Zürcher Wahrzeichen «verschwindet»: Grossmünster wird zum Grossgerüst – und zur Kunstaktion

Das Grossmünster in Zürich muss instandgesetzt werden. Nachdem in einer ersten Phase vor allem im Innenraum gearbeitet wurde, steht nun die Sanierung der Aussenhülle an. Zürichs Wahrzeichen verschwindet quasi die nächsten vier Jahre hinter Baugerüsten. Aber nicht nur.

Wolfgang Holz

«Das ist ja fast wie bei Christo», nimmt Ex-Grossmünster Pfarrer Christoph Sigrist die Verhüllung des Grossmünsters und Wahrzeichens Zürichs gelassen. «Das ist total in Ordnung, das wurde ja schon zum x-ten Mal gemacht und ist nichts Spezielles», konstatiert Sigrist gegenüber kath.ch. Auch während seiner Amtszeit sei das Grossmünster schon eingerüstet gewesen. «So ist es halt beim Bauen.»

Seit Mitte Januar werden die Ost- und Südfassade des Grossmünsters eingerüstet. Anschliessend beginnt die Instandsetzung der Natursteinfassade. Auf dem Zwingliplatz erfolgen Grabarbeiten entlang der Fassade. Risse und witterungsbedingte Schäden in der Steinmauer werden repariert. So beschreibt die Baudirektion des Kantons Zürichs die momentanen baulichen Massnahmen am Zürcher Wahrzeichen.

Ab Frühling 2026: komplett eingerüstet

Diese Massnahmen sind einerseits nötig, um die historische Bausubstanz des Grossmünsters zu erhalten. Gleichwohl haben diese Massnahmen von der Optik her drastische Konsequenzen. Denn Einheimische und Touristen werden die bedeutende Stadtkirche mit den 64 Meter hohen Doppeltürmen die nächsten vier Jahre von aussen als Grossbaustelle erleben. Ab Frühling 2026 wird die ganze Kirche mitsamt der Doppeltürme eingerüstet sein.

Die Einrüstung ist komplex, wie das «Tagblatt der Stadt Zürich» schreibt. Das Baugerüst muss so installiert werden, dass es die Fassade möglichst nicht berührt. Auch der Vogelschutz spielt eine entscheidende Rolle. Die Kirchentürme sind Brutstätten von Dohlen und Alpenseglern.

Jährlich besuchen rund eine halbe Million Menschen die zwischen 1100 und 1220 erbaute Kirche. Gottesdienste, Führungen und Veranstaltungen finden weiterhin statt, je nach Bau-Etappe mit entsprechenden Einschränkungen.

1890 wurde das Grossmünster schon einmal instandgesetzt. Die letzte grosse Sanierung fand in den 1930-er-Jahren statt, damals wurden Schäden an der Fassade repariert und Steine ersetzt. Zwischen 1977 und der Jahrhundertwende wurden immer wieder Auffrischungsarbeiten vorgenommen. Künftig soll der Zustand periodisch alle 5 bis 10 Jahre geprüft werden. Bei Bedarf werden kleinere Instandsetzungen kontinuierlich vorgenommen, um grosse Schäden zu vermeiden.

Mit Sanierung bereits innen begonnen

2023 wurde bereits mit der Sanierung der Innenräume und Fenster sowie der Statue von Karl dem Grossen in der Krypta begonnen. Für die Instandsetzung der Hülle sind knapp 10 Millionen Franken aus dem Rahmenkredit freigegeben. Für alle drei Teilprojekte wurde eine Gesamtsumme von 35 Millionen Franken inklusive Vorstudie bewilligt.

Was den amtierenden Grossmünster-Pfarrer Martin Rüsch betrifft, ist er selbstverständlich à Jour mit den Sanierungsarbeiten am Zürcher Wahrzeichen. «Grundsätzlich haben wir schon sehr lange von der Sanierung gewusst und konnten uns darauf einstellen. «Der Kirchenbetrieb ist deshalb nicht gestört, die Kirche ist weiterhin offen, und es wird auch weiterhin Veranstaltungen im Grossmünster geben.»

8000 Quadratmeter Baunetze

Die Vorstellung, dass das Grossmünster als Wahrzeichen von Zürich nun einige Jahre verhüllt sein wird, stimmt ihn zwar etwas nachdenklich. Andererseits freut er sich darauf, dass die Baunetze um die Gerüste mit einer Fläche von rund 8000 Quadratmeter zum Kunstprojekt werden. Sprich: Man habe aus der Not eine Tugend gemacht, so Rüsch, und wolle das verhüllte Grossmünster während der Sanierungsarbeiten in einer anderen Anmutung zeigen.

«Es läuft ein Wettbewerbsverfahren zur künstlerischen Gestaltung der Einrüstung des Grossmünsters, von dessen Jury wir bis im Frühjahr erste Rückmeldungen erwarten», erklärt der Grossmünster-Pfarrer. Er soll dabei weder um eine optische Dekoration noch um eine bildliche Provokation des Gotteshauses gehen, sondern etwa um eine bildlich-ästhetische Auseinandersetzung mit dem Thema Kirche und Gesellschaft.

«Eine völlige Verhüllung und Verpackung ist nicht die Idee.»

«Es soll und wird eine Überraschung werden, welche künstlerische Gestaltung dann ab 2026 zu sehen sein wird, wenn das Grossmünster dann zwei Jahre lang komplett eingerüstet sein wird», so Rüsch. A la Christo werde das Grossmünster aber sicher nicht gestaltet werden. «Eine völlige Verhüllung und Verpackung ist nicht die Idee.»


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https://www.kath.ch/newsd/zuercher-wahrzeichen-verschwindet-grossmuenster-wird-zum-grossgeruest-und-zur-kunstaktion/