Ein Mann hat sich vor kurzem als früheres Opfer sexueller Gewalt an der Walliser Missionsschule Saint-Gingolph geoutet. Die Betroffenen-Gruppe Sapec fordert nun den Provinzial der Spiritaner auf, die Missbrauchsfälle an ihrer ehemaligen Missionsschule vollständig aufzuarbeiten.
Am 21. März sagte Alexandre erstmals über die sexuelle Gewalt aus, die er als Zwölfjähriger im Internat der Missionsschule St-Gingolph erlitten hatte. Dies in der Sendung des Walliser Fernsehens «Canal 9». Die Nachricht schockierte die Menschen im Wallis, insbesondere die Schüler, welche die Institution besucht hatten, die 1987 geschlossen wurde.
Als Reaktion darauf hat die Gruppe Sapec einen Offenen Brief an die Kongregation der Missionare zum Heiligen Geist geschrieben, datiert vom 28. März 2025. Darin heisst es: «Uns hat stark herausgefordert, dass Ihre Kongregation offenbar nicht erkannt hat, dass nur eine wahrheitsgetreue Forschung, welche die ganze Wahrheit über diese Verbrechen zu Tage bringt, ein klares Signal an alle Opfer sein wird.» Die Opfer seien für ihr Leben gezeichnet und könnten das Vorgefallene nicht vergessen.
Die Sapec fordert die auch Spiritaner genannten Ordensleute zu einer «mutigen Haltung der Offenheit» auf. Dies werde es ihnen «ermöglichen (…), erhobenen Hauptes aus diesen dunklen Jahren hervorzugehen.» Weiter heisst es im Brief: «Wir bitten Sie eindringlich, das zu tun, was andere kirchliche Einrichtungen in der jüngsten Vergangenheit getan haben: einen Aufruf an alle ehemaligen Schüler zu richten, damit die direkten Opfer oder Zeugen ihr Schweigen brechen können.»
Die Sapec erklärt sich auch bereit, mit anderen Fachleuten zusammenzuarbeiten, um solche Zeugenaussagen unabhängig zu sammeln. Die Gruppe setzt sich seit 14 Jahren für Opfer von Missbrauch im religiösen Umfeld ein. (cath.ch/ Adapt. rp)
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