Der Kinderchor der Pfarrei St. Anton in Zürich-Hottingen singt am 11. Mai im Sonntagsgottesdienst mit, der von SRF live übertragen wird. Seit Januar übt Heidi Hürlimann (49) mit den Mädchen und Buben, die zwischen vier und acht Jahre alt sind.
Barbara Ludwig
Heidi Hürlimann arbeitet als Katechetin in der Pfarrei St. Anton in Zürich-Hottingen. Seit vielen Jahren schon führt sie mit Kindern ein Krippenspiel für den Familiengottesdienst an Heiligabend auf. Die 49-Jährige hat eine Ausbildung in Stimmbildung und Sprechen an der Zürcher Hochschule der Künste absolviert und spielt selbst in einer Rockband.
2023 übernahm sie den Kinderchor der Pfarrei St. Anton, in dem zurzeit 20 Kinder mitmachen. Sie sind zwischen vier und acht Jahre alt, fast die Hälfte davon Knaben. «Erstaunlicherweise», sagt Hürlimann im Gespräch mit kath.ch. «Das Singen ist sonst eher Mädchensache, die Jungs spielen im Allgemeinen lieber Fussball.»
Die meisten der kleinen Sängerinnen und Sänger stammen aus der Pfarrei, die teilweise bei Heidi Hürlimann den Religionsunterricht besuchen – aber nicht alle. «Die haben im Kindergarten, der Schule und in der Nachbarschaft vom Chor erzählt, so dass die Gruppe immer grösser wurde. Auch ein jüdisches Mädchen singt mit», sagt die Chorleiterin, die mit bloss vier Kindern startete.
Der Kinderchor hat bislang bei einigen Gottesdiensten gesungen, zum Beispiel bei einem Kindergottesdienst oder letztes Jahr im Fasnachtsgottesdienst und am Palmsonntag. Am 11. Mai steht nun ein besonderer Einsatz an. An diesem Sonntag ist zum einen Muttertag. Zum anderen wird der Gottesdienst in der Kirche St. Anton vom Schweizer Fernsehen SRF live übertragen.
Der Kinderchor wird zur musikalischen Gestaltung beitragen, nebst einen Projektchor mit Erwachsenen. Ausgewählt hat Hürlimann drei Stücke. «Zum Gloria werden wir das Mashiti-Amen singen. Das ist ein südafrikanisches Loblied. Die anderen beiden Lieder sind von Andrew Bond: ‹Überall isch Gott› und ‹Ich laden oi ii›.» Ein Pianist wird die Kinder am Klavier begleiten.
Ein Repertoire für Kinder zwischen vier und acht Jahren aufzubauen, sei gar nicht so einfach, sagt Hürlimann. Etwa wegen der Sprache: Im vergangenen Jahr hatte es noch viel mehr Kinder mit Hochdeutsch als Muttersprache im Kinderchor als heute. «Damals konnte ich nicht auf ein gemeinsames Liedgut zurückgreifen. Jetzt spricht die Mehrheit Schweizerdeutsch, was es wieder einfacher macht.» Nun singe man viele Lieder des Schweizer Liedermachers Andrew Bond. «Die sind schweizerdeutsch und passen gut ins Kirchenjahr.»
«Schwierig wird es für sie, wenn ein Lied viele Strophen hat.»
Bei der Auswahl der Lieder muss Hürlimann auch berücksichtigen, dass die ganz Kleinen sich noch nicht viel Text merken können. «Kehrverse können sie gut auswendig lernen. Schwierig wird es für sie, wenn ein Lied viele Strophen hat.»
Stellt die Chorleiterin höhere Ansprüche als sonst, weil das Fernsehen kommt und die halbe Schweiz zuhören und zuschauen kann? Zwar sei es erstrebenswert, dass es schön klinge, sie lasse aber grundsätzlich alle Kinder mitsingen, stellt Hürlimann klar. Auch solche, die brummen, im Moment sei aber kein solches dabei.
Das Mitmachen der Kinder ist der Chorleiterin sowieso wichtiger als eine perfekte Darbietung. Sie weist darauf hin, dass die Kinder durch die Praxis lernen. «Es gibt nur wenige, die einfach so rein singen, das muss man üben, indem man sich und die anderen beim Singen hört.»
Wegen des zarten Alters der Sängerinnen und Sänger ist ihre Aufgabe ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. «Bei solch kleinen Kindern ist es nicht ganz einfach, ihre Energie zu bündeln», so Hürlimann. Es komme vor, dass sie mal gar nicht singen – etwa, wenn gerade etwa Interessantes zu sehen ist – und kommt dann eine Passage, die ihnen besonders gefällt, sängen sie sehr laut.
Im Hinblick auf den kommenden Auftritt versuche sie, «die Kinder so zu fördern, dass sie auf mich schauen und auch auf meine Zeichen achten, damit sie wissen, wo wir laut und wo wir leise singen sollen.» Zudem lasse sie die schwierigeren Passagen oder die Strophen mit viel Text von den älteren Kindern singen und die einfacheren Kehrverse von allen gemeinsam.
«Wow, wir dürfen im Fernsehen mitsingen, dann werden wir berühmt.»
Und wie sehen die Kinder dem 11. Mai entgegen? Es gebe zwar einige, die sagten, sie wollen da nicht mitsingen, berichtet die Chorleiterin. «Ich weiss nicht, ob sie Lampenfieber haben. Die meisten aber freuen sich. Zwei Kinder sagten: ‹Wow, wir dürfen im Fernsehen mitsingen, dann werden wir berühmt.›»
Hürlimann ist überzeugt, dass am Muttertag schliesslich genügend Kinder mitsingen werden. Es gebe ja noch die Hauptprobe am Tag zuvor – und damit Gelegenheit für die etwas Ängstlichen zu sehen, ob ihnen das behagt oder nicht.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/vorfreude-und-bammel-zuercher-kinderchor-singt-in-srf-fernsehgottesdienst/