische Handschriften, die die Stiftsbibliothek St. Gallen als Leihgabe zur Verfügung stellt, wie das «St. Galler Tagblatt» am 29. April berichtete.
Dem Bericht zufolge sind gut ein Dutzend irische Handschriften aus dem siebten bis zwölften Jahrhundert in St. Gallen erhalten, es sei die bedeutendste Sammlung aus dem Frühmittelalter. «Wir sind eine Zeitkapsel», so Stiftsbibliothekar Cornel Dora gegenüber der Zeitung. «Das ist sehr interessant für die Iren», denn in Irland, dessen Hochkultur durch die Wikinger zerstört wurde, hätten insgesamt nur wenige Dutzend teilweise stark beschädigte Handschriften aus dem Frühmittelalter überlebt.
Der Höhepunkt der Ausstellung werde das irische Evangeliar von St. Gallen sein, schreibt die Zeitung. Es sei um 750 in Mittelirland geschrieben worden und mit ganzseitigen Bild- und Schrifttafeln geschmückt. Darunter seien Darstellungen der vier Evangelisten, aber auch die früheste erhaltene irische Darstellung der Kreuzigung Christi und des Jüngsten Gerichts. Die Handschriften werden während vier Monaten in Dublin zu sehen sein.
Nebst den uralten Handschriften werden in Dublin auch Werke von Schülern der katholischen Schule «Buebeflade» aus St. Gallen zu sehen sein. Dies teilte der Katholische Konfessionsteil des Kanton St. Gallen am Montag mit.
Gemeinsam mit Lehrpersonen reisen sie zur Eröffnung der Ausstellung nach Dublin. Ihre Teilnahme an der historischen Ausstellung kam aufgrund einer Anfrage des irischen Nationalmuseums zustande, heisst es in der Mitteilung. «Im Rahmen eines mehrmonatigen Prozesses entwickelten die Schüler eigene Werke.» Der Auftrag bestand demnach darin, alte Handschriften neu zu interpretieren. Um mit der Zierschrift vertraut zu werden, habe der irische Historiker und Kalligraf Timothy O’Neill für eine Unterrichtseinheit die Schule in St. Gallen besucht.
«So entstanden einmalige Werke mit wunderbaren Verzierungen, die inhaltlich auch noch in 500 Jahren den Historikern ein lebendiges Bild davon vermitteln, wie Jugendliche im Jahr 2025 leben, was sie bewegt und worüber sie nachdenken», wird Lehrer Daniel Mata in der Mitteilung zitiert. Der Lehrer ist Mitglied einer dreiköpfigen Jury, die aus allen Werken der Schüler zwanzig Siegerarbeiten auswählte. Vor der Eröffnung der Ausstellung treffen sich die Schüler laut Mitteilung zu einem Fotoshooting mit Karin Keller-Sutter.
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