Die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz sieht zahlreiche Aspekte des Pontifikats von Papst Franziskus positiv. Etwa seinen neuen Führungsstil, seine Ablehnung von Klerikalismus und die Kurienreform. Er habe aber auch viele reformorientierte Kräfte in der Kirche enttäuscht. Mehrere Kantonalkirchen äussern sich ebenfalls zum Pontifikat von Franziskus.
Barbara Ludwig
Der am Ostermontag verstorbene Papst Franziskus habe ganz besonders jene Menschen in den Mittelpunkt gerückt, die in Armut leben, auf der Flucht sind oder im Gefängnis sitzen, schreiben Präsident Roland Loos und Generalsekretär Urs Brosi in einer Mitteilung von Montag. Damit habe er in einer Zeit, in der immer mehr Menschen in Westeuropa zur Kirche auf Distanz gehen und aus ihr austreten, ein «glaubwürdiges Bild des Jesus von Nazareth vorgelebt». Loos und Brosi vertreten die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) den Zusammenschluss der kantonalkirchlichen Organisationen.
Franziskus habe einen neuen, ungewohnten Führungsstil praktiziert, so die RKZ-Verantwortlichen. Indem er Zeichen setzte und Impulse gab, ohne den Weg zu diktieren. Indem er eine «angstfreie Diskussionskultur» zugelassen und gefördert habe. Indem er sich gegen Klerikalismus und Privilegienschacher gewandt habe und einen bescheidenen Lebensstil pflege. Der verstorbene Papst habe die römische Kurie reformiert und sich eine «heilsame Dezentralisierung» gewünscht. Die RKZ erinnert zudem daran, dass Franziskus im Januar zwei Frauen in Spitzenfunktionen eingesetzt hat.
Zugleich findet die Dachorganisation, Papst Franziskus habe viele reformorientierte Kräfte in der Kirche auch enttäuscht: Bei zahlreichen Momenten des Aufbruchs sei er nicht klar vorangegangen, er habe «zu wenig rechtliche und strukturelle Erneuerung» ermöglicht und verschiedene Aufbrüche – etwa den synodalen Weg in Deutschland – ausgebremst.
Aus Sicht der RKZ bleibe von ihm vor allem das Vermächtnis, das unter dem Stichwort «Synodalität» bekannt geworden sei: «Die Kirche soll sich erneuern, indem sie den Anspruch des Evangeliums ernst nimmt und auf sich selber bezieht.»
Die weltweite Befragung von Gläubigen im Rahmen des synodalen Prozesses, der Einbezug von nichtgeweihten Frauen und Männern «auf allen Ebenen der Diskussion» hätten dazu beigetragen, vielen kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Hoffnung zu geben auf eine «lernfähige Kirche», schreiben Roland Loos und Urs Brosi.
Zu den Mitgliedern der RKZ zählt die Römisch-Katholische Kirche im Aargau. Kirchenratspräsident Pascal Gregor würdigt den verstorbenen Pontifex als «eine moralische Instanz weltweiter Bedeutung». Er sei ein Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen Tradition und Aufbruch gewesen, so Gregor in einem Statement zuhanden von kath.ch.
Besonders wertvoll sei sein Bemühen gewesen, die Kirche wieder «synodaler, dialogischer und menschennäher zu gestalten». Damit habe Franziskus auch in der Aargauer Landeskirche «viel Hoffnung geweckt», so der Kirchenratspräsident.
Im Pontifikat von Franziskus sehe er als Präsident der Aargauer Landeskirche, die demokratische und partizipative Strukturen lebe, eine «Bestärkung unseres Weges»: Mehr Mitverantwortung der Gläubigen, mehr Transparenz und mehr Raum für notwendige Reformen. «Ich hoffe, dass die Weltkirche seinen eingeschlagenen Weg nicht verlässt», schreibt Pascal Gregor weiter.
Papst Franziskus habe der Kirche eine Richtung gezeigt, die nicht rückwärtsgewandt, sondern «dem Evangelium verpflichtet ist – nah bei den Menschen, nah bei der Wirklichkeit».
Papst Franziskus sei ein Papst gewesen, der Menschen zum Nachdenken brachte, schreiben Raphael Meyer und Luis Varandas in einer gemeinsamen Mitteilung zum Tod des Pontifex. Meyer ist Synodalratspräsident der Römisch-katholischen Körperschaft im Kanton Zürich. Varandas ist Generalsekretär der Region Zürich-Glarus im Bistum Chur.
Gegen Widerstände in den eigenen Reihen habe Papst Franziskus Diskussionen angestossen und Prozesse ins Rollen gebracht, die auch nach seinem Tod fortdauern werden, heisst es in der Würdigung. «Mit den Enzykliken ‹Fratelli tutti›und ‹Laudato sì› entwarf er Visionen für eine solidarische und ökologisch handelnde Menschheit, die sich ihrer Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung bewusst ist.»
Die beiden Zürcher Kirchenvertreter hoffen, dass das politische und menschliche Vermächtnis des Verstorbenen nachhaltig auf die Gesellschaft wirke und die Kirche auf ihrem Weg weiter begleite.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant