Künstlerische Schmuckdosen als Vorboten fürs 1500-Jahr-Jubiläum der Benediktiner

In vier Jahren feiern die Benediktinerinnen und Benediktiner weltweit ein Jubiläum: 1500 Jahre, seit Benedikt von Nursia seine «Regula Benedicti» publiziert hat. Die Foundation Benedict Luzern will im Vorfeld die Regel Benedikts und seine Werte stärker ins Bewusstsein rufen – mit Kunst-Mitbringseln und einem Luke-Gasser-Film.

Sabine-Claudia Nold

Es war die Zeit der Völkerwanderung. Es war eine Zeit der Konflikte und Gewalt. Die bestehende Ordnung – das Römische Reich – zerfiel. Die politische und kulturelle Ordnung Europas lag in Trümmern. In diese Zeit hinein wurde Benedikt um 480 in Nursia (heute Norcia) geboren. Mit seiner Mönchsregel («Regula Benedicti») legte er ein Fundament, das weit über die Klostermauern hinaus Bestand hatte und nachwirkte. Papst Paul VI. ernannte Benedikt von Nursia deshalb 1964 zum Patron Europas, zum Schutzpatron unseres Kontinents.

Sprössling einer noblen Familie

Benedikt von Nursia war der Sprössling der noblen Familie der Anicier. Sein Vater war Vorsteher der kleinen umbrischen Stadt. Benedikt genoss eine gute Erziehung und begab sich als Jugendlicher für weitere Studien nach Rom. Doch der Stadt kehrte er ob ihrer zerfallenden Sitten schon bald den Rücken. Er zog sich ins romantische Tal des Flusses Aniene zurück – nach Subiaco; in diesem Tal verbrachten die wohlhabenden römischen Familien und besonders die Kaiser die drückend heissen Sommertage.

Viele Erzählungen und Legenden ranken sich um die Jahre des inneren Wachstums, in denen Benedikt in der Einsamkeit einer Höhle Gott suchte.

Gemäss der italienischen Berechnung war es im Jahr 525, als Benedikt mit einer kleinen Gruppe von Gefolgsleuten Subiaco verliess und nach Cassino zog. Oberhalb des Städtchens Cassino begannen Benedikt und seine Gefolgsleute auf den Ruinen einen Apollotempels den Bau des ersten Klosters. Hier sollte Benedikt seine Mönchsregel, die «Regula Benedicti», schreiben, 529 publizieren und das Kloster Montecassino formell gründen. Im gleichen Jahr liess der oströmische Kaiser Justinian die Akademie des Platon in Athen schliessen.

Kunstzyklus beginnt mit «Norcia»

In Anlehnung an die italienische Datierung, gemäss der Benedikt 525 Subiaco verlassen hatte, hat die Foundation Benedict Luzern gemeinsam mit dem international bekannten Künstler Wolfgang Zwirner einen Zyklus gestartet, der sich über vier Jahre hinweg erstrecken wird. Von 2025 bis 2029 wird Zwirner jedes Jahr ein Werk gestalten, das auf das Leben und Wirken des Heiligen Benedikt Bezug nimmt. Am ersten Wochenende im Mai fand anlässlich der Jahresversammlung der Foundation Benedict in Rheinau die Vernissage von Zwirners erstem Werk statt: Norcia, Geburtsort des Heiligen Benedikt.

In Zusammenarbeit mit der Confiserie «Gottlieber Spezialitäten» gestaltete Zwirner auch eine Schmuckdose, die – gefüllt mit Gottlieber Hüppen – erworben werden kann. Ebenfalls käuflich sind Karten und signierte Plakate mit dem Motiv «Norcia» (unter der Mailadresse: benedict@bluewin.ch)

In den kommenden Jahren setzt Wolfgang Zwirner weitere bedeutsame Orte im Leben Benedikts künstlerisch um: Subiaco, Einsiedelei des Heiligen Benedikt (2026); San Paolo fuori le mura, Benediktinerabtei, Grab des Heiligen Paulus mit erster Kirche aus dem 4. Jahrhundert (2027); Sant’Anselmo, Badia Primaziale mit Sitz des Abtprimas der Benediktiner sowie der Internationalen Benediktinischen Universität (2028); Montecassino, Gründungsdatum und Publikation der «Regula Benedicti» gemäss der Tradition bereits im Jahr 529 (2029).

«Regula Benedicti» – Ordnung, die Leben ermöglicht

Die Regel Benedikts wurde geschrieben für Mönche, die sich im Kloster im Rahmen einer christlichen Gemeinschaft auf eine intensive Gottsuche begeben. Auf nur knapp 100 Seiten entwarf Benedikt eine Lebensordnung, in deren Zentrum Gebet, gegenseitiger Dienst und Askese stehen – wobei alle Rücksicht auf die Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder nehmen.

Die «Regula Benedicti» charakterisiert das Kloster als «eine Schule im Dienst des Herrn» (RB Prolog 45). Neu an der «Regula Benedicti» ist das Bestreben, im gemeinsamen, christlich geprägten Lebensvollzug in allem das richtige Mass zu finden.

Vision einer gelingenden Gemeinschaft

«Ora et labora et lege» – «Bete und arbeite und lese» – fasst die Grundhaltung der Regel zusammen. Sie fordert Disziplin, aber nie um ihrer selbst willen. Sie ordnet das Leben – ohne zu knechten. Der Abt wird nicht als Herrscher, sondern als Christusvertreter gesehen, der mit väterlicher Liebe leiten soll. Selbst der Schwächste hat seinen Platz. Und der Gehorsam soll kein blinder Befehlsempfang sein, sondern vielmehr ein Hinhören auf das, was dem Leben dient.

Die Benediktinerklöster wurden von Päpsten und Kaisern gezielt gefördert und in Dienst genommen. So entstanden in den Klöstern bedeutende Zentren von Kultur, Bildung und Religion; über viele hundert Jahre prägten die Benediktiner ebenso Verwaltung und Wirtschaft im Gebiet des heutigen Europas. Die Regel hat bis heute Gültigkeit in allen ungefähr 800 Klöstern der Benediktinerinnen und Benediktiner. In einer Welt der Zersplitterung bot und bietet die Regel eine Vision gelingender Gemeinschaft.

Die Rolle Papst Gregors des Grossen

Was heute über Benedikt von Nursia bekannt ist, stammt nahezu ausschliesslich aus der Feder Papst Gregors des Grossen (590 bis 604). Gregor, der selbst aus dem römischen Adel stammte und vermutlich Mönch in einem Benediktinerkloster war, widmete das zweite Buch seines Werks «Dialogi» der Figur des Benedikt von Nursia.

Seine Darstellung – eine Mischung aus Biografie, geistlichen Lehren und Wundererzählungen – machte Benedikt im gesamten mittelalterlichen Europa bekannt. Gregor verfasste keine exakte Biografie, sondern zeigte Benedikt als geistliches Vorbild. Papst Gregor erkannte die «Regula Benedicti» als Anleitung zu einer christlicher Lebensgestaltung, die Ordnung in eine unruhige Welt bringen konnte – genau das, was Europa damals brauchte.

Luke Gassers Film zum heiligen Benedikt

Der Schweizer Filmregisseur Luke Gasser verfolgt diesen Ansatz und macht sich mit seinem neusten Film «Wer die guten Tage will – Benedikt von Nursia» auf die Suche nach Benedikts Spuren vom Anfang in Nursia bis in die heutige Welt.

Gasser spricht mit zahlreichen bekannten Personen aus Kirche und Wirtschaft und stellt auch kritische Fragen der Gegenwart, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. «Leider hat sich keine der zahlreich angefragten Benediktinerinnen dazu entschliessen können, vor die Kamera zu treten», bedauert der Filmemacher bei der Vorstellung des Trailers, anlässlich der Jahresversammlung der Foundation Benedict. Der Film, dessen Patronat Kardinal Kurt Koch übernommen hatte, wird ab Herbst zu sehen sein. Der Trailer kann bereits hier bereits angeschaut werden.

Seit 1964 Schutzpatron Europas

Mit der Ernennung Benedikts zum Schutzpatron Europas verband Papst Paul VI. 1964 die Hoffnung, dass Europa aus seinen christlichen Wurzeln heraus neue Kraft schöpfen könne.

Benedikt hatte keine Politik gemacht – doch war sein Wirken zutiefst politisch im besten Sinne: Er schuf Lebensräume, in denen Menschen Frieden, Bildung und Gott fanden. Die Benediktinerklöster wurden im Mittelalter nicht nur spirituelle Zentren, sondern auch Orte der Landwirtschaft, Wissenschaft, Medizin und Kultur. Aus diesen Inseln der Ordnung wuchs nach und nach ein neues Europa.

Kompass in heutiger Zeit

Heute – ebenfalls in einer Zeit der Unruhe, Vereinzelung und Sinnsuche – ist Benedikts Stimme aktueller denn je. Die «Regula Benedicti» ist kein Relikt, sondern ein geistlicher Kompass. Sie lädt ein zu einem Leben aus dem Gleichgewicht von Gebet, Arbeit und gegenseitiger Achtung. Europa braucht solche Räume der Stille, der Gemeinschaft und des Glaubens dringender denn je.

Benedikt von Nursia ist deshalb auch ein Prophet für das 21. Jahrhundert. Seine Regel zeigt: Es ist möglich, inmitten von Umbrüchen eine Lebensweise zu finden, die Halt gibt. Wer heute nach spiritueller Tiefe und gesellschaftlicher Verantwortung fragt, findet in Benedikt einen Wegweiser


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