Er war eine Säule für Papst Franziskus im Dialog mit dem Islam: Kardinal Ayuso

Kardinal Miguel Ayuso Guixot (72) ist verstorben. Er war Präsident des Päpstlichen Rats für den interreligösen Dialog, christlicher Theologe, Islamexperte und Architekt des Dialogdokuments «Über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt» (2019) von Papst Franziskus und Grossimam Ahad al Tayyeb.

Stephan Leimgruber*

Kardinal Ayuso war eine Säule für Papst Franziskus im Dialog mit dem Islam und er genoss weitherum grosse Anerkennung. Das Requiem für den Verstorbenen findet am heutigen Mittwochnachmittag, 27. November, im Petersdom statt und wird von Kardinal Giovani Battista  Re, Dekan des Kollegiums, gefeiert. Papst Franziskus wird die Aussegnung und Verabschiedung vornehmen.

Kondolenzschreiben des Grossimams

Der sunnitische Grossimam al Tayyeb betonte in seinem Kondolenzschreiben, dass Kardinal Ayuso «ein herausragendes Beispiel für einen engagierten Dialog im Dienste der Menschheit» gewesen sei.

Er verdankte und würdigte Ayusos «bedeutende Bemühungen um die Förderung der Beziehungen zu Muslimen im Allgemeinen und zu Al-Azhar und dem Muslimischen Ältestenrat im Besonderen».

Auch das Internationale Dialogzentrum, das seinen Sitz von 2012-2022 in Wien hatte, gab der  tiefen Trauer über den Tod von Kardinal Ayuso Ausdruck: Er habe  sich der Förderung der Werte des Friedens, der Toleranz und der Mässigung durch den interkulturellen und interreligiösen Dialog verschrieben und zum Aufbau des Dialogzentrums wesentlich beigetragen.

Trat dem Orden der Gombonmissionare bei

Miguel Angel Ayuso Guixat, geboren am 17. Juni  1952 im andalusischen Sevilla Südspaniens, studierte Philosophie und Theologie, Orientalistik und Islamwissenschaften.  Mit 28 Jahren trat er dem Orden der Gombonimissionare bei  und empfing 1982 die Priesterweihe. Anschliessend arbeitete er zwanzig Jahre lang als Missionar im Sudan und in Ägypten.

Er lehrte von 1987 bis 1993 in Karthun/Sudan am Interdiözesanen Priesterseminar und am ordenseigenen Lehrerbildungszentrum. 2002 wurde er Professor für Islamistik und Studiendirektor am «Päpstlichen Institut für Arabische und Islamistische Studien» (PISAI), das von Kairo nach Rom verlegt wurde. 2006 promovierte er in Dogmatik an der Theologischen Fakultät Granada. Er war der Arabischen Sprache und einiger ihrer regionaler Ausprägungen mächtig, natürlich auch der spanischen Sprache, seiner Muttersprache sowie Englisch, Französisch und Italienisch.

Von Papst Benedikt XVI. berufen

Papst Benedikt XVI.  berief Ayuso 2012 zum Sekretär des Päpstlichen Rats für den Interreligiösen Dialog. 2016 empfing er die Bischofsweihe und am 25. Mai 2019 ernannte  ihn Papst Franziskus zum Präsidenten des genannten Rats. Zudem hatte er den Voristz in den interreligiösöen Dialogkommissionen in den Ländern Ägypten, Sudan, Kenia Äthiopien und Mosambik.

Am 5. Oktober 2019 wurde er ins Kardinalskollegium berufen und aufgenommen. Er galt als Architekt und federführend für das «Dokument über die Brüderlichkeit (bzw. Geschwisterlichkeit) aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt», kurz auch «Erklärung von Abu Dhabi» (2019) genannt. 2020 wurde er Mitglied der Kongregation für die orientalischen Kirchen.

«Kultur des Dialogs»

Mit Kardinal Ayuso ist ein bedeutender katholischer Islamexperte verstorben, der für eine «Kultur des Dialogs als einem Weg der Zusammenarbeit und als Grundhaltung und das gegenseitige Wissen als Methode und Kriterium des Dialog» eingetreten ist. Glauben heisst für ihn «immer neu vom Leben zu lernen sich verändern oder besser, sich verändern zu lassen» (aus dem Vorwort zum Buch «Vom Koran bis zur Erklärung von Abu Dhabi. Christlich-islamischer Dialog mit Fokus  auf der Arabischen Halbinsel» von S.Leimgruber, TVZ 2023, 15).

*Stephan Leimgruber ist Seelsorger im Pastoralraum Luzern. Bis 2014 war er Professor für Religionspädagogik an der LMU München.


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