Papst Franziskus ist am Ostermontag gestorben. «Die Trauer über den Verlust eines ganz Grossen, dem die Kleinsten am wichtigsten waren, ist gross.» Das schreibt der St. Galler Bischof Markus Büchel. Die Schweizer Bischöfe finden ihre je eigenen Worte, um den Pontifex zu würdigen.
Barbara Ludwig
Charles Morerod, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), erinnert sich an seine erste Begegnung mit Papst Franziskus. Schon damals sei er von der Einfachheit der Beziehungen beeindruckt gewesen, schreibt Morerod in einer Mitteilung der SBK vom Montag. Sein gesamtes Pontifikat habe dann diese Haltung bestätigt. «Es war wirklich die Art und Weise, wie Jesus den Menschen begegnete.»
Papst Franziskus habe den Schwerpunkt auf Einfachheit gelegt, so der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg. Darüber hinaus habe er die Notwendigkeit betont, auf andere zuzugehen, «insbesondere auf die Schwächsten: Wiederverheiratete Geschiedene, Migranten, von der Gesellschaft Ausgegrenzte».
Auch sein Kollege Joseph Maria Bonnemain, Bischof von Chur, betont den Einsatz von Papst Franziskus für die Armen. Er habe den Kapitalismus kritisiert sowie nationalistische, imperialistische Ideologien, Konsumismus und die Umweltzerstörung.
Franziskus habe die katholische Kirche mit seiner Vision einer «barmherzigen, inklusiven Gemeinschaft» geprägt. Auch Bonnemain erwähnt seine herzliche und offene Art, auf die Leute zuzugehen, die ihm die Herzen der Menschen geöffnet habe. «Sein österlicher Segen, Urbi et Orbi, wird uns stets begleiten und ermutigen, uns trotz allen Niederlagen für Frieden, für die Schwächsten, die Flüchtlinge und alle an den Rand der Gesellschaft Gestellten einzusetzen», wünscht sich Bonnemain in einer Mitteilung vom Montag.
Papst Franziskus habe eine «einfachere, lernfähige, volksnahe Kirche» gefordert und interne Machtstrukturen sowie Klerikalismus kritisiert, so Bonnemain weiter. Seinen Reformwillen habe er in einen weltweiten, synodalen Prozess eingeführt. Konsequent habe er Laien und Frauen einflussreiche Positionen übergeben und damit Verantwortung in der römischen Kurie. Bonnemain schreibt aber auch, Franziskus habe an «wichtigen, lehramtlichen Aussagen» festgehalten. «So lehnte er bspw. – gestützt auf die Tradition der Kirche – bis zuletzt die Priesterweihe für Frauen ab.»
Bonnemain würdigt weiter den Umgang von Papst Franziskus mit Missbrauch im katholischen Umfeld. Er habe das kirchliche Strafrecht verschärft und Massnahmen zur Prävention ausgebaut. Missbrauch habe er öffentlich als Verbrechen verurteilt und Aufklärung gefordert statt Vertuschung.
Papst Franziskus habe das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der Welt «neu definiert», ist Bonnemain überzeugt. «Er bezeichnete die Kirche als ‹Feldlazarett› und bezog fortlaufend zu weltlichen Themen und Konflikten Stellung.» Man könne sein Pontifikat in einem von ihm oft verwendeten Wort zusammenfassen: «Uscire». Statt sich mit sich selbst zu beschäftigen, solle die Kirche sich mit den Menschen an der Peripherie beschäftigen.
«Er war ein Vorbild.»
Der St. Galler Bischof Markus wiederum schreibt, er habe «tiefe Trauer» auf dem Herzen. «Die Trauer über den Verlust eines ganz Grossen, dem die Kleinsten am wichtigsten waren, ist gross», so Büchel in einer Mitteilung vom Montag.
Der Bischof zeigt sich aber auch dankbar dafür, dass es ihn gab und er ihm begegnen durfte. «Er war ein Vorbild.» Dass er sein Pontifikat den Armen widmete, habe er mit seinem Handeln bewiesen, schreibt Büchel. Er erinnert unter anderem an den ersten Pastoralbesuch von Franziskus 2013 in Lampedusa, wo der Papst geflüchteten Migranten begegnete.
Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten, hat das päpstliche Lehrschreiben «Evangelii Gaudium» offenbar sehr beeindruckt, wie er gegenüber cath.ch sagt. So sehr, dass er es zu seinem bischöflichen Motto machte. Dies habe er Papst Franziskus beim ersten Ad-limina-Besuch auch gesagt. «Als ich ihm sagte, dass ich den Titel seines Dokuments gestohlen hatte, um es zu meinem bischöflichen Motto zu machen, amüsierte er sich darüber und antwortete: ‹Machen Sie es zu Ihrem pastoralen Projekt.›», erzählt Lovey.
Während der Amtszeit von Papst Franziskus habe es eine Fülle von Texten, pastoralen Leitlinien, Synoden und Heiligsprechungen gegeben. «Ich denke, es wird schwierig, bei der Bilanz eine bestimmte Richtung hervorzuheben.»
Dem Bischof von Sitten hat Enzyklika «Dilexit nos», das vierte Lehrschreiben von Franziskus sehr gefallen. Dieser «wunderbare Text» über das Heilige Herz sei unbemerkt geblieben, das sei schade. «Ich war sehr berührt von dem Respekt für den populären Impuls der Religiosität, den der Papst in diesem Text zeigt», so Lovey.
«Er war für uns ein Beispiel für echte Demut und Fürsorge für die Bedürftigsten», schreibt Alain de Raemy auf der Webseite des Bistums Lugano über den verstorbenen Pontifex. Er habe «uns die Bedeutung der Synodalität innerhalb der Kirche und unter allen Menschen» gelehrt, so der Apostolische Administrator der Diözese.
In den Jahren seines Pontifikats habe Franziskus die Menschen ermahnt, «ohne Zögern auf die Güte des barmherzigen Herrn zu hoffen». Dies sei ein zentrales Motiv seines Petrusdienstes gewesen. Der Papst habe dies mit dem Ausserordentlichen Jubiläum der Barmherzigkeit im Jahr 2015 und nun mit dem Jubiläumsjahr 2025 gezeigt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant