Bischof Glettler zu Missbrauch: «Das Leid und die Erniedrigung sind erschütternd»

Die Diözese Innsbruck hat jüngst betont, wie sehr man um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und zugleich um nachhaltige Strategien gegen Missbrauch und Gewalt bemüht ist. Die Berichte der Betroffenen über das ihnen zugefügte Leid in kirchlichen Heimen seien erschütternd, so Bischof Hermann Glettler.

Der Innsbrucker Bischof bekräftigte in der Aussendung einmal mehr seine Haltung gegenüber diesem Unrecht: «Das Leid und die Erniedrigung, welche die vielen Opfer in den Heimen erleben mussten, sind erschütternd. Das Ausmass der Gewalt in vielfältiger Form macht bis heute betroffen. Hier liegt ein pädagogisches Totalversagen im Fürsorgesystem vor, das in seinem Ausmaß erst im Nachhinein und damit viel zu spät erkannt worden ist.»

Jeder Fall von Missbrauch sei einer zu viel, so Glettler: «Alle Betroffenen möchte ich erneut um Vergebung bitten und versprechen, dass die Kirche daraus gelernt hat und betreffend Missbrauchsprävention entschlossen vorangeht.»

Verpflichtende Schulungen für alle Priester

Sensibilisierung, Schutzkonzepte, Schulungen und Beratungen sowie schonungslose Aufklärung und Opferschutz seien Säulen, auf die die Diözese Innsbruck in Bezug auf die Themen Missbrauch und Gewalt immer stärker setze, hiess es. Dazu gehören laut Aussendung verpflichtende Schulungen für alle Priester, Diakone und hauptamtliche Mitarbeitende, die in der Diözese Innsbruck inklusive Caritas tätig sind. Hinzu kommen ergänzende verpflichtende Schulungen für Personen mit Leitungsverantwortung sowie Schulungsmöglichkeiten für ehrenamtliche Mitarbeitende.

Die Diözese stehe dabei in enger Zusammenarbeit mit den Ordensgemeinschaften auf ihrem Gebiet. Noch unter Bischof Manfred Scheuer – von 2003 bis 2015 Bischof der Diözese Innsbruck – sei eine Abteilung dafür eingerichtet worden; heute das Referat für Prävention von Missbrauch und Gewalt. Es richte den Blick in die Zukunft, indem Massnahmen gesetzt würden, «um mögliche Risikofaktoren von Gewaltanwendung zu vermeiden und unerwünschtes, grenzverletzendes und übergriffiges Verhalten in allen ihren Einrichtungen bestmöglich zu verhindern».

Schutzkonzept für jeden Seelsorgeraum

Die Österreichische Bischofskonferenz hat in ihrer Rahmenordnung «Die Wahrheit wird euch frei machen» beschlossen, dass Verantwortungsträger von Pfarren, Orden, kirchlichen Organisationen und Einrichtungen flächendeckend ein Schutzkonzept zu erarbeiten haben. In der Diözese Innsbruck sei jeder Seelsorgeraum verpflichtet, ein solches Schutzkonzept zu erarbeiten.

Damit stelle die Kirche klar, «dass der Schutz der anvertrauten Menschen ernst genommen wird», hiess es in der Aussendung. Durch ein Schutzkonzept könnten sichere Orte für alle Beteiligten entstehen. An weiteren Schutzkonzepten, etwa für Schulen und die Caritas, werde gearbeitet.

«Unmissverständlich gilt, dass die Kirche ein sicherer Ort für Kinder, Jugendliche und andere vulnerable Personen sein muss», so Glettler. Bei Gewalt gegenüber Minderjährigen und allen besonders schutzbedürftigen Menschen gelte ein ‘Null-Toleranz-Prinzip’. «Jedes Opfer war und ist eines zu viel.»



Mit einer Ombudsstelle gibt es in der Diözese seit 2011 auch eigene unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene. Diese würden der Vertraulichkeit und Verschwiegenheit unterliegen.

Bis dato seien von kirchlichen Einrichtungen auf dem Gebiet der Diözese Innsbruck rund 7,7 Millionen Euro an finanzieller Hilfe für Opfer ausgeschüttet worden. Über 700’000 Euro seien für Therapien geleistet worden. Dieses Geld stamme nicht aus laufenden Kirchenbeiträgen, sondern sei durch Erträge aus Rücklagen abgedeckt, wie die Diözese betonte. (kap)


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