In der Stadt Zürich feiert fast die Hälfte der römisch-katholischen Pfarreien den Silvester mit einem ökumenischen Gottesdienst. Meist in der reformierten Schwesterkirche des Quartiers. Weshalb, erklären drei angefragte Seelsorgende in Höngg, Albisrieden und Altstetten.
Regula Pfeifer
«Wir leben miteinander im Quartier, da feiern wir auch die Feste miteinander», sagt Silvan Baumann. Der Seelsorger der römisch-katholischen Kirche St. Konrad in Zürich-Albisrieden leitet gemeinsam mit dem reformierten Pfarrer Francesco Cattani den Gottesdienst am letzten Abend des Jahres.
Gefeiert wird in der alten reformierten Kirche. «Diese bietet sich dafür an, weil sie zentral gelegen ist und eine angenehme Grösse hat», sagt Baumann. Das letzte Jahr sei sie schön voll gewesen. Demgegenüber seien die neue reformierte Kirche und die katholische Kirche St. Konrad gross. «Da fühlt man sich eher verloren.»
Der diesjährige Silvestergottesdienst in Zürich-Albisrieden ist einem speziellen Thema gewidmet, verrät Silvan Baumann. Nämlich dem berühmten Bonhoeffer-Gedicht «Von guten Mächten», das vor 80 Jahren entstand.
«Das Gedicht passt gut in die aktuell schwierige internationale Lage», so Baumann. Da sei die Christenheit gefordert, die frohe Botschaft zu verkünden und dabei auf das konfessionsübergreifend Verbindende, nicht auf das Trennende zu achten.
Die Pfarrei St. Konrad sei von Beginn an offen gewesen für das ökumenische Miteinander, sagt Baumann. Das werde bis heute intensiv gepflegt. Die AGCK habe ihnen dafür im laufenden Jahr den Anerkennungspreis für den gemeinsamen Jugendgottesdienst «Praise9» verliehen.
St. Konrad ist eine von sieben Stadtzürcher Pfarreien, die an Silvester eine ökumenische Gottesdienstfeier anbietet. Das ist knapp die Hälfte der Pfarreien der Stadt. Ausserdem feiern die Stadtzürcher Pfarreien Bruder Klaus, St. Theresia, Maria Hilf und Maria Krönung den Silvester ökumenisch. Neujahr hingegen feiern alle Pfarreien für sich alleine.
Der ökumenische Silvestergottesdienst scheint sich in diesen Pfarreien bereits als Tradition etabliert zu haben, wie einige kirchliche Mitarbeitende gegenüber kath.ch sagen.
Der Gottesdienst am 31. Dezember findet «seit Jahrzehnten» ökumenisch statt, hat etwa Silvan Baumann von langjährigen Mitarbeitenden seiner Pfarrei St. Konrad erfahren.
«Es gab solche Feiern teilweise schon vor 2000, jedoch in einem anderen Format und zu anderen Zeiten», sagt Ingeborg Prigl, Seelsorgerin der Pfarrei Heilig Geist in Zürich-Höngg und fügt an: «Seit einigen Jahren bewährt sich die jetzige Form der Feier mit Beginn um 22.30 Uhr.»
Auch die Pfarrei Heilig Kreuz in Zürich-Altstetten feiert seit über 25 Jahren ökumenische Silvestergottesdienste, wie Pfarreiseelsorger Joachim Schwarz sagt.
Die meisten dieser Gottesdienste finden beim Eindunkeln statt, zwischen 17 und 19 Uhr. Ein feierliches Anstossen um Mitternacht ermöglicht hingegen das kirchliche Angebot in Höngg.
«Am Silvesterabend lassen wir mit einer stimmungsvollen ökumenischen Feier in der reformierten Kirche das alte Jahr ausklingen und begehen den Jahresübergang in Gemeinschaft bei einem Apéro riche an der Chilebar», heisst es in der Einladung der Zürich-Höngger Pfarrei Heilig Geist, die auf der Agenda von Katholisch Stadt Zürich aufgeschaltet ist.
Eingeladen seien «alle, die beim Übergang ins neue Jahr nicht allein sein möchten oder einfach genug von Party-Rummel und Silvester-TV-Sendungen haben», heisst es weiter. Die verschiedenen Feuerwerke der Stadt sehe man vom Chilehügel aus besonders gut, wirbt die Pfarrei. Gestaltet wird der Gottesdienst von der katholischen Seelsorgerin Ingeborg Prigl Seelsorgerin und dem reformierten Pfarrer Max Schäfer.
«Der Jahreswechsel und damit die Silvesternacht eignet sich aus meiner Sicht hervorragend für eine ökumenische Feier», sagt Ingeborg Prigl gegenüber kath.ch. Die Feier finde in der reformierten Kirche statt, wegen ihrer «schönen Lage mit Blick auf Stadt und Feuerwerk».
«Die ökumenischen Silvestergottesdienste sind Teil einer grösseren ökumenischen Zusammenarbeit, die in Altstetten schon seit vielen Jahren Tradition hat», erklärt Joachim Schwarz, Seelsorger der Pfarrei Heilig Kreuz in Zürich-Altstetten.
Der Gottesdienst findet um 17.30 Uhr in der reformierten Kirche Altstetten statt. Im folgenden Jahr werde in der katholischen Kirche gefeiert, weiss Joachim Schwarz. Da werde immer gewechselt.
Der Gottesdienst wird demnach von Amtsträgern der reformierten, der katholischen und der methodistischen Kirche Altstetten vorbereitet und geleitet. Diesmal sind das die reformierte Pfarrerin Muriel Koch, der römisch-katholische Pfarrer Krzysztof Glowala von der Pfarrei Heilig Kreuz und Pfarrer Andy Schindler von Evangelisch-methodistischen Kirche Altstetten.
Und alle drei Konfessionen sind demnach dazu eingeladen. «In der methodistischen Kirche finden keine derartigen Gottesdienste statt, weil sie dafür zu klein ist», so Schwarz.
Auch der ökumenische Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen jeweils im Januar findet demnach abwechselnd in der katholischen und reformierten Kirche statt. Ausserdem gebe es ökumenische Feiern in den Altersheimen des Stadtquartiers.
Link zur Agenda von Katholisch Stadt Zürich
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/jenseits-des-party-rummels-silvester-als-fest-der-oekumene/