Sie glühen für die Päpstliche Schweizergarde und stellen sich den Fragen für die Zukunft: Der Ex-Gardist Romano Pelosi und der Seelsorger und Fotograf Oliver Sittel schauen im Podcast «Laut + Leis» hinter die Kulissen der Garde.
Sandra Leis
Ein Schweizergardist ist römisch-katholisch, mindestens 1,74 Meter gross, hat die Matura oder eine Berufsausbildung im Sack und die Rekrutenschule abgeschlossen.
Auch charakterlich sind laut dem Ex-Gardisten Romano Pelosi (28) einige Eigenschaften unabdingbar: «Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, ein gewisses Mass an Disziplin und die Bereitschaft, sich auf neue Kulturkreise einzulassen.»
Pelosi ist mit 19 Jahren in die Schweizergarde eingetreten und hat viereinhalb Jahre Dienst geleistet. Er spricht ganz bewusst von «Dienst»: Denn «zu dienen heisst, die persönlichen Bedürfnisse zurückzustecken und sich einer starken Überzeugung hinzugeben».
Die Überzeugung muss stimmen und stabil sein, weil jeder Gardist den Eid ablegen muss, im Notfall für den Papst zu sterben. «Zur Fahne zu treten und den Eid abzulegen, ist eine der entscheidendsten Situationen im Leben eines Gardisten», sagt Oliver Sittel. Er ist Pfarrei- und Notfallseelsorger und begleitet die Schweizergarde seit vielen Jahren mit seiner Fotokamera.
Es habe auch schon Jahre gegeben, da standen vierzig Hellebardiere auf der Liste, doch angetreten seien nur 39. «Das heisst, jemand hat seine Sachen gepackt und ist in die Schweiz zurückgefahren, weil er gemerkt hat: Ich kann es nicht und lege deshalb auch den Eid nicht ab.» So eine Entscheidung zu treffen, verlange Respekt.
Die Vereidung findet seit über hundert Jahren am 6. Mai statt. Heuer allerdings wird sie wegen des Todes von Papst Franziskus verschoben. Nach der feierlichen und pompösen Vereidigung folgt ein Alltag, der viel weniger glamourös ist.
Der Gardist schiebt viele Stunden Wache, ist Hitze und Kälte ausgesetzt und teilt sein Zimmer mit einem oder zwei Kameraden in einer Kaserne aus dem 19. Jahrhundert.
«Es gibt Momente persönlicher Krisen, insbesondere wenn die Tage sehr strapaziös sind», sagt Romano Pelosi. «Doch wenn einem dann der Papst begegnet ist als sehr einfacher und authentischer Mann, hat es einen Switch gemacht im Kopf.» So jedenfalls habe er sich immer wieder neu für den Dienst motivieren können.
Siebzig Prozent aller Gardisten quittieren ihren Dienst nach den 26 Pflichtmonaten, neue Rekruten gibt es zu wenige. Das Corps besteht aus 135 Mann, das Soll ist im Moment mit 131 Mann nicht ganz erreicht.
Geplant ist eine neue und moderne Kaserne mit Einzelzimmern und eigenem Bad sowie Wohnungen für Familien. Das ist ein Fortschritt, doch das Nachwuchsproblem wird damit wohl kaum gelöst sein.
Wäre der Zugang von Frauen eine Lösung? Klar für Frauen als Gardistinnen ausgesprochen haben sich die alt Bundesrätinnen Ruth Metzler und Doris Leuthard. Metzler präsidiert die Stiftung der Schweizergarde; Leuthard ist Schirmherrin der neuen Kaserne.
Die beiden Podcast-Gäste sind von der Idee nicht begeistert. Sittel stellt sich das gemeinsame Diensttun und Zusammenleben schwierig vor, und Pelosi sagt als Ex-Gardist: «Die Rahmenbedingungen und die Aufgabenstellung erlauben es nicht, Frauen in die Garde aufzunehmen.» Doch entscheiden könne die Frauenfrage nur der neue Papst.
Bleibt die Frage, ob künftig Menschen in die Garde aufgenommen werden, die keinen Schweizer Pass haben. Schliesslich ist die römisch-katholische Kirche universal, und deshalb könnten theoretisch Soldaten aus der ganzen Welt für die Sicherheit des Papstes sorgen. Ähnlich wie bei den Truppen der Vereinten Nationen. Auch hier ist die Antwort von Pelosi und Sittel klar Nein.
Pelosi verweist auf die historische Entwicklung der Garde und sagt: «Das wäre ein sehr grosser Traditionsbruch. Papst Julius II. hat 1506 gesagt, er möchte Schweizer Söldner, denn sie waren bekannt als disziplinierte und professionelle Krieger.» Und weiter: «Bis heute sind Präzision, Diskretion und Loyalität Schweizer Qualitäten, die gefragt sind.»
Oliver Sittel ist deutscher Staatsbürger und wäre bereits als Bub gerne Gardist geworden, doch auch er sagt: «Es ist ein Privileg für Schweizer.»
Traditionen verpflichten. Gleichzeitig dürfen und sollen sie weiterentwickelt werden – doch wie das bei der Päpstlichen Schweizergarde der Fall sein könnte, darüber herrscht bei Pelosi und Sittel ziemliche Ratlosigkeit.
Oliver Sittels Fotodokumentation mit dem Titel «Schweizergarde» ist vor zehn Jahren im Theologischen Verlag Zürich erschienen und bis heute im Buchhandel erhältlich.
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