Sanija Ametis Schüsse auf ein Bild von Maria und Jesus löste einen Shitstorm aus. Nach Wochen des Schweigens äussert sich die GLP-Politikerin und Co-Präsidentin der Bewegung Operation Libero wieder – positiv zur katholischen Kirche.
«Dass mir Bischof Bonnemain vergeben hat, und auch die Reaktion des katholischen Frauenbundes, das waren Überraschungen. Etwas vom Schönsten, was ich erlebt habe», sagt die Zürcher GL-Politikerin Sanija Ameti jüngst in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» (14. Dezember).
«Ausgerechnet bei der katholischen Kirche fand ich einen Humanismus und eine Aufklärung, die ich an anderen Orten vermisst habe. Umso mehr, als die Äusserung des Bischofs sehr herzlich war. Das gab mir Stärke und Hoffnung.»
Ameti hat mit Schüssen auf ein Bild von Jesus und Maria im letzten September viele Menschen gegen sich aufgebracht. Ihre Aktion hatte sie auf Instagram gepostet. Ein Shitstorm ging los, Ameti verlor ihren Job bei der PR-Agentur Farner und trat aus der Leitung der Zürcher GLP zurück. Kurz danach bat Sanija Ameti öffentlich um Verzeihung.
Der Bischof von Chur vergab ihr am 13. September in einem öffentlichen Statement – und rief alle auf, es ihm gleichzutun. Ametis Leben verdiene Respekt und Schutz. «Ich vergebe Sanija Ameti und ich bitte alle gläubigen Katholiken, Christen, Muslime, jeder, der sich in seinen religiösen, menschlichen Gefühlen verletzt fühlt, mir zu folgen. Hass und Verfolgung können nicht die Antwort sein», sagte Bonnemain.
«Wie könnte ich anders, als ihr zu vergeben», sagte der Bischof weiter. Er habe dies bereits schon in einem persönlichen Schreiben an Sanija Ameti getan. «Vergebung ist und bleibt einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Begriff in der Bibel – und ist Massstab für das praktische Leben», so Bonnemain. «Vergebung ist ein Geschenk Gottes, das uns dazu bringt, immer wieder aufeinander zu zugehen.»
Bereits am 10. September hatte der Schweizerische Katholische Frauenbund zur Besonnenheit aufgerufen. «Wir können nachvollziehen, dass viele Menschen über die symbolische Gewalt der Schüsse auf Maria und Jesus verletzt sind. Aber Menschen machen Fehler. Als Christinnen und Christen sind wir dazu aufgerufen, zu vergeben, anstatt Hass zu schüren», sagte SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli.
Der SKF rief in Erinnerung, dass Ametis Familie muslimischen Glaubens und 1995 mit der damals dreijährigen Sanija aus Ex-Jugoslawien in die Schweiz geflohen sei. Wer sich dieser Tage mit Sanija Ameti befasse, so der SKF, dem schlage eine Welle sexistischer, islam- und ausländerfeindlicher Kommentare entgegen.
«Dinge, die bisher höchstens hinter vorgehaltener Hand gesagt wurden, sind plötzlich salonfähig. Der Hass, der sich an Sanija Ameti entlädt, offenbart auch ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem. Diese Entwicklung ist gefährlich», versicherte SKF-Mediensprecherin Sarah Paciarelli.
Die Schweizer Bischöfe verurteilten die Schiessaktion Ametis. Das verletze das religiöse Empfinden vieler Katholikinnen und Katholiken – auch ihr eigenes, schrieben sie. (rp)
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