Brasilianischer Bischof kritisiert Untätigkeit zehn Jahre nach «Laudato si»

Zum zehnten Jahrestag der Sozial- und Umwelt-Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus übt der frühere Vorsitzende der Brasilianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Walmor Oliveira de Azevedo, scharfe Kritik an der anhaltenden politischen und gesellschaftlichen Passivität im Umgang mit der ökologischen Krise.

«Nicht wenige Regierende machen taube Ohren gegenüber den Warnungen der Enzyklika», beklagt der katholische Erzbischof von Belo Horizonte in einer aktuellen Stellungnahme. Zwar würden internationale Vereinbarungen getroffen, doch «überwiegen egoistische Gewinninteressen».

«Christen, die glauben, dass der Planet Gottes Schöpfung ist, müssen ihn bewahren.»

Die Enzyklika bleibe aktuell, weil sie ein Gegengewicht zu jener Gleichgültigkeit und Ignoranz bilde, die Handeln im Namen des wirtschaftlichen Eigennutzes legitimiere. Azevedo betont, dass der Schutz der Umwelt nicht nur eine politische, sondern auch eine spirituelle Aufgabe sei: «Christen, die glauben, dass der Planet Gottes Schöpfung ist, müssen ihn bewahren.»

«Oligarchische Privilegien statt echter Fortschritte»

Zugleich warnt der Erzbischof vor einer einseitigen Fixierung auf technische Lösungen und einer weitverbreiteten Weigerung, den eigenen Lebensstil zu überdenken. «Viele bleiben desinteressiert, ihre eigenen Gewohnheiten zu ändern», beklagt er.

Es gäbe zwar dahingehend ausgerichtete Initiativen wie die brasilianische Umweltkampagne Junho Verde, die von der Kirche mitgestaltet wurde. Sie hätten es jedoch weiterhin schwer, sich durchzusetzen. Statt echter Fortschritte zugunsten des Gemeinwohls entstünden «oligarchische Privilegien», mahnt Azevedo.

«Die Appelle der Enzyklika müssen weiterhin stark erklingen, um die menschlichen Wurzeln der ökologischen Krise zu behandeln.»

Die zentralen Anliegen von Laudato si’ müssten weitergetragen werden, fordert der Erzbischof. «Die Appelle der Enzyklika müssen weiterhin stark erklingen, um die menschlichen Wurzeln der ökologischen Krise zu behandeln.» Nur so könne ein nachhaltiger Wandel gelingen.

Die am 24. Mai 2015 von Papst Franziskus unterschriebene Enzyklika «Laudato si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus» wurde am 18. Juni 2015 vom Vatikan veröffentlicht. Vor dem Hintergrund heutiger Krisen rief Papst Franziskus in dem Lehrschreiben «alle Menschen guten Willens» zu einer «ökologischen Umkehr» auf, was politische Entscheidungen wie auch eine neue Lebensweise beinhalten müsse. (kap)


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