Die Juristin und bisherige Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer, Brigitte Haas (61), hat mit ihrer Vaterländischen Union (VU) nach amtlichem Endergebnis die Landtagswahl in Liechtenstein gewonnen: Sie ist die erste designierte Regierungschefin im «Ländle». Und nicht nur das.
Wolfgang Holz
Es ist schon fast revolutionär. Brigitte Haas bricht wohl mit einer Tradition, die vor 104 Jahren mit Josef Ospelt ihren Anfang genommen hat. Die 61-Jährige wird aller Voraussicht nach nämlich die erste Frau an der Spitze der Liechtensteiner Regierung werden.
Ein Meilenstein in der Geschichte des konservativen Fürstentums, in dem Frauen erst seit 1984 wählen dürfen – so spät wie in keinem anderen Land in Europa. Ihre Vaterländische Union hat mit 38,3 Prozent die meisten Stimmen im Landtag geholt.
Seit in dem Fürstentum 1921 das Amt des Regierungschefs eingeführt wurde, stand stets ein Mann an der Spitze. Nun wird Haas aller Wahrscheinlichkeit nach am 20. März vereidigt.
Ein lebenswertes Liechtenstein läge ihr ganz besonders am Herzen, betonte Haas bei ihrer Präsentation als Spitzenkandidatin der konservativen Vaterländischen Union (VU) im vergangenen Jahr. Dafür setzte sie sich in wirtschaftlichen Belangen schon lange ein. Der wirtschaftliche Fokus reichte der Juristin jedoch nicht mehr. Daher ging sie nun den logischen Schritt in die Politik, «weil dort die Gestaltungsmöglichkeiten noch einen Tick grösser sind».
Brigitte Haas wuchs in Schaan auf. Ihre Eltern waren Inhaber eines Keramik-Fachgeschäfts. Nach dem Schulabschluss wurde sie in der Landesverwaltung tätig und absolvierte eine Lehre. Nach der Matura auf dem zweiten Bildungsweg studierte sie Jura an der Universität Zürich. Sie ist verheiratet und lebt in Vaduz.
Was durch die Wahl nun bekannter wurde: Die Politikerin Brigitte Haas ist wie so viele Liechtensteiner und Liechtensteinerinnen nicht nur katholisch. Sie ist auch verwandt mit dem früheren Erzbischof Wolfgang Haas. Sie ist nämlich seine Cousine. Wirft dieses verwandtschaftliche Verhältnis zum umstrittenen Erzbischof im kleinen «Ländle» womöglich einen Schatten auf ihre neue Aufgabe als künftige Regierungschefin?
«Diese Verwandtschaftssituation birgt sicher eine gewisse Ironie des Schicksals», meint ein Mitglied aus kirchlichen Kreisen gegenüber kath.ch, das seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte. «Ich wünsche Brigitte Haas natürlich, dass dieses Verwandtschaftsverhältnis für ihre Regierung nicht zur Belastung wird. Ich habe die beiden aber selten zusammen in der Öffentlichkeit erlebt.»
Ein Parteimitglied der Vaterländischen Union bestätigt gegenüber kath.ch das verwandtschaftliche Verhältnis von Cousine und Cousin. «Brigitte Haas und der frühere Erzbischof Wolfgang Haas haben stets ein gutes Verhältnis miteinander gehabt» – auch wenn sie persönlich offenbar nicht mit allen seinen kirchlichen Entscheidungen einverstanden gewesen sei.
«Ich schätze meinen Cousin.»
Brigitte Haas selbst versichert gegenüber kath.ch schriftlich, was ihr verwandtschaftliches Verhältnis zum früheren Erzbischof angeht: «Gerne kann ich Ihnen mitteilen, dass mich mit dem früheren Erzbischof Wolfgang Haas ein schönes verwandtschaftliches Verhältnis verbindet, und ich meinen Cousin schätze.»
In Liechtenstein sei die Verwandtschaft der beiden Personen im Wahlkampf kein Thema gewesen. Auch eine Woche nach der Wahl werde darüber kaum gesprochen, berichtet besagte katholische Person – trotz des «Scherbenhaufens, den der Erzbischof im «Ländle» hinterlassen habe. Viele Katholikinnen und Katholiken fühlten sich nach wie vor unwohl im Fürstentum in Sachen Kirche aufgrund der Haas-Regentschaft im Erzbistum Vaduz.
Der 1948 in Vaduz geborene Wolfgang Haas war 1988 zum Bischofskoadjutor und 1990 zum Bischof von Chur ernannt worden. Nach jahrelangem Streit und Spannungen um seine Person errichtete Papst Johannes Paul II. 1997 das Erzbistum Vaduz, das ganz Liechtenstein umfasst, und ernannte Haas zu dessen erstem Erzbischof.
Im August 2023 erreichte der erzkonservative Erzbischof Haas mit 75 Jahren die Altersgrenze für Bischöfe. Papst Franziskus berief den Feldkircher Bischof Elbs im September 2023 zum Apostolischen Administrator des nun vakanten Erzbistums Vaduz. Ein Nachfolger für Haas, der sich aus der Öffentlichkeit vollkommen zurückgezogen hat, ist noch nicht in Sicht.
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