Nach einem feierlichen Orgelspiel hat Domdekan und Generalvikar Guido Scherrer um 12 Uhr im Chor der Kathedrale St. Gallen den Namen des neuen Bischofs von St. Gallen verkündet. Es ist Beat Grögli, der bisherige Dompfarrer. Der 54-Jährige erhielt Applaus und gab seinen ersten Segen als Bischof.
Barbara Ludwig und Regula Pfeifer
Der neue Bischof von St. Gallen heisst Beat Grögli. Dies verkündigte Domdekan und Generalvikar Guido Scherrer im Chor der Kathedrale St. Gallen, nach einem feierlichen Orgelspiel, das rund fünf Minuten dauert, bis eine kleine Glocke 12 Uhr schlug.
Anwesend waren zirka 100 Gläubige, darunter auch Mitarbeitende des Bistums und des Katholischen Konfessionsteils. Auch Bischof Markus Büchel, der zum Apostolischen Administrator ernannt wurde, sass in einem der Chorstühle.
Scherrer las aus der Wahlurkunde vor. Die anwesenden Menschen reagierten mit Applaus auf die Verkündigung des neuen Bischofs. Beat Grögli bedankte sich in einer kurzen Ansprache für das Vertrauen des Domkapitels, das ihn gewählt hatte. «Mit grossem Respekt schaue ich auf die neue Aufgabe. Die Fussstapfen, in die ich nun trete, sind gross», sagte er mit Blick auf seinen Vorgänger. Aber man könne auch in das Amt hineinwachsen.
Nach einem Gebet, gesprochen durch Domherr Felix Büchi, erteilte der neue Bischof zum ersten Mal den Segen. Danach setzte nochmals die Orgel zu einem feierlichen Schlussspiel an.
Bereits am Dienstag wählte das Domkapitel des Bistums St. Gallen Beat Grögli zum neuen Bischof. Dem Gremium gehörte der bisherige Dompfarrer selber an. Am Mittwoch ernannte ihn Papst Leo XIV. offiziell zum Bischof.
Beat Grögli folgt auf Bischof Markus Büchel. Dieser bleibt apostolischer Administrator bis zur Bischofsweihe von Beat Grögli. Die Bischofsweihe findet am 5. Juli 2025 um 10.30 Uhr in der Kathedrale statt, teilt das Bistum mit.
«Als Bischof von St. Gallen komme ich nun in eine neue Verantwortung für das ganze Bistum – mit den unterschiedlichen Regionen und der ganzen Spannbreite von Kirchenbildern und Erwartungen», sagte Beat Grögli laut Mitteilung des Bistums. Aber das sei ihm nicht fremd.
«Es gehörte zu meiner Aufgabe als Dompfarrer, unter dem weiten Dach der Kathedrale verschiedenen Menschen und Anliegen Platz zu geben, ohne die Tiefe zu verlieren», so Grögli. «Diese Aufgabe werde ich als Bischof nun in einem grösseren Kontext weiterführen.»
Er zeigt sich überzeugt, dass die christliche Botschaft der Welt guttue. «Auch als Bischof will ich sie vernehmbar machen, anderen anbieten und mit-sorgen, dass es weitergeht.» Auch ihm selbst bedeute die Botschaft viel. «Der Glaube an Jesus Christus hat mich zu einem herzlicheren Menschen gemacht.»
Als Bischof wird Beat Grögli Teil des weltweiten Bischofskollegiums unter dem Vorsitz des Papstes. «Dass die katholische Kirche eine weltweite Kirche ist, ist für mich ganz wesentlich. Es bewahrt uns vor einer Nabelschau und öffnet uns für neue Einsichten und Freundschaften», so der künftige Bischof.
Beat Grögli leitete bis anhin die Dompfarrei und engagierte sich als Pfarrer der Seelsorgeeinheit Zentrum und als Dekan für die Seelsorge in der ganzen Stadt. Er ist verantwortlich für die Liturgie sowie die musikalischen und kulturellen Belange der Kathedrale. Diese hat die Eigenart, dass sie sowohl Bischofskirche wie auch Pfarrkirche ist, so die Mitteilung.
Durch all diese Tätigkeiten ist Beat Grögli vielen Gläubigen im Bistum bekannt. «Die Aufgabe als Dompfarrer in der Kathedrale als Zentrumskirche habe ich als spannende Netzwerk-Aufgabe erfahren, mit vielen Bezügen zu unterschiedlichen kirchlichen Gruppierungen, zur Kultur, in die Stadt und in die Gesellschaft», so Grögli.
Beat Grögli ist der zwölfte Bischof von St. Gallen. Das Bistum St. Gallen ist also noch nicht sehr alt. Es besteht seit 1847 und wurde nach langen Verhandlungen zwischen dem katholischen Administrationsrat und dem Vatikan als eigenständiges Bistum errichtet. Sein Sitz befindet sich im Stiftsbezirk, also in den Gebäuden der ehemaligen Benediktinerabtei von St. Gallen.
Gut zwanzig Jahre vor der Gründung des Bistums St. Gallen, konkret 1823, war ein Doppelbistum Chur-St. Gallen eingerichtet worden, das aber unbeliebt und erfolglos blieb, wie es auf der Bistumsseite heisst.
Dieses Doppelbistum folgte auf das Bistum Konstanz, das zuvor die Region beherrscht hatte und 1821 aufgehoben wurde. Das Kloster St. Gallen war bereits 1805 vom Grossen Rat des Kantons St. Gallen durch formellen Beschluss des aufgehoben worden, heisst es in einem historischen Beitrag der «St. Galler Nachrichten» vom 19. November 2024.
Das kirchliche Leben im Gebiet des Bistums wurde zuvor über Jahrhunderte stark durch die Abtei St. Gallen geprägt. Die Benediktinerabtei war am Grab des um 645 nach Christus verstorbenen Heiligen Gallus entstanden.
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