Am 14. Juni wird Abt Peter von Sury 75 Jahre alt. Gemäss den Satzungen des Schweizer Benediktinerordens reichte er deshalb seinen Rücktritt ein. Weggefährten würdigen Pater Peter.
Wolfgang Holz
«Abt Peter von Sury hat den Weg der Kirche in der Schweiz geprägt, vor allem die Ordenslandschaft», sagt Propst Martin Werlen von St. Gerold über seinen Benediktinerbruder. «Mit seiner Kompetenz im Kirchenrecht und seinem Verbundensein mit dem konkreten Alltag hat er Kreativität herausgefordert, die in kirchlichen Kreisen bekannterweise nicht Hochkonjunktur hat.»
In den verschiedensten Begegnungen habe er gezeigt, so Werlen, dass er – ganz benediktinisch – ein Gespür für das Kleine und das Grosse habe, für das Gewachsene und für das Anstehende.
«Dabei ist es ihm gelungen, zusammen mit anderen das Kleine im Gesamten des Grossen wahrzunehmen und konkrete Schritte zu wagen. Er forderte immer wieder heraus, sich der je aktuellen Situation zu stellen und im Licht des Evangeliums neue Wege zu suchen.»
«Ja, manchmal ist es zum Davonlaufen. Und man bleibt, weil er bleibt.»
Wie schwierig das sei, habe er – wie andere Äbte – schmerzhaft erfahren müssen. Er hat sich nicht gescheut, das auch in aller Öffentlichkeit zu thematisieren. Ja, manchmal ist es zum Davonlaufen. Und man bleibt, weil er bleibt», betont Propst Martin Werlen gegenüber kath.ch.
Vor bald 17 Jahren wählten die Benediktiner von Mariastein im Juni 2008 Pater Peter von Sury zu ihrem Abt. Er war offiziell der 41. Abt des Klosters von Beinwil seit dem Jahr 1100 und der 19. Abt von Mariastein seit 1648. Mariastein ist eine Gründung von Beinwil.
In der Amtszeit von Peter von Sury erlebten die katholische Kirche und ihre Ordensgemeinschaften einen tiefgreifenden Wandel. So lebten 2008 noch 25 Mönche im Benediktinerkloster Mariastein, heute sind es nur noch 14.
Pater Peter bleibt auch nach seiner Amtsniederlegung als Mönch in Mariastein. Er nimmt sich in den kommenden Monaten eine Auszeit, bis er – in Absprache mit seinem Nachfolger – eine neue Aufgabe übernehmen wird.
Peter von Sury wurde am 14. Juni 1950 in Solothurn geboren, wo er auch aufgewachsen ist und die Schulen bis zur Matura besuchte. Der 74-Jährige wuchs in Solothurn mit sechs Geschwistern auf, studierte unter anderem katholische Theologie und später Kirchenrecht. Eine weitgehend heile Welt ist ihm dort vermittelt worden.
1969 begann er in Bern und Freiburg (Schweiz) mit dem Studium von Recht, Geschichte, Journalistik und Philosophie. 1974 trat er ins Noviziat in Mariastein ein. 1975 legte er seine einfache Profess ab, 1979 die feierliche. 1975 begann er das Theologiestudium in Einsiedeln. 1977 wechselte er an die Benediktiner- Hochschule Sant’Anselmo in Rom.
An der päpstlichen Lateran-Universität schloss er 1982 sein Studium mit dem Lizentiat in Kirchenrecht ab. Am 8. September 1981 wurde er zum Priester geweiht. Pater Peter wurde im Sommer 1982 als Vikar in den Pfarreien Hofstetten-Flüh und Rodersdorf eingesetzt und wirkte als Jugendseelsorger des hinteren Leimentals.
1988 übernahm er die Pfarrei Hofstetten-Flüh als Pfarrer, von 1993 bis 1998 war er zudem Dekan des Dekanats Dorneck-Thierstein. 1999 beendete er seine Tätigkeit als Pfarrer und übernahm die Redaktion der hauseigenen Zeitschrift «Mariastein».
Mehrere Jahre arbeitete Abt Peter für das interdiözesane Ehegericht mit Sitz in Freiburg. Er unterrichtete das Fach Kirchenrecht von 1992 bis 1994 an der Theologischen Hochschule Chur und von 2000 bis 2012 an der Theologischen Schule des Klosters Einsiedeln. Am 5. Juli 2008 erteilte ihm schliesslich der Bischof von Basel, Kurt Koch, die Abtsbenediktion.
