Von Lob bis Fundamentalkritik – Telefontag mit Bischof Bonnemain stiess auf grosse Resonanz

Rund 100 Anrufe nahmen der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich am Telefontag entgegen. Hauptthemen waren Kirchensteuern und Kirchenaustritte.

Wolfgang Holz

Aus Sicht der Organisatoren war der Telefontag am gestrigen Dienstag, 10. Dezember, eine äusserst gelungene Aktion. «Gegen 100 Anrufe gingen bei uns ein», berichtet Simon Spengler, Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, gegenüber kath.ch.

Fünf Personen als Gesprächspersonen am Hörer

Bekanntlich konnten sich zwischen 12 und 19 Uhr Interessierte an diesem Telefontag unter einer Nummer melden und wurden dann an einen Gesprächspartner weitergeleitet.

Neben Bischof Joseph Maria Bonnemain waren der Zürcher Synodalratspräsident Raphael Meyer und Vizepräsidentin Vera Newec, Generalvikar Luis Varandas und die Leiterin der Spitalseelsorge, Sabine Zgraggen, am Hörer. Der Gefragteste «an der Strippe» war der Churer Bischof. Kein Wunder.

«Es war unterm Strich eine gute Aktion, die medial für grosse Aufmerksamkeit sorgte.»

«Viele Anruferinnen und Anrufer waren sichtlich zufrieden, mit Vertreterinnen und Vertretern der katholischen Kirche einmal direkt reden zu können. Es war unterm Strich eine gute Aktion, die medial für grosse Aufmerksamkeit sorgte», versichert Spengler. Ausschlaggebend für die grosse Resonanz sei nicht zuletzt der Bekanntheitsgrad des Bischofs gewesen.

Themen querbeet, aber…

Aber was bewegte die Anruferinnen und Anrufer am meisten? «Grundsätzlich reichte die Spannweite von Fundamentalkritik an der katholischen Kirche bis zu Lob für die kirchlichen Institutionen», erzählt Spengler. Thematisch sei «querbeet» gefragt worden.

Wobei die meisten Fragen und Meinungen sich zum einen um die Themen Kirchensteuern, Kirchenfinanzierung drehten, zum anderen um den leidigen Aderlass der Kirchenaustritte. Der aktuelle Missbrauchsskandal sei eher am Rande zur Sprache gekommen. Teilweise seien auch seelsorgerliche Gespräche zu persönlichen Anliegen geführt worden, so Spengler. Oder es wurden Informationen ausgetauscht darüber, wie Kirche überhaupt funktioniere.

Kritik: «Kirchensteuern nicht mehr zeitgemäss»

«Es wurde natürlich geschimpft, dass es überhaupt so etwas gibt wie Kirchensteuern, und dass diese nicht mehr zeitgemäss seien», fasst Spengler zusammen. Fragen seien gestellt worden, warum man den Bischof nicht direkt bezahle. «Die Anruferinnen und Anrufer haben aber auch viel Dankbarkeit und Ermunterung gegenüber der katholischen Kirche geäussert», bemerkt der kirchliche Kommunikationsverantwortliche.

Auf der Basis dieser guten Aktion kann sich Simon Spengler durchaus weitere Events im direkten Austausch zwischen Gläubigen und Kirche vorstellen. «Vielleicht lässt sich in Zukunft irgendwann auch eine Form des Chats einrichten, um noch mehr junge Personen für den Dialog mit der Kirche zu interessieren.»

Synodalratspräsident: «Telefon-Nachmittag war wichtig»

Auch der Zürcher Synodalratspräsident Raphael Meyer erzählt kath.ch , wie er die Aktion erlebt hat.

«Das Ziel der Telefonaktion war, mit den Kirchensteuerzahlerinnen und -zahlern in Dialog zu treten. Ich konnte mit kritischen Noch-Mitgliedern, mit überzeugten Ausgetretenen aber auch mit sehr traditionellen Gläubigen sprechen.»

«Der Einsatz der Kirche für die Armen und Schwachen, aber auch die Pflege unserer Tradition wurden mir gegenüber am häufigsten als Pro-Argument genannt.»

Der Nachmittag habe ihn darin bestätigt, wie wichtig es sei, «dass wir transparent über die Verwendung der Kirchensteuer informieren müssen. Der Einsatz der Kirche für die Armen und Schwachen, die Seelsorge in den Spitälern und Einrichtungen, aber auch die Pflege unserer Tradition wurden mir gegenüber am häufigsten als Pro-Argument genannt.»


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