Katholische Frauenorganisation hat neuen Namen und neue Co-Leitung

Der bisherige Schweizerische Katholische Frauenbund heisst neu «Frauenbund Schweiz». Und er hat eine neue Führungsspitze. An die Stelle der abtretenden Präsidentin Simone Curau-Aepli sind Katharina Jost Graf und Pia Viel am Freitag zu Co-Präsidentinnen gewählt worden.

Regula Pfeifer

Der bisherige Schweizerische Katholische Frauenbund hat sich am Freitag an der Delegiertenversammlung in Visp VS einen neuen Namen gegeben. Fortan nennt er sich «Frauenbund Schweiz».

Die Änderung kam nach einer emotionalen Diskussion unter den Delegierten zustande, heisst es in der Mitteilung. In den Voten und Anträgen kamen einerseits eine «Angst vor Relevanzverlust und vor der Aufgabe des katholischen Profils» zutage, aber auch «begeisterte Unterstützung» für die vom Vorstand vorgeschlagene Namensänderung. Es hiess dazu, der neue Name stärke die Zukunftsfähigkeit. Am Wirken im Sinne katholischer Ethik ändere sich damit nichts.

Nach einer weiteren intensiven Diskussion nahmen die Delegierten auch den Claim «Überraschend anders katholisch» als Ergänzung zum neuen Namen mit einer grossen Mehrheit von 153 gegen 5 Stimmen an.

Co-Präsidium leitet neu Frauenbund

Die Frauen-Dachorganisation wird erstmals von einem Co-Präsidium geführt: von Katharina Jost Graf und Pia Viel. Co-Präsidentin Katharina Jost Graf war bisher Vizepräsidentin des Frauenbunds Schweiz, in den Vorstand gewählt wurde sie 2019. Sie ist zudem in der Reformorganisation «Allianz Gleichwürdig Katholisch» aktiv. «Seit Kindertagen» sei sie im Frauenbund aktiv, heisst es in der Mitteilung.

Jost Graf ist Theologin – mit Studium in Luzern und Paris – und demnach seit 35 Jahren als Seelsorgerin tätig. Vor ihrem Engagement beim nationalen Verband wirkte Jost Graf im Vorstand des Luzerner Kantonalverbands SKF Luzern.

Vom Aargauer an die Schweizer Verbandsspitze

Co-Präsidentin Pia Viel wurde neu in den Vorstand von Frauenbund Schweiz gewählt. Viel ist Präsidentin des Aargauischen Katholischen Frauenbundes (AKF) und dort laut Mitteilung «seit Jahren treibende Kraft». Ihr Engagement reiche «weit über den Kantonalverband hinaus». Viel ist auch Präsidentin der Partei Die Mitte im Bezirk Baden.

Pia Viel ist beruflich pensionierte HR-Fachfrau, Sachbearbeiterin Administration und Rechnungswesen. Sie setze sich «für Gleichstellung, Familienpolitik und kirchliche Teilhabe ein», heisst es weiter.

Neben den Co-Präsidentinnen sind seit Freitag im Vorstand: die wiedergewählten Iva Boutelier, Fabienne Roos, Lydia Corradini-Reggli und die neu gewählte Barbara Schmid-Federer. Schmid-Federer wurde als CVP-Nationalrätin von 2007 bis 2018 bekannt. Die Schwester von Abt Urban Federer von Einsiedeln engagierte sich unter anderem im Schweizerischen Roten Kreuz als Präsidentin von Zürich und auch der Schweiz.

Abschied von der «engagierten, profilierten und mutigen» Präsidentin

Die neuen Co-Präsidentinnen treten die Nachfolge der bisherigen Frauenbundspräsidentin Simone Curau-Aepli an. Curau-Aepli trat 2013 in den Verbandsvorstand ein und wurde 2016 zu dessen Präsidentin gewählt. Mit ihr verlasse «eine engagierte, profilierte und mutige Frau den Verbandsvorstand», heisst es in der Mitteilung. Curau-Aepli habe den Verbandskurs «mit Klarheit, Haltung und Visionen» geprägt.

 «Mit Nachdruck forderte sie die Öffnung kirchlicher Ämter für Frauen», heisst es weiter. «Sie trat öffentlichkeitswirksam für eine geschlechtergerechte und diskriminierungsfreie Kirche ein und verlieh dem Anliegen der Gleichstellung auch auf internationaler Ebene Gewicht. Das Wirken der Thurgauerin zeigte: Katholisch und feministisch schliessen sich nicht aus.»

Rücktritt auch von Finanz-Verantwortlicher

Neben Curau-Aepli trat auch Karin Weber aus dem Vorstand zurück. Als Finanzverantwortliche habe sie «wertvolle Kompetenzen aus dem Nonprofit-Management eingebracht», heisst es. Sie habe die Geschäftsstelle beim Aufbau des Fundraisings unterstützt. Weber war beruflich Leiterin der Stabsstelle Projekte und Nachhaltigkeit bei der Katholischen Kirche Stadt Luzern und arbeitet nun als Projektleiterin beim Kanton Luzern.

Der Frauenbund Schweiz bleibt mit 100’000 Mitgliedern, 17 Kantonalverbänden und 500 Ortsvereinen das grösste konfessionelle Frauennetzwerk der Schweiz.


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