Das erste Foto des Papstes seit 14. Februar sorgte zunächst für Erleichterung. Doch inzwischen wird die Aufnahme, die Franziskus versunken sitzend von hinten im Halbprofil zeigt, akribisch analysiert. Aus dem Vatikan verlautete zuletzt, bis zur Genesung sei der Weg noch lang.
Das erste Foto von Papst Franziskus nach über vier Wochen hat neue Spekulationen zu seinem Gesundheitszustand ausgelöst. «Es sieht aus, als sei er in einem Monat um mindestens fünf Jahre gealtert», sagte der Professor für Infektionskrankheiten an der Universität Genua, Matteo Bassetti, der Tageszeitung «Il Messaggero» vom Montag. Er glaube nicht, dass Franziskus weiter in der Lage sein werde, die Aufgaben eines Papstes in vollem Umfang zu erfüllen, so der in Italien oft zitierte Mediziner.
Auf dem am Sonntagabend vom Vatikan veröffentlichten Foto sieht man den 88-Jährigen von der Seite, leicht eingesunken vor dem Altar in der Kapelle im Privattrakt der Gemelli-Klinik sitzend. Dort habe er zuvor eine Messe konzelebriert – zum ersten Mal seit seiner Einlieferung am 14. Februar. Franziskus trägt eine Priesterstola, seine Gesichtszüge sind kaum zu erkennen. Auffällig ist seine stark geschwollene rechte Hand.
Das Foto zeige einen leidenden Patienten, so Bassetti weiter. Angesichts der multiplen Infektion der Atemwege sei es ein Wunder, dass der Papst überhaupt noch lebe. Entscheidend sei nun, wie stark er von medizinischer Sauerstoffzufuhr abhängig sei. Die Infektionen, die er überstanden habe, hinterliessen in der Regel «Verwüstungen in der Atmung».
Dagegen sprach der Präsident der Italienischen Gesellschaft für Innere Medizin, Nicola Montano, von einem «insgesamt nicht negativen» Gesamtbild und «Anzeichen einer Besserung». Immerhin scheine der Pontifex einer Tätigkeit nachzugehen, wenn auch im Sitzen, so der Experte. Die geschwollene Hand deute auf eine Wassereinlagerung hin, möglicherweise eine Folge der langen intravenösen Flüssigkeitszufuhr. Für Vermutungen über einen Entlassungstermin sei es noch zu früh, sagte Montano. Vor allem müsse der Papst dafür wieder selbstständiger atmen können.
Dies ist noch nicht der Fall, wie die jüngste Nachricht aus dem Vatikan zeigt. Trotz gradueller klinischer Fortschritte bleibt Papst Franziskus weiter auf Sauerstoffzufuhr angewiesen. Am Montagabend hiess es, der 88-Jährige könne inzwischen kurze Intervalle auch ohne Sauerstoffkanülen überstehen. Auch müsse er nicht mehr beständig mit hohen Sauerstoffmengen versorgt werden, stattdessen genüge über längere Zeitstrecken ein normaler Zufluss.
Bis zu einer Genesung sei der Weg jedoch weiterhin lang, die Rede sei eher von Wochen als von Tagen. Die Schwellung der rechten Hand des Papstes, die auf dem am Sonntag verbreiteten Foto des Patienten zu sehen war, sei inzwischen wieder zurückgegangen. Sie sei auch eine Folge des Bewegungsmangels. (cic/bal)
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