Europa rüstet massiv auf, die Zeichen stehen auf Krieg – doch auch dieses Jahr will der Ostermarsch in Bern ein ganz anderes Zeichen setzen. Ebenso der Internationale Bodensee-Friedensweg.
Barbara Ludwig
«Wir erleben einen friedenspolitischen Rückschlag – in der Schweiz und weltweit.» Das schreiben die Organisatoren des Berner Ostermarsches, der traditionell am Ostermontag stattfindet. Sie kritisieren, dass die Schweiz noch immer nicht dem Atomwaffensperrvertrag der Uno beigetreten ist, obwohl die Atommächte ihre Arsenale aufstockten. Die Bedrohung durch Atomwaffen sei so gross wie lange nicht mehr, warnen sie. «Nur ein Verbot kann diese Gefahr eindämmen.»
Die Ostermarsch-Organisatoren werfen dem Bundesrat vor, zusätzliche Milliarden in eine Armee zu stecken, «die auf die tatsächlichen Bedrohungen keine glaubwürdige Antwort hat». Es fehle eine «nüchterne» Bedrohungsanalyse. «Eine Schweiz, die sich wirklich für Humanitarismus und einen umfassenden Frieden, internationale Zusammenarbeit und die Stärkung multilateraler Organisationen einsetzt, würde gut daran tun, sich dem Aufrüstungs-Trend entschieden entgegenzustellen», stellen sie auf der Webseite des Ostermarsches fest.
Gefordert wird unter anderem ein Beitritt der Schweiz zum internationalen Atomwaffensperrvertrag und ein Verzicht auf die Lockerung der Kriegsmaterialgesetzgebung. Dafür sollen die Uno und das Völkerrecht gestärkt werden. Die Ostermarsch-Organisatoren fordern weiter einen Stopp der «andauernden Schwächung des Zivildienstes» und ein Ende der «rassistischen Asylpolitik und der Militarisierung von Grenzen».
Der Berner Ostermarsch wird von 37 kirchlichen, christlichen, pazifistischen und sozialen Organisationen unterstützt. Auch die Katholische Kirche Region Bern ist in der Trägerschaft vertreten.
Der Friedensmarsch startet am Ostermontag beim Campingplatz Eichholz an der Aare in Wabern, wo EVP-Nationalrat Marc Jost eine Rede hält. Die Schlusskundgebung findet um 14.30 Uhr auf dem Berner Münsterplatz statt. Dort werden laut Programm unter anderem Lisa Mazzone, Präsidentin der Grünen Schweiz, und der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Laurent Goetschel auftreten.
«Ich finde es wichtig, auch friedenspolitische Akzente zu setzen.»
«Ich finde, dass es wichtig ist, in den aktuellen Zeiten, wo vielerorts nur Kriege, Waffen und Rüstungsprogramme thematisiert werden, auch friedenspolitische Akzente zu setzen», begründet Goetschel gegenüber kath.ch seine Teilnahme an dem Anlass. Für besonders wichtig hält er die Forderung nach nuklearer Abrüstung und nach gemeinsamer Sicherheit.
Er sei bereits 2023 an einem Ostermarsch aufgetreten, in Heiden AR. Als gewöhnlicher Teilnehmer sei er indes noch nie an Ostermärschen mitmarschiert.
Die Tradition der Ostermärsche geht auf die 1960er Jahre zurück, als Friedensbewegungen in aller Welt gegen die atomare Aufrüstung protestierten. Kurz nach Beginn des Irak-Krieges wurde 2003 in Bern erstmals wieder ein Ostermarsch durchgeführt, seither findet der pazifistische Anlass jedes Jahr statt.
Der Ostermontag ist auch ein wichtiger Termin für die Friedensbewegung am Bodensee. Dort trifft man sich dieses Jahr in Bregenz – unter dem Motto «Was Frieden schafft – Neugier statt Spaltung». Die Organisatoren wollen Impulse setzen für ein «umfassendes Friedensverständnis» und aus der «Ohnmacht des Zuschauens in das aktive Handeln kommen».
Sie sind überzeugt, dass Frieden ohne Neugier nicht möglich sei. Zum Abschluss des Friedensweges, der entlang der Seepromenade führt, halten verschiedene Persönlichkeiten Impulsvorträge.
Organisationen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich unterstützen den Bodensee-Friedensweg. Dazu zählen Kirchen und andere Religionsgemeinschaften, Hilfswerke sowie linke und grüne Parteien.
Seit rund 40 Jahren wird der Internationale Bodensee-Friedensweg am Ostermontag ausgetragen. Er findet abwechselnd in einer Schweizer, einer österreichischen oder deutschen Stadt der Bodenseeregion statt.
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