«Diese Abtsbedediktion von Peter von Sury, an der ich teilnehmen durfte, ist eine eindrucksvolle Erinnerung, die ich bewahre», versichert Bischof Felix Gmür vom Bistum Basel gegenüber kath.ch. «Zu dieser Zeit kannte ich ihn bereits als Offizial des interdiözesanen kirchlichen Gerichts. Ich habe ihn stets als einen Mann der Klarheit, der Kompetenz und vor allem der Menschlichkeit erlebt – und ganz besonders zeichnet ihn seine tiefe Menschenzugewandtheit aus.»
«Er zeigte auch stets eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich der Realität zu stellen und sich nicht vor ihr zu verschliessen.»
Diese Eigenschaften habe er als Abt von Mariastein in besonders fruchtbarer Weise in das Leben des Klosters eingebracht, so Gmür. «Er zeigte auch stets eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich der Realität zu stellen und sich nicht vor ihr zu verschliessen.»
In seiner Weitsicht habe Abt Peter von Sury den Prozess «Mariastein 2025» initiiert, der einen entscheidenden Impuls für die Zukunft des Klosters setzte, würdigt Bischof Gmür. «Als Präsident der Vereinigung der Höheren Ordensoberen (VOS) war er zudem ein empathischer Förderer der Missbrauchsaufarbeitung – sein Engagement zeugte von tiefem Mitgefühl und grossem Verantwortungsbewusstsein. Besonders beeindruckend war und ist seine Fähigkeit, aus der Perspektive der Betroffenen zu denken und zu handeln. Dafür möchte ich ihm von Herzen danken. Ich wünsche ihm für seinen wohlverdienten Ruhestand alles Gute und Gottes reichen Segen.»
2012 wurde Abt Peter in den Vorstand der Vereinigung der Höheren Ordensoberen der Schweiz (VOS’USM) gewählt, die er von 2014 bis 2022 präsidierte.
Als Delegierter der Konferenz der Vereinigungen der katholischen Orden und weiterer Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens in der Schweiz (KOVOS) hat Abt Peter in den letzten zwölf Jahren in diversen Gremien mitgearbeitet, zusammen mit der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und der römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ) – welche unter anderem das Pilotprojekt und die Studie zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Auftrag gaben.
Mit besagtem Projekt «Mariastein 2025» plant das Kloster seine Zukunft, zu der neben einer angepassten Organisationsstruktur auch die Neugestaltung des Klosterplatzes gehört. Die Vereinigung für eine starke Region Basel/Nordwestschweiz würdigte die Bemühungen des Klosters und dessen Bedeutung für die Region mit dem Anerkennungspreis 2022.
Beständigkeit, Entwicklung und Transformation – es sind Begriffe, die aktuell eng mit dem Kloster Mariastein verbunden sind. Abt Peter von Sury ist stets vorangegangen: auch wenn er auf dem Youtube-Kanal des Klosters Weihnachtswünsche ausrichtet oder mit den Klosterbrüdern an Allerseelen der Verstorbenen gedenkt.
Auch Abt Vigeli Monn vom Benediktinerkloster Disentis findet würdigende Worte für die Amtszeit von Abt Peter von Sury.
«Er hat die Aufgabe des Abtes fast 17 Jahre im Dienste seiner Mitbrüder und der Kirche Schweiz ausgeübt. Der Abt ist von den Mitbrüdern gewählt und vom Ortsbischof benediziert. An Christi Statt leitet er nach dem heiligen Benedikt die Klostergemeinschaft als Vater, Hirte, Lehrer, Arzt, Richter und vieles mehr! Abt Peter hat in den Jahren als Abt diese verschiedenen Aufgaben an seinen Mitbrüdern mit grossem Einsatz und auch mit Freude und Geduld wahrgenommen.»
Der Benediktiner, so auch Abt Peter, sei ganz besonders mit seinem Kloster verbunden, versichert Abt Vigeli Monn. «Er verspricht Beständigkeit in der Gemeinschaft vor Ort. Daher seine grosse Fürsorge und der enorme Einsatz für den Kloster- und Wallfahrtsort Mariastein.
«Gerade in der Zeit von Skandalen, von Machtmissbrauch und schwindenden Kirchenbesucherzahlen seinen Dienst zu leisten für die Aufklärung, Aufarbeitung und Prävention, hat ihn sehr stark herausgefordert.»
Sowohl Kloster als auch Wallfahrt gehören zur Ortskirche und prägen diese, werden aber auch von ihr geprägt. So ist auch der Einsatz für die Kirche Schweiz für Abt Peter sehr wichtig. Gerade in der Zeit von Skandalen, von Machtmissbrauch und schwindenden Kirchenbesucherzahlen seinen Dienst zu leisten für die Aufklärung, Aufarbeitung und Prävention, hat ihn sehr stark herausgefordert. Ich danke Abt Peter als Präses der Schweizer Benediktinerkongregation für sein Wirken in Kloster, Kongregation und Kirche und wünsche ihm weiterhin Gottes Segen.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant