Videos vom Papst, der sich in dunkler Hose und im Unterhemd, mit einer gestreiften Decke bedeckt, im Petersdom zeigt, haben im Vatikan offenbar für Verlegenheit gesorgt. Und eine Debatte im Netz und in Medien ausgelöst.
Ludwig Ring-Eifel
Die viralen Handy-Videos vom spontanen Auslug, den Papst Franziskus am Donnerstag in den Petersdom machte, haben unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst. Viele am Vatikan akkreditierten Medienvertreter versuchten zunächst, die Echtheit der von manchen als verstörend empfundenen Bewegt-Bilder zu überprüfen.
Die Videos zeigen den Papst im Rollstuhl, in dunklen Hosen und im weissen Unterhemd mit langen Ärmeln, darüber eine gestreifte Decke. Der ihn schiebende Pfleger Massimiliano Strappetti trägt kein Jacket.
Die Reaktionen der Menschen auf den Videos sind unterschiedlich. Zunächst begegnet der Papst einem Jungen und fragt ihn nach seinem Namen. Der Junge nennt seinen Namen, dann wird ihm der Papst (Il Papa) vorgestellt. Der Junge reagiert mit dem Gruss: «Hi Papa» und geht weiter. Als Nächstes wird ein junges Paar mit einem Baby gezeigt. Der Vater mit dem Baby im Tragegurt kniet nieder, reicht dem Papst das Kind hin, der segnet es.
Die Nachrichtenagentur Reuters sicherte sich schliesslich einige der Videos und verbreitete dazu die Nachricht, dass sich der Papst erstmals seit seiner Wahl in zivil gezeigt habe. Anders das vatikaneigene Portal «Vatican News»: Es zeigte die ungewöhnlichen Bilder nicht, sondern wählte ein Archivbild vom Sonntag. Es zeigt den Papst in seinem offiziellen weissen Gewand mit Kopfbedeckung, während er im Rollstuhl die Heilige Pforte des Petersdoms durchquert.
Dazu war zu lesen: «In einem schlichten Rollstuhl und mit einer Decke über den Beinen liess sich das katholische Kirchenoberhaupt (…) zum Altar der Kathedra fahren. (…) Doch nur wenige Minuten genügten, um die über hundert Gläubigen, Restauratoren, Pilger und zufällig Anwesenden zu überraschen. (…) Pilgergruppen, Kinder, Restauratorinnen und Besucher strömten respektvoll zum Papst, um ihn zu sehen, ihn zu grüssen oder seinen Segen zu empfangen. Einige standen sogar Schlange, um ihm die Hand zu reichen oder ein Lächeln zu erhaschen. ‹Die Emotionen waren so gross, dass ich vor lauter Tränen nicht mehr sehen und nicht einmal ein Foto machen konnte›, schilderte Monsignore Valerio Di Palma, Domherr von St. Peter, gegenüber den vatikanischen Medien.»
Während Vatikanmedien die Emotionen und den Respekt betonten, spekulierten andere Medien über die Bedeutung des Überraschungsauftritts, der offenbar mit niemandem abgestimmt war.
Die Journalistin Elisabetta Pique, die den Papst schon als Erzbischof in Buenos Aires kannte, erinnerte in der Zeitung «La Nacion» daran, dass der argentinische Kurienkardinal Victor Fernandez bereits kurz vor der Krankenhausentlassung des Papstes gesagt hatte, Franziskus werde demnächst noch für einige Überraschungen sorgen.
Und sie gab zu bedenken, der Papst habe sich zwar noch nie öffentlich ohne sein weisses Gewand gezeigt; aber auch früher schon habe er bei langen Flugreisen die weisse Soutane aus Bequemlichkeit ausgezogen – wovon es jedoch nie Bilder zu sehen gab. Das konservative katholische Mediennetzwerk EWTN zeigte das viel diskutierte Video mit dem Untertitel: «Erstmals sah man ihn ohne sein päpstliches Gewand.»
Kommentare von Nutzern im Netz reichten von Empörung («Der Papst spielt Zivilist») bis hin zu Bewunderung und Respekt für das öffentliche Zeigen von Schwachheit und Menschlichkeit. So kommentierte die spanische Studentenvereinigung «Universitarios Catolicos» die umstrittenen Bilder auf X mit den Worten: «Beten wir für Papst Franziskus, der auch in Leid und Krankheit die Kirche und alle Gläubigen unterstützt.» (cic)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/video-vom-papst-im-unterhemd-bringt-vatikan-in-verlegenheit/