Neuer Bischof Beat Grögli: «Die christliche Botschaft tut der Welt gut»

Der frisch gewählte Bischof von St. Gallen hat sich am Donnerstag den Medien vorgestellt. In seiner ersten Pressekonferenz betonte Beat Grögli (54), dass es den «langen Atem Gottes» brauche, um als Kirche gemeinsam den Weg zu gehen. Die letzten Tage seien «sehr intensiv» gewesen, sagte Grögli.

Barbara Ludwig

Punkt zwölf Uhr erfuhr die Öffentlichkeit im Chor der Kathedrale, wer am Dienstag zum zwölften Bischof von St. Gallen gewählt worden war. Zwei Stunden später trat der frisch Gekürte, bislang Dompfarrer, vor die Medien. Mit seiner Ernennung durch Papst Leo XIV. habe ein langes Warten ein Ende, sagte Beat Grögli – eleganter dunkelgrauer Anzug, weisses Hemd und weisser Priesterkragen – vor rund einem Dutzend Journalistinnen und Journalisten.

Es sei ein Warten für den Betrieb des Bistums, für seinen Vorgänger Bischof Markus Büchel und für alle gewesen, die das Domkapitel auf die Secherliste gesetzt hatte. Das Wahlverfahren hatte bereits im September vergangenen Jahres begonnen, nachdem Markus Büchel im August dem damaligen Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten hatte. Der Tod von Papst Franziskus, die Sedisvakanz und die Wahl seines Nachfolgers hatten das Warten ebenfalls um einige Wochen verlängert.

Freude und Respekt vor neuer Aufgabe

«Mit Freude und Respekt nehme ich die neue, grosse Aufgabe an und danke allen, die mich auf meinem bisherigen Weg unterstützt haben», sagte der mit seinen 54 Jahren jugendlich wirkende neue Bischof.

Beat Grögli erinnerte an die letzten Zeichen des am Ostermontag verstorbenen Papst Franziskus und die ersten Worte von Papst Leo XIV., der eindringlich vom Frieden gesprochen hatte. Um dann rhetorisch zu fragen, was die ersten Worte des neugewählten Bischofs von St. Gallen seien.

Der lange Atem von Jesus

«Mit einem langen Atem», erklärte Grögli. Mit dem «langen Atem Gottes», mit seiner heiligen Geistkraft gehe die Kirche gemeinsam den Weg. Alles Gute brauche einen langen Atem, betonte der Dompfarrer, der am 5. Juli zum Bischof geweiht wird. «Auch weite Wege geht man Schritt für Schritt.» Er lade alle ein, als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung diesen Weg mitzugehen. Grögli zitierte einen Text des deutschen Theologen, Priester und Dichters Wilhelm Bruners, aus dem hervorgeht, dass Jesus seinen Freunden seinen langen Atem mitgab beim Abschied – ihnen aber keinen Orden an die Brust heftete oder sie auf den oberen Posten beförderte.

Auch bei der Wahl zum Bischof brauche es einen langen Atem, so Grögli weiter. «Ich danke jetzt schon allen, die mit mir diesen Weg geduldig und zuversichtlich gehen.» Papst Franziskus habe der Kirche diese «synodale Grundstruktur» neu ans Herz gelegt und Papst Leo habe sie bestätigt. «Nur gemeinsam können wir den Weg gehen, in einem aufmerksamen Hören aufeinander», zeigte sich der neue Bischof überzeugt.

Christliche Botschaft vernehmbar machen

Als Dompfarrer sei es seine Aufgabe gewesen, unter dem weiten Dach der Kathedrale verschiedenen Menschen und ihren Anliegen Platz zu geben, ohne die Tiefe und die Sammlung zu verlieren. Diese Aufgabe wolle er als Bischof in einem grösseren Kontext weiterführen.

Er hob er hervor, dass die Dompfarrei ihre Gottesdienste seit der Corona-Pandemie über Livestream aus der Kathedrale übertrage. So zeige man, was man mache und stehe dazu. «Ich bin überzeugt, dass die christliche Botschaft der Welt guttut», sagte Grögli weiter. Er wolle sie auch als Bischof «vernehmbar» machen und anderen anbieten.

Gröglis Bischofsmotto lautet: «In concordiam Christi». Es sei inspiriert vom Herzen Jesu. Das Herz Jesu stehe offen für alle Menschen, so Grögli. Concordiam, Konkordanz, bedeute, miteinander unterwegs zu sein. «Das Miteinander in der Kirche wird in den nächsten Jahren sehr wichtig sein.» Und dazu gebe es einen klaren Orientierungspunkt, nämlich Christus, sein Leben und seine Botschaft.

«Es wächst einem die Kraft zu, die man braucht.»

In der Fragerunde schliesslich bekannte Beat Grögli, die letzten Tage seien «sehr intensiv» gewesen. Es habe eine gewisse Spannung geherrscht. Doch er habe heute jemandem gesagt: «Es wächst einem die Kraft zu, die man braucht. Und die Gelassenheit. Wir lassen uns führen vom heiligen Geist.» Persönliche Begegnungen, die es immer wieder gab, hätten ihm gutgetan.

Von seinem Vorgänger Markus Büchel müsse er sich nicht abgrenzen, sagte Grögli auf eine entsprechende Frage hin. «Dazu hat er mich heute Morgen im Kreis der Mitarbeitenden ermuntert.» Sehr geschätzt habe er dessen Nähe zu den Menschen, dessen Freude an der Kirche und seiner Aufgabe.

In die Regionen gehen

Der neue Bischof sagte, er habe «kein Regierungsprogramm». Als Dompfarrer sei ihm wichtig gewesen, dass «wir sichtbar sind» und die christliche Botschaft auf eine verständliche Art und Weise verkündigen. «Das möchte ich als Bischof weiterführen.» Er kündigte zudem an, den Menschen in den verschiedenen Regionen des Bistums begegnen zu wollen. «Dies wird wichtig sein.»

Beat Grögli wurde auch bezüglich seiner Meinung zur Stellung der Frauen in der Kirche angesprochen. «Ich bin überzeugt, dass Frauen grössere Verantwortung bekommen und dass wir diesen Weg gemeinsam gehen. Es geht nicht, dass wir die Kirche nur als Männerkirche gestalten», lautete seine Antwort.

«Ich glaube, die Weihe von Frauen wird kommen. Irgendwann.»

Punkto Frauenordination wollte sich Grögli nicht explizit als Befürworter positionieren: «Die Weihe, das sind grosse Schritte», sagte der neue Bischof von St. Gallen. «Davor gibt es viele kleine Schritte, die genau so wichtig sind. Etwa die Förderung von Seelsorgerinnen.»

Die Weihe von Diakoninnen und Priesterinnen sei eine «sehr anspruchsvolle Frage», verbunden mit vielen Herausforderungen, etwa im Dialog mit der orthodoxen Kirche, gab er zu bedenken. «Aber der Weg ist zu gehen.» Auf die Frage, ob er die Frauenordination nun befürworte, sagte Grögli einfach: «Ich glaube, das wird kommen. Irgendwann.»


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/neuer-bischof-beat-groegli-die-christliche-botschaft-tut-der-welt-gut/