Nach 27 Jahren ökologischen Engagements verabschiedet sich Kurt Zaugg-Ott bei «oeku Kirchen für die Umwelt». Der Theologe sieht die Verantwortung für die Schöpfung auch in Zukunft als wichtige Aufgabe der Kirchen. Man habe schon viel Bewusstseinsarbeit geleistet, erklärt er im Gespräch mit kath.ch. Er verhehlt aber nicht, dass es noch viel Luft nach oben gibt.
Wolfgang Holz
«Es war für uns eine grosse Ehre, als wir 2015 im Rahmen unseres Umweltmanagements zu den ersten gehörten, welche die neue Enzyklika ‹Laudato si› von Papst Franziskus kommentieren durften», blickt Kurt Zaugg-Ott, Noch-Co-Geschäftsleiter des Vereins «oeku Kirchen für die Umwelt», zurück.
Die Papst-Enzyklika habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich seitdem auch die katholische Kirche in der Schweiz stärker für den Umweltschutz engagiere. Vier Jahre zuvor sei es zum Reaktorunglück im japanischen Fukushima gekommen.
Seit diesem einschneidenden Ereignis gehört das Bewusstsein für Energie- und Klimafragen in den Kirchen laut Zaugg durchaus auf die «To-Do-Liste» – ein Verdienst, der nicht zuletzt mit dem leidenschaftlichen Engagement seiner Person in kausalem Zusammenhang steht.
Wobei er sich eher als «Kind» von «oeku» bezeichnet, denn als «Oeku»-Papst. «Dafür gibt es ein viel zu grosses Netzwerk an Aktiven bei uns», erklärt der reformierte Theologe bescheiden.
Zaugg war bei der Gründungsversammlung von «oeku Kirchen für die Umwelt» dabei, «und ich habe die berufliche Chance gepackt, mich als Theologe für die Schöpfung und damit auch den Klimaschutz einzusetzen.» Wobei er einräumt, dass Ökologie inzwischen längst einfach auch Zeitgeist sei. Es habe in der Vergangenheit von «Oeku» durchaus auch Phasen gegeben, in denen wenig Bewegung zu verzeichnen gewesen sei.
Inzwischen beteiligen sich aktiv an «oeku Kirchen für die Umwelt» laut Zaugg rund zehn Prozent der Kirchgemeinden in der gesamten Schweiz – mit rund 1000 Unterstützenden. Darunter werden 350 Einzel- und 350 Kollektivmitglieder gezählt. Insgesamt figurieren etwa «fifty-fifty» reformierte und katholische Kirchen unter den Mitgliedern. Allerdings – das verhehlt Zaugg nicht: «Zehn Prozent heisst – wir müssen uns vorerst noch mit wenig begnügen.» Sprich, ökologisch gesehen gibt es noch eine Menge Luft nach oben.
Beliebt ist aus Sicht des im Aargau geborenen Berners zum einen die praktische Schöpfungszeit von «oeku Kirchen für die Umwelt». «Die Schöpfungszeit findet jährlich vom 1. September bis zum 4. Oktober statt. Pfarrpersonen, Mitarbeitende in Katechese und Diakonie können unsere Arbeitsunterlagen in Gottesdiensten, bei der Predigt, in der Katechese und in der Gemeindearbeit einsetzen.»
Zum anderen hat natürlich der «grüne Güggel» seit 2015 Schule gemacht – jener ökologische «Petrus-Hahn, der kräht, bevor es zu spät ist». Damit Kirchgemeinden, Pfarreien und kirchliche Institutionen konkret etwas für die Umwelt tun können, stellt «oeku» Unterlagen zur Verfügung und bietet Kurse und Beratungen an.
«Durch systematisches Vorgehen können sie das Label «Grüner Güggel» erreichen», so Zaugg. Inzwischen haben schon viele Pfarreien und Kirchgemeinden den «grünen Güggel» im Rahmen eines detaillierten Zertifizierungsprozesses erworben.
«Auf die Sorge um ‹unser gemeinsames Haus› – so Papst Franziskus -antworten Kirchen mit konkreten Massnahmen beim grünen Güggel», erklärt Zaugg. In jeder Kirchgemeinde und in allen kirchlichen Einrichtungen werde geheizt und Strom verbraucht, es entstehe Abfall, und Wasser werde benötigt.
Überall dort sei praktisches Umweltmanagement mit Kopf, Herz und Händen gefragt – «das ist praktische Schöpfungsverantwortung.» Ganz praktisch handelt es sich dabei um Fragen der Wärmedämmung, des Energiesparens, Heizkostenreduktion, alternativer Energien wie Solaranlagen bis zur Biodiversität.
«Gerade, wenn in Pfarreien Grünparzellen zu diesem Zweck angepflanzt werden können oder seltene Tiere wie Mauersegler oder Fledermäuse geschützt werden können, ist dies auch ein wertvoller Schöpfungsbeitrag», so Zaugg. Schliesslich sei schon in der Bibel zu lesen, dass Gott auch den Vögeln Nahrung gibt.
Apropos. Wie politisch sollen sich denn die Kirchen in Sachen Ökologie und Klimaschutz geben? Es wird ja von verschiedensten Seiten immer wieder gefordert, dass sich Kirchen aus der Politik raushalten sollen.
«Die Kirche kann nicht unpolitisch sein, wenn sie ihre Botschaften glaubwürdig unter die Menschen bringen will», stellt Zaugg klar. Der Verein «Oeku-Kirchen für die Umwelt» engagierte sich ja etwa seit der Lancierung für die jüngste Biodiversitätsinitiative.
Ausserdem sei es wichtig, dass die Stimme der Kirchen weltweit auch in Sachen Klimaschutz ertöne. «Denn Kirchen können mithelfen, in der Mitte der Gesellschaften zukünftige Mehrheiten für den Klimaschutz zu finden», ist Zaugg überzeugt.
«Das ökologische Engagement der Kirchen wird am Ende die Welt nicht retten.»
Nicht zuletzt trage die Kirche als Besitzerin und Verwalterin grosser Immobilien und Gebäudeflächen eine grosse ökologische Mitverantwortung in der Gesellschaft. Zaugg bleibt unterm Strich allerdings auch realistisch: «Das ökologische Engagement der Kirchen wird am Ende die Welt nicht retten.»
Bleibt noch die Frage: Wie frostig wird es wohl in Zukunft in unseren Kirchen beim Feiern von Gottesdiensten werden – temperaturmässig –, um dem Klimaschutz gerecht zu werden?
«Im Kloster Einsiedeln ist das ganze Jahr über die Kirche nicht beheizt, die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher haben sich längst darauf eingestellt», sagt Zaugg und lächelt. Und Seniorinnen und Senioren, der Hauptklientel am Sonntag in der Kirche, könne man auch in beheizten Kirchen keine wohlige Wohnzimmertemperatur bescheren. «Notfalls muss man eben auf besser beheizbare Räume zur Feier von Gottesdiensten ausweichen.»
*Am morgigen Montag, 20 Januar, um 16.30 Uhr in der Rotonda der Pfarrei Dreifaltigkeit, Sulgeneckstrasse 11/13, in Bern findet der Festakt zur Verabschiedung von Kurt Zaugg statt. Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz, spricht ein Grusswort.
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