Abt Urban Federer: «Der Papst konnte mit Humor über die verschiedenen Ordensfamilien sprechen»

Der Abt von Einsiedeln, Urban Federer, hat mit Papst Franziskus jeweils über eine Klosterniederlassung in Argentinien gesprochen. Dass der Südamerikaner auf dem Heiligen Stuhl den Fokus auf Regionen und Kulturen legte, die von Europa aus an den Rändern der Welt liegen, sei nicht einfach gewesen, so Federer. Eine kleine Würdigungsserie mit Ordensleuten.

Regula Pfeifer

Wie haben Sie den Papst erlebt? Haben Sie ihn persönlich getroffen?

Abt Urban Federer*: Immer, wenn wir uns getroffen haben, empfand ich ihn als sehr zugänglich. Unser Hauptthema war dabei jeweils das Kloster Santa Maria de los Toldos, das nicht weit von Buenos Aires entfernt liegt und eine Gründung von Einsiedeln ist. Da alle Klostergründungen, die auf Einsiedeln zurückgehen, eine Kopie der Schwarzen Madonna von Einsiedeln besitzen, war er von Argentinien her mit unserem Heiligtum verbunden.

Papst Franziskus war Jesuit. Hat ihn das geprägt? Wie schätzen Sie das als Ordensmann ein?

Federer: Viele Passagen in den Schriften von Papst Franziskus müssen im Kontext der jesuitischen Tradition interpretiert werden, insbesondere im Hinblick auf die Prinzipien der Unterscheidung und der pastoralen Begleitung. Diese Tradition legt grossen Wert auf die individuelle Situation und die konkrete Lebensrealität, was Papst Franziskus sehr am Herzen lag.

«Der Papst meinte: Es sei doch schön, wenn ein Jesuit und ein Dominikaner miteinander auskommen.»

Als wir als Bischofskonferenz einmal mit Papst Franziskus in einem Stuhlkreis sassen, ergab es sich, dass neben ihm Bischof Charles Morerod aus Freiburg sass, der ein Dominikaner ist, und dann ich. Der Papst meinte dann zu mir, dem Benediktiner: Es sei doch schön, wenn ein Jesuit und ein Dominikaner miteinander auskommen. Er konnte also mit Humor über die verschiedenen Ordensfamilien sprechen.

Was wird von ihm bleiben, was wird fehlen?

Federer: Programmatisch ist für mich sein Schreiben «Evangelii gaudium» von 2013. Darin zeigt er frische Wege auf, die Frohe Botschaft des Evangeliums in die Welt von heute zu tragen. Weiter hat das Schreiben «Laudato si’», das aus der Sorge für die gemeinsame Erde entstand, angesichts der Klimaveränderung nichts an Aktualität eingebüsst, so wenig wie sein Schreiben «Fratelli tutti», das zu menschlicher Geschwisterlichkeit aufruft, ohne die es keinen Weltfrieden geben kann.

«Papst Franziskus hat den Menschen in den Mittelpunkt gestellt, für den die Kirche da ist.»

Papst Franziskus hat immer wieder den Menschen in den Mittelpunkt gestellt, für den die Kirche da ist. Als Südamerikaner hat er den Fokus auf Regionen und Kulturen gelegt, die von Europa aus an den Rändern der Welt liegen. Das ist für Europäische Kirchen nicht ganz einfach, da unsere Fragen für den Papst nicht zuoberst auf der Traktandenliste standen. Er machte sich dafür vor allem gegen die Armut dieser Welt stark. Dieses Nebeneinander vieler Kulturen mit ihren je eigenen Fragen und Hoffnungen liessen Papst Franziskus in den letzten Jahren vor allem für eine synodale Kirche einstehen. Synodalität war für ihn ein Ausdruck der weltweiten Gemeinschaft, in der das ganze Volk Gottes am Leben und an der Sendung der Kirche teilhat.

Was erhoffen Sie sich von einem Nachfolger im Papstamt?

Federer: Dass auch dieser ein pastoraler Mensch ist, der ein Ohr hat für die Nöte und Sorgen der Menschen und der Welt.

*Urban Federer leitet seit gut elf Jahren das Benediktinerkloster Einsiedeln.


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