Am 2. März 2025 ist Krankensonntag. Wie wichtig ist dieser Tag? Im Oberwallis will man beispielsweise mit einem symbolischen Blumenstrauss auf Altären all jenen Personen einen Dank aussprechen, die in Spitälern, in Alters- und Pflegeheimen, aber auch zu Hause kranke Mitmenschen betreuen und pflegen. Ein Interview mit Richard Lehner, dem Generalvikar des Bistums Sitten.
Wolfgang Holz
Herr Generalvikar, morgen ist Krankensonntag. Gleichzeitig ist Fasnachtsonntag. Stört das nicht ein bisschen?
Richard Lehner: Alles hat seine Zeit! Es gibt gute und auch schwierige Zeiten. Wichtig scheint mir, dass wir beide Sonntage miteinander in Einklang bringen. Die Feier des Krankensonntags am Höhepunkt der Fasnacht kann eine Erinnerung sein, dass kranke Menschen nicht einfach unglückliche und traurige Menschen sein müssen. Auch Kranke dürfen sich freuen und in ihrem oft schwierigen Alltag Momente der Freude erleben.
Das sagen Sie schön. Andererseits: Der Papst liegt seit gut zwei Wochen schwerkrank im Spital. Ist das eine Chance, dass der Krankensonntag in diesem Jahr vielleicht eine besondere Aufmerksamkeit erfährt – sozusagen stellvertretend für alle, die derzeit im Krankenhaus liegen?
Lehner: Überall in der Welt sind Menschen in diesen Tagen ganz besonders eingeladen, sich im Gebet mit Papst Franziskus zu verbinden. Ich bin überzeugt, dass der Papst selbst an alle kranken Menschen denkt und sich mit ihnen solidarisiert. In seiner Botschaft zum Tag der Kranken, der weltweit bereits am 11. Februar gefeiert wurde, erinnert Papst Franziskus an das Motto des Heiligen Jahres «Pilger der Hoffnung».
Er betont in Anlehnung an den Apostel Paulus, dass die Hoffnung nicht zugrunde gehen lässt (Röm 5,5), sondern uns in der Bedrängnis stark macht. Er schreibt: «Wir brauchen die Hilfe Gottes, seiner Gnade, seiner Vorsehung, jener Kraft, die das Geschenk seines Heiligen Geistes ist.» Diese Erfahrung teilt er in diesen Tagen mit vielen Menschen in aller Welt.
«Der Krankensonntag ist eine Möglichkeit, daran zu erinnern, dass wir Menschen auf Gott vertrauen dürfen auch und gerade in Zeiten, in denen es uns nicht gut geht.»
Wie wichtig ist der Krankensonntag grundsätzlich aus Ihrer Sicht?
Lehner: In einer Welt, in der Vieles selbstverständlich geworden ist, in der fast alles machbar scheint, ist es nicht unwesentlich, sich auch an die Grenzen des menschlichen Lebens und des menschlichen Tuns zu erinnern. Der Krankensonntag ist eine Möglichkeit, daran zu erinnern, dass wir Menschen auf Gott vertrauen dürfen auch und gerade in Zeiten, in denen es uns nicht gut geht, in denen unser Alltag eingeschränkt ist, in denen wir auf andere angewiesen sind. Was auch immer uns trifft, wir sind geborgen in der Hand Gottes.
Sollte man als Gläubiger, wenn man jemanden kennt, der gerade im Spital liegt, diese Person vielleicht an diesem Sonntag besuchen gehen – oder einfach daran denken, jemandem im Krankenhaus mal eine Visite abzustatten?
«Kranke Mitmenschen brauchen während des ganzen Jahres unsere Unterstützung.»
Lehner: Ein Krankenbesuch ist sicher ein schönes Zeichen. Doch das alleine genügt nicht. Kranke Mitmenschen brauchen während des ganzen Jahres unsere Unterstützung. Dann denke ich auch an die vielen Kranken, die zu Hause gepflegt werden oder die an ihre Wohnung gebunden sind, weil ihre Mobilität eingeschränkt ist. Kranksein zeigt sich nicht bloss im Spital. Vielleicht gibt es Menschen in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, die sich über einen Besuch freuen.
Ohne die vielen Pflegenden in Spitälern und in Altersheimen oder zuhause würde es vielen Menschen schlecht gehen. In Zeiten der Corona-Pandemie gingen damals Tausende auf Balkone und klatschten aus Dankbarkeit für die Dienste der Pflegenden. Meinen Sie, man müsste dem Pflegepersonal grundsätzlich mehr Anerkennung schenken?
«Applaus alleine reicht nicht. Die Wichtigkeit der Arbeit von Pflegenden auf allen Ebenen muss immer wieder neu betont werden.»
Lehner: Ich erinnere an die Pflegeinitiative, die von der Schweizer Bevölkerung am 28. November 2021 angenommen wurde. Die Umsetzung dieser Initiative ist im Gange. Wir wurden damals daran erinnert, dass Applaus alleine nicht reicht. Pflege muss gestärkt werden und die Wichtigkeit der Arbeit von Pflegenden auf allen Ebenen muss immer wieder neu betont werden. Das ist ein Auftrag, der an alle Menschen geht und nicht einfach an die staatlichen Behörden delegiert werden kann.
Die diözesane Dienststelle Gesundheitswesen im Oberwallis appelliert an die Pfarreien, als symbolische Anerkennung für Pflegende einen Blumenstrauss auf den Altar zu stellen. Das ist eine schöne Geste – aber ist das nicht ein bisschen wenig?
«Ein Blumenstrauss ist freilich nur ein kleines Zeichen. Ich hoffe aber, dass die Pfarreien mit diesem kleinen Zeichen etwas Grosses bewirken können.»
Lehner: Im Auftrag des Bistums setzt sich diese kirchliche Stelle seit vielen Jahren mit Fragen des Gesundheitswesens auseinander. Wir sind sehr dankbar für diese wichtige Arbeit, welche die Mitglieder der Dienststelle ehrenamtlich leisten. Zusammen mit dem Spitalzentrum Oberwallis wird am Krankensonntag an die Arbeit all jener Menschen erinnert, welche oft im Stillen Aufgaben in der Pflege und in der Begleitung von Kranken übernehmen. Ein Blumenstrauss ist freilich nur ein kleines Zeichen. Ich hoffe aber, dass die Pfarreien mit diesem kleinen Zeichen etwas Grosses bewirken können.
Kann man sagen, dass Pflegende, selbst wenn ihre Arbeit ihr Beruf ist, direkte Liebe am Nächsten leisten und deshalb besonders wichtig sind?
Lehner: Die Nächstenliebe ist ein christliches Werk. Das gilt natürlich auch dann, wenn dieses Werk beruflich ausgeübt wird. Alle Pflegenden sind eingeladen, ihre Arbeit unabhängig von ihrer Konfession als Dienst am Nächsten zu verstehen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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