Die Missbrauchskommission der Luzerner Kantonalkirche versteht sich als Gesprächs- und Kontrollpartner des Basler Bischofs Felix Gmür bei der Umsetzung von Massnahmen gegen Missbrauch. Seit März hat sie die kirchliche Sexualmoral und den Umgang mit Lebensformen im Fokus.
Regula Pfeifer
Die Missbrauchskommission der Luzerner Kantonalkirche war Anfang Mai mit einer Delegation zum Gespräch beim Basler Bischof Felix Gmür. Was sie genau miteinander besprachen, will Thomas Scherer, Präsident der Sonderkommission Aufarbeitung Missbrauch, nicht offenlegen. Die Delegation wolle zuerst die übrigen Kommissionsmitglieder darüber informieren und besprechen, wie es nun weitergehen solle, sagt er auf Anfrage von kath.ch.
Wie sie ihre Aufgabe aber grundsätzlich verstehen, darüber berichtet Scherer gern. Eingesetzt wurde die Sonderkommission, nachdem die Luzerner Synode den Bischof unter Druck gesetzt hatte. Die Synode gab gegen Ende 2023 bekannt, sie werde das für die Bistumsleitung bestimmte Geld zurückhalten, solange die Forderungen betreffend Missbrauchs-Massnahmen nicht erfüllt seien.
«Beim ersten Treffen erklärten wir dem Bischof, was wir erwarten und was wir selbst leisten; damit er es versteht», sagt Scherer. Sie kamen überein, ihre Arbeit als «Audit» zu verstehen. «Die Gespräche sollten als vertrauensbildende Massnahmen wirken», so Scherer. Offenbar mit Erfolg, wie er ausführt: «Wir durften mit der Anwältin direkt reden, die die Anlaufstelle im Bistum Basel betreibt. Auch den Archivar des Bistums Basel trafen wir zum direkten Gespräch. Da sahen wir: Da wird seriös gearbeitet.»
So will die Kommission auch jetzt vorgehen, da sie – seit März – einen neuen Auftrag von der Luzerner Synode hat. Sie soll nun das Hauptaugenmerk auf die Ziele «Abkehr von der lebensfeindlichen und homophoben Sexualmoral» und auf die «uneingeschränkte Anerkennung eines freien partnerschaftlichen Lebens auch für kirchliche Angestellte» richten.
Scherer konkretisiert: «Unser Auftrag ist zu beurteilen: Wird an der Forderung, dass die Sexualmoral überdacht wird und die partnerschaftliche Lebensform keine Auswirkung auf die Anstellung hat, gearbeitet? » So seien sie etwa informiert, dass die bischöfliche Kommission für Theologie und Ökumene eingesetzt sei, an dieser Frage der Lebensform zu arbeiten. «Aber wir möchten gern wissen, was ihre Aufgabe ist», betont Scherer.
Die Kommission wünsche sich von der Bistumsleitung wie von der Bischofskonferenz «eine aktivere Informationspolitik», das heisst es in der Mitteilung der Katholischen Kirche im Kanton Luzern vom 14. Mai. Bisher fehle die notwendige Transparenz, bestätigt Scherer gegenüber kath.ch.
Es gebe Hinweise, dass im Bistum Basel «eine liberale Haltung bezüglich Lebensform ihrer Mitarbeitenden etabliert werden soll», schreibt die Kommission in ihrem Bericht an die Synode vom 14. Mai. Sie zitiert aus dem Arbeitsinstrument «Pep to go» (Pep für Pastoraler Entwicklungsplan), wonach das Bistum Basel niemanden von kirchlicher Teilhabe ausschliesse. Und es wolle sich dafür einsetzen, dass niemand von Ämtern, auch Weiheämtern, ausgeschlossen werde.
Das Engagement für die freie Lebensform hat im Luzernischen eine Vorgeschichte. Im November 2023 – zwei Monate nach Publikation der Pilotstudie zum Missbrauch in der Kirche – hatten sich sechs Seelsorgende geoutet. Sie berichteten in einem Brief an die Luzerner Synode, dass sie bei der kirchlichen Jobsuche und Anstellung Diskriminierung erlitten hatten, etwa weil sie geschieden, homosexuell oder laisiert sind.
Die Sonderkommission war am 8. November 2023 von der Luzerner Synode eingesetzt worden. Damals hatte sie den Auftrag, alle die angekündigten Massnahmen gegen Missbrauch kontrollierend zu begleiten.
Viele der Forderungen seien inzwischen teilweise oder vollständig erfüllt, erklärt Kommissionspräsident Thomas Scherer den Strategiewechsel gegenüber kath.ch. Auch bezüglich Forderungen der RKZ gehe es vorwärts. Er erwähnt dabei die Meldestellen für Missbrauchsbetroffene, die – bei den kantonalen Opferstellen – eingeführt werden oder worden sind.
Aktuell arbeite man daran, diesbezüglich gesamtschweizerische Standards zu implementieren. «Mein Eindruck ist, dass die Kirche das angehen will», lobt Scherer.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/luzerner-missbrauchskommission-setzt-auf-vertrauensbildende-gespraeche/