Kloster Ingenbohl: Neuer Spaziergang durch die Klostergeschichte

Seit Sonntag lässt sich die Geschichte des Klosters Ingenbohl im Kanton Schwyz auf einem Klosterweg erkunden – auf neun Stationen. Der Klosterweg endet bei der Gründerin Maria Theresia Scherer, deren 200. Geburtstag die Gemeinschaft dieses Jahr feiert.

Regula Pfeifer

Der Klosterweg führt die Besuchenden des Klosterhügels von Ingenbohl SZ rund ums Kloster und die umliegenden Gebäude. Rund 700 Meter kurz ist der Weg, der Einblick gibt in die klösterliche Geschichte. Dennoch dauere der Weg rund 50 Minuten, hiess es laut Medienberichten an der Eröffnung.

Das mag mit all den Informationen zu tun haben, die an den Stationen zu lesen sind. Start des Klosterwegs ist unweit der Zufahrt zum Kloster. Dort steht das Haus Mutter Theresia. Ursprünglich ein Bauernhaus, machte ein Bäcker Mitte 19. Jahrhundert daraus eine Bäckerei mit Gasthaus, das er später um einen Hoteltrakt erweiterte, wie im Flyer zu erfahren ist.

1971 erwarb das Institut Ingenbohl die Liegenschaft, brach den Altbau ab und baute den Hoteltrakt zum Pilger- und Gästehaus Maria Theresia aus, was es heute noch ist.

Kapuziner und Schwester gründen Gemeinschaft

Da steht eine lebensgrosse Statue von Pater Theodosius Florentini (1808 bis 1865), 1906 geschaffen und seit 2008 vor Ort. Der Kapuziner war ein bekannter Sozialreformer seiner Zeit, der Orden und auch die Schweizer Bischofskonferenz gründete, wie es im Klosterweg-Flyer heisst. 1852 gründete er mit Schwester Maria Theresia Scherer in Chur einen Zweig der Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz, der 1865 seinen Sitz nach Ingenbohl verlegte. Das Kloster feiert dieses Jahr Scherers 200. Geburtstag.

Ein paar Schritte weiter wird die Baugeschichte des Klosters erläutert. Diese fing mit einem Bauernhof an, den Florentini 1855 kaufte. Bis 1880 wurde der Hof erweitert und eine erste Klosteranlage gebaut. 1966 bis 1975 wurde diese durch einen Neubau ersetzt. Das Kloster ist heute Mutterhaus der weltweit tätigen Schwesterngemeinschaft, ist im Flyer nachzulesen.

Weiter geht es zur Klosterkirche, bei der ebenfalls verschiedene Abbrüche und Neubauten erwähnt sind. Die aktuelle Kirche wurde 1973 eingeweiht, zwei Jahre später wurde das Grab von Mutter Maria Theresia Scherer in deren Krypta verlegt.

Spannend sind die Anfänge des Alterszentrum St. Josef. Diese hatten mit dem Deutsch-Französischen Krieg zu tun. 1871 wurden verletzte und kranke Wehrmänner der internierten Bourbaki-Armee nach Ingenbohl verlegt, wo sie von den Ordensfrauen gepflegt wurden. Ein Krankenhaus wurde gebaut, daraus entwickelte sich ein Pflegeheim, das bis 2024 einem neuen Alterszentrum weichen musste.

Im Leben und Tod vereint

Der Friedhof – weitere Station – wurde auf Wunsch von Gründerin und Generaloberin Maria Theresia Scherer erbaut. Denn sie befand, «dass alle Schwestern im Leben und im Tod vereint sein sollten». Er wurde im Innenhof des damaligen Klosters errichtet und 1858 eingesegnet. Wenige Jahre später musste der Friedhof aus hygienischen Gründen ausserhalb der Klostermauern – an den aktuellen Standort – verlegt werden.

Die folgende Lourdes-Grotte entsprach einem damaligen Trend, Nachbildungen von Lourdes als Pilgerstätten anzubieten. Initiiert wurde sie ebenfalls von der Klostergründerin. Maria Theresia Scherer brachte 1886 von ihrer Wallfahrt nach Lourdes eine Statue der Muttergottes und von Bernadette mit nach Ingenbohl. Darauf wurde ihr Anliegen umgesetzt, auf dem Klosterhügel ebenfalls eine Lourdes-Grotte zu errichten.

Töchterschule öffnet sich für Söhne

Die Station Theresianum beleuchtet die Geschichte der Klosterschule. Die Töchterschule bot anfänglich eine Sekundarschule und ein Lehrerinnenseminar. 1996 ging die Trägerschaft an die neu gegründete Stiftung Theresianum Ingenbohl über. 2006 endete die Seminarlehrerinnenausbildung. Junge Männer wurden in die örtliche Fachmittelschule und diese Jahr auch ans Gymnasium zugelassen.

Erste Generaloberin wurde seliggesprochen

Zum Abschluss des Wegs erfährt die Klostergründerin Maria Theresia Scherer (1825–1888) im Park ihre Ehrung. Was von ihr dort zu sehen ist, geht aus dem Klosterweg-Flyer nicht hervor. Dafür erfahren Interessierte, dass die Bauerntochter aus Meggen LU nach einer Begegnung mit Pater Theodosius Florentini als 19-Jährige in die Kongregation der Schwestern von Menzingen eintrat – und nach der Teilung der Gemeinschaft in die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz übertrat. Von 1857 bis zu ihrem Tod 1888 war sie Generaloberin der Gemeinschaft. 1995 wurde sie von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Link zum Flyer des Klosterwegs


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/kloster-ingenbohl-neuer-spaziergang-durch-die-klostergeschichte/