Am Ende zählt das Resultat: Nüchterner Blick auf das Konklave

Die Regeln, nach denen ein Papst gewählt wird, gehen zurück bis ins Mittelalter. Damals wurden die Kardinäle zum ersten Mal eingeschlossen. Nicht primär, um sie von Beeinflussung abzuschirmen, sondern um sie unter Druck zu setzen, innert nützlicher Frist eine Wahl zu tätigen. Der Kirchenhistoriker Alberto Melloni, der in diesen Tagen ein Buch zum Thema veröffentlicht, stellt ein These zum Konklave auf.

Francesco Papagni

Worum geht es bei einer Papstwahl? Um die Kür des Besten? Oder gar um die Entdeckung desjenigen, der vom Heiligen Geist bestimmt worden ist?

Kein Geringerer als Kardinal Joseph Ratzinger hat 1997 dem Bayrischen Rundfunk auf die Frage, ob der Heilige Geist für die Wahl verantwortlich sei, folgende nüchterne Antwort gegeben: «Das würde ich so nicht sagen. Der Heilige Geist hat ihn nicht gewählt. Der Glaube sagt uns, dass der Heilige Geist auch in diesem Prozess wirkt, aber als ein Wirken, dass sich in den menschlichen Entscheidungen und Handlungen vollzieht.»

Ein klares Resultat

Alberto Melloni, der in diesen Tagen ein Buch mit dem Titel «Il conclave e l`elezione del papa» (Das Konklave und die Wahl des Papstes) herausgibt, führt dieses Zitat an, um seine eigene These zu stützen: Im Konklave geht es in erster Linie darum, ein eindeutiges, unanfechtbares Resultat zu erzielen.

In der Geschichte der Kirche gibt es Beispiele zuhauf von Wahlen, die dieses Ziel nicht erreicht haben. Päpste, die mit Gegenpäpsten konfrontiert waren oder auch mit dem lebensgefährlichen Protest des Adels und des Volks von Rom.

Die Regeln des Konklaves, die sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet haben, zielen auf zweierlei. Erstens soll die Wahl nicht von aussen beeinflusst werden, zweitens soll sie eben ein klares Resultat erzielen. Schon im Jahr 1179 erlässt Papst Alexander III die Bulle licet de vitanda discordia, welche die Regel einführt, dass der Papst mit einer Zweidrittelmehrheit gewählt wird. Bekanntlich gilt diese bis heute.

Gestern die katholischen Mächte, heute Social Media

Die Beeinflussung von aussen ist historisch gesehen ein Dauerthema. Im Mittelalter war der Papstthron Spielball der verschiedenen grossen römischen Adelsfamilien, den Colonna, Orsini, Farnese. Und natürlich versuchte der Kaiser, die Wahl in seinem Sinne zu beeinflussen.

In der Neuzeit wurden lange nur Italiener gewählt – dies nicht wegen einer besonderen Präferenz der Kirche für italienische Kardinäle, sondern deswegen, weil die katholischen Mächte Spanien, Frankreich und Habsburg-Österreich keinen der jeweils anderen auf dem Stuhl Petri sehen wollten.

Im heutigen digitalen Zeitalter sind die Möglichkeiten, die Papstwahl zu beeinflussen, ganz andere. Die Sixtinische Kapelle ist durch Störsender abgeschirmt, aber spätestens ab dem Ende eines Pontifikats versuchen verschiedene Gruppen, Einfluss auf die Elektoren zu nehmen.

U.S.-Konservative sind besonders aktiv

Besonders aktiv sind in den letzten Monaten die Amerikaner gewesen. Die sichtbarste Initiative ging von Edward Pentin, einem Brite, und Diane Montagna, einer U.S.-Amerikanerin aus. Sie arbeiten als Journalist beziehungsweise. Journalistin für konservative Publikationen.

Die beiden stehen hinter der frei zugänglichen Webseite The Cardinals Report, welche alle Kardinäle nach einem Kriterienkatalog sortiert. Die professionell gemachte Seite will der Information dienen, zumal sich viele Kardinäle ja nicht persönlich kennen.

Schaut man sich aber die Sache genauer an, wird es durchsichtig, dass es darum geht, die Meinungen zu beeinflussen. So ist etwa eine der Punkte, nach denen die Genannten eingeteilt werden, die Haltung zur Alten Messe – ein Thema, das den Konservativen besonders am Herzen liegt.

Auch Vorkonklave hinter verschlossenen Türen?

Das Newsportal CNN meldet jetzt, dass The Cardinals Report als gebundenes Buch allen Kardinälen abgegeben worden ist. Es ist nicht verboten, dieses ins Konklave mitzunehmen. Und doch war es der heilige Papst Johannes Paul II., der abermals alle Versuche, das Konklave zu beeinflussen, mit Exkommunikation belegt hat.

Alberto Melloni, einer der profundesten Kenner der katholischen Kirche überhaupt, macht am Ende seines Buches einen Vorschlag, wie die Papstwahl besser abgeschirmt werden könnte: Er plädiert dafür, auch das Vorkonklave hinter verschlossenen Türen abzuhalten.


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https://www.kath.ch/newsd/am-ende-zaehlt-das-resultat-nuechterner-blick-auf-das-konklave/