Dank einer Änderung der Wahlvoraussetzungen können auch Ordenspriester zum nächsten Bischof von St. Gallen gewählt werden. Wer wird da als potentieller Kandidat gehandelt? Kath.ch hat sich umgehört. Immer wieder fallen zwei Namen.
Barbara Ludwig
Zurzeit liegt die vom St. Galler Domkapitel erstellte Sechserliste in Rom, wo sie von den zuständigen Instanzen geprüft wird. Wer die sechs Priester auf der Liste sind, wissen offiziell nur die Mitglieder des für die Wahl zuständigen Domkapitels. Figuriert auch der Name eines Ordenspriesters darauf? Darüber kann nur spekuliert werden.
Es wäre indes naheliegend: Denn warum sonst hätte das Domkapitel eine Ausweitung des Kandidatenkreises angeregt, der am Mittwoch – wenn auch erst im Nachhinein – das Katholische Kollegium zugestimmt hat? In St. Gallen kursiert ein unbestätigtes Gerücht, wonach tatsächlich der Name eines Ordenspriesters auf der Wahlliste steht, wie kath.ch aus St. Galler Kirchenkreisen erfahren hat.
Eine andere Quelle, ein Priester des Bistums St. Gallen, der seinen Namen ebenfalls nicht auf kath.ch lesen möchte, hält dies jedoch für abwegig: «Stellen Sie sich vor, einer fände sich auf der Liste – und das Kollegium hätte die Änderung der Wahlvoraussetzungen abgelehnt.» Undenkbar.
Fragt sich nun, wer unter den im Bistum St. Gallen tätigen Ordenspriestern als potentieller Kandidat fürs Bischofsamt gehandelt wird. Mehrfach fällt der Name von Raffael Rieger (Jahrgang 1975). Der Ostschweizer Schönstatt-Pater war während etwas mehr als fünf Jahre Regens im Bistum St. Gallen. Dieses Amt legte er Ende Oktober 2022 nieder, da er in diesem Jahr zum Chef einer neuen europäischen Provinz der Schönstatt-Patres gewählt wurde.
Rieger stammt aus Mörschwil SG und ist in einer katholischen Familie als dritter von vier Söhnen aufgewachsen. Er hat eine Berufslehre als Elektromonteur absolviert und schloss sich 1999 der Schönstatt-Bewegung an. Theologie studierte Rieger in Vallendar-Schönstatt und Luzern. 2007 weihte ihn der St. Galler Bischof Markus Büchel zum Priester.
Viele halten Rieger als geeignet für das Amt des Bischofs, sagt die Quelle aus St. Gallen. Als Regens war der Pater Mitglied im Ordinariatsrat, also der Bistumsleitung. Die andere Quelle sagt, spontan käme ihr Raffael Rieger in den Sinn. Von den Ordenspriestern komme einzig er in Frage. Rieger hätte das Potential zum Bischof aufgrund seines souveränen Auftretens, seiner Herzlichkeit und weil er von den Leuten akzeptiert werde. «Er wäre ein guter Bischof», findet der Priester.
Rieger hat auch als Provinzial der Schönstatt-Patres seinen Wohnsitz in St. Gallen behalten. Und noch immer wirkt er als Seelsorger in St. Gallen. Zurzeit ist er Rektor der Wallfahrtskirche Heiligkreuz im Osten der Stadt. Würde er tatsächlich zum Bischof gewählt, müsste er aber sein Amt als Provinzial abgeben. Ob er dazu bereit wäre, ist offen.
Mehrfach fällt auch der Name von Andy Givel (Jahrgang 1974). Auch er hat eine Führungsfunktion in seiner Ordensgemeinschaft. Seit 2020 ist er Provinzial der Schweizer Pallottiner. Im Juni wurde der Pallottinerpater zudem zum Präsidenten der Vereinigung der Höheren Ordensobern der Schweiz gewählt, der die katholischen Männerorden angehören.
Givel trat 1999 in das Noviziat der Pallottiner ein. Nach einem Studium an der Ordensuniversität der Pallottiner in der deutschen Stadt Vallendar absolvierte er eine Ausbildung am Pastoraltheologischen Institut der Pallottiner in Friedberg (Bayern). Auch er wirkt in der Seelsorge des Bistums, und zwar als Pfarrer der Seelsorgeeinheit Gossau.
Auch Arnold Stampfