Die St. Galler Reformbewegung sieht ihre Ziele erreicht und löst sich auf

Die Bewegung «Reformen jetzt» bildete sich vor rund einem Jahr – im Nachgang zur Pilotstudie zum Missbrauch in der Kirche. Nun löst sich die Steuerungsgruppe auf. Zentrale Anliegen seien umgesetzt worden.

Die kirchenpolitische Bewegung hat insgesamt sechs Reformvorstösse im Bistum St. Gallen eingereicht. Im Frühjahr war sie mit Standaktionen in der Stadt St. Gallen auch in der Öffentlichkeit präsent. Die Reformvorstösse betrafen die Bischofswahl, die ausserordentliche Trauerlaubnis für Seelsorgende, die Respektierung des Privatlebens von Seelsorgenden, Perspektiven für laisierte Priester, die Frauenweihe sowie eine rituelle Vielfalt bei der seelsorglichen Begleitung von Kranken und Menschen am Lebensende.

Drei von sechs Forderungen erfüllt

Zentrale Anliegen der Reformbewegung seien in jüngster Zeit umgesetzt worden, teilt die Katholische Kirche im Lebensraum St. Gallen am Donnerstag mit. «So konnten zum Beispiel mehr Transparenz bei der Bischofswahl geschaffen oder mehr Rechte für nicht-geweihte Seelsorgende erwirkt werden». Die Reformbewegung wurde zum Beispiel vom Domkapitel eingeladen, an einem transparenten und pro-aktiven Kommunikationsprozess während der Bischofswahl mitzuwirken.

Von den sechs eingereichten Reformvorstössen seien heute drei umgesetzt. Bei den Themen «diskriminierungsfreie Umgebung» kirchlicher Mitarbeitenden oder Frauenweihe blieben die Hauptunterzeichnerinnen und -unterzeichner am Ball. Die «kritisch-kommunikative Begleitung» der anstehenden Bischofswahl sei zweifellos das «aktuellste und für die Öffentlichkeit spannendste Thema», teilt Ann-Katrin Gässlein kath.ch mit. Die Theologin war aktives Mitglied der Reformbewegung.

Die Öffentlichkeit sei sehr gut über die Bischofswahl informiert worden, unter anderem durch die Veröffentlichung der Konsultation. «St. Gallen wurde als Vorbild für synodale Prozesse bei wichtigen Personalentscheidungen sogar auf der Weltsynode der Bischöfe vorgestellt.»

Nicht umgesetzt worden seien die Vorstösse betreffend Privatleben, Zölibat und Laisierung sowie Krankheit und Lebensende.

Die Reformbewegung entstand im Nachgang zur Publikation der Missbrauchsstudie im Herbst 2023. Ein offizielles Mandat bekam die sogenannte Steuerungsgruppe im November 2023 an einer Versammlung von rund 50 Mitarbeitenden in der Seelsorge der Katholischen Kirche in St. Gallen, Abtwil-St. Josefen und Engelburg.

Regionale und nationale Gremien engagieren sich

Diese Versammlung hat diesen November die Sistierung von «Reformen jetzt» beschlossen, und zwar auf Antrag der Steuerungsgruppe. «Wir sind mit den Fortschritten bei unseren Vorstössen zufrieden», wird Ann-Katrin Gässlein zitiert.

Wichtig seien weiterhin der Einsatz für eine «diskriminierungsfreie Umgebung» für kirchliche Mitarbeitende und die umfassende Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen in der Katholischen Kirche. «Beide Anliegen werden in regionalen und nationalen Gremien hoch priorisiert. So zum Beispiel in der ‹Allianz Gleichwürdig Katholisch› oder der Kommission für Gleichberechtigung und Gleichstellung des Bistums St.Gallen», heisst es in der Mitteilung.

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe engagieren sich künftig in verschiedenen Gremien des Bistums und darüber hinaus. (bal)


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