«Keine heile Welt zeigen»: Zum Tod der Künstlerin und Ordensfrau Chantal Hug

Die Benediktinerin Chantal Hug war auch Künstlerin – und in Kunstkreisen anerkannt. Nun ist sie mit 87 Jahren gestorben. Die Ordensfrau und langjährige Lehrerin lebte zuletzt im Benediktinischen Zentrum in Sarnen.

Regula Pfeifer

«In der Kunst hat Sr. Chantal ihre grosse Erfüllung gefunden», heisst es in der Todesanzeige, die das Benediktinerinnenkloster St. Niklaus von Flüe geschaltet hat.

Schwester Chantal habe als Künstlerin sehr viel zum Benediktinischen Zentrum in Sarnen beigetragen, schreibt Daniela Bieri auf Anfrage. Bieri ist Priorin des Klosters Melchtal, das seit 2019 im Benediktinischen Zentrum in Sarnen situiert ist.

Bilder schmücken Klosterräume

«Unser jetziges Haus, unsere Gasträume und unser Haus für den Geschäftsleiter wurden alle mit Bildern von Schwester Chantal geschmückt.» Auch gebe es von ihr im Gastspeisesaal ein grosses Angebot an Kunstkarten, die sie aus ihren Bildern herstellte. Bereits im Kloster Melchtal waren viele ihrer Werke zu sehen.

«Ich persönlich finde ihre Kunst sehr eindrucksvoll, tiefgründig, vielseitig. Die Bilder und Skulpturen freuen mich», so Daniela Bieri. «Einige Sujet sind weniger gut verständlich, aber sie wurden jeweils in meditativer Stimmung gemalt und das Thema ist oft religiös geprägt oder wunderschöne Naturmotive inspirierten sie.»

Bis ins hohe Alter gemalt

Chantal Hug habe noch bis im Dezember 2023 kleine Aquarelle gemalt, so Bieri. Bildhauerische Kunst sei ihr schon länger nicht mehr möglich gewesen, unter anderem wegen Rheuma und Schmerzen an den Händen.

Die Benediktinerin Chantal Hug war als Künstlerin anerkannt. Das zeigt sich daran, dass sie ins Künstlerverzeichnis der Schweiz, den Sikart, aufgenommen wurde. Dort heisst es über sie, Chantal Hug sei Malerin und Bildhauerin gewesen, habe Aquarelle, Ölmalerei, Batik und Skulpturen hergestellt.

Das Staunen ausdrücken

Inspiriert wurden ihre Werke vom Kirchenjahr, der Bibel, Betrachtungsbüchern, eigenen Erfahrungen und vom «eigenen Knorz», wie sie es 2009 gegenüber kath.ch ausdrückte, aber auch von Freuden. Der Schaffensprozess sei «ein Stück aus meinem Leben und damit auch von Leidvollem», sagte sie weiter. Und sie betonte: «Ich will nicht eine heile Welt zeigen.» Der Ostergedanke, der Sieg über den Tod, war ein wiederkehrendes Sujet.

In ihren Bildern «schlug sich mein Staunen über das Leben, über die Natur, über den Schöpfer nieder», zitiert der «Bote der Urschweiz» aus dem Lebensrückblick, den Chantal Hug 2019 verfasste. «Kunst ist für mich der Ausdruck eines ganz intensiven Nachdenkens und Fühlens, ein philosophischer Vorgang», sagte Chantal Hug gegenüber kath.ch. «Beim künstlerischen Tun kann ich die Gedankenwelt verarbeiten, kann mich mitteilen. Kunstschaffen ist aber kein Selbstgespräch.»

Ausgestellt im Kloster Mariastein

Als das Benediktinerkloster Mariastein sich im Mai 2019 mit der Ausstellung «Aufbruch ins Weite» der bildenden Kunst lebender Schweizer Ordensleute widmete, waren da auch Werke von Chantal Hug zu sehen.

Rund 1800 Bilder und Bronzen hat die Künstlerin und Ordensfrau geschaffen, heisst es im kath.ch-Beitrag von 2009. Damals war sie 72 Jahre alt. Die meisten ihrer Werke verkaufte sie in der Schweiz. Oft an ihre ehemaligen Schülerinnen.

2016 erhielt Chantal Hug den Kabriizi-Preis der Gemeinde Kerns OW. Damit werde das Lebenswerk der Künstlerin geehrt, hiess es anlässlich der Preisverleihung. Auch das Kunstmuseum Thun anerkannte die Ordensfrau als Künstlerin. Es hat Werke von ihr in die Sammlung aufgenommen.

Mehrfach mit Melchtaler Schwestern in Kontakt

Chantal Hug wurde 1937 als Maria Theresia in Sulgen TG geboren und bildete sich in Kreuzlingen zur Lehrerin aus. Mit den Schwestern aus dem Kloster Melchtal kam sie mehrfach in Kontakt: als Schülerin eines einjährigen Handelskurses am Institut Melchtal, dann als Lehrerin im Institut Melchtal und im Kinderheim Fischingen, wo ebenfalls Melchtaler Schwestern arbeiteten. 1960 trat sie ins Benediktinerinnenkloster St. Niklaus von Flüe in Melchtal ein.

Die junge Ordensfrau bildete sich 1962 bis 1965 in Freiburg zur Sekundarlehrerin aus. Danach unterrichtete sie bis 1998 im klostereigenen Internat. Gleichzeitig bildete sie sich in Malerei und Bildhauerei weiter, unter anderem bei Bruder Xaver Ruckstuhl in Engelberg OW und beim Maler Ernst Wicki in Menznau LU.

Zwei künstlerische Meister

Bruder Xaver habe sie mit einer ersten Ausstellung in Engelberg 1975 an die Öffentlichkeit gedrängt, zitiert der «Bote» aus Hugs Lebensrückblick. Von Ruckstuhl hatte sie auch eine künstlerische Spezialität übernommen: die Verbindung von Halbedelsteinen und Skulpturen. Sie schuf turmartige Einfassungen von wertvollen Steinen aus dem Alpengebiet.

Als das Kloster Melchtal 2019 aufgelöst wurde, zogen die verbliebenen Ordensfrauen ins Kloster Sarnen, darunter auch Chantal Hug.

Der Abschiedsgottesdienst für Chantal Hug findet am Freitag, 21. Februar 2025, 14.00 Uhr, in der Klosterkirche des Benediktinischen Zentrums in Sarnen statt – mit anschliessender Urnenbestattung auf dem Klosterfriedhof.


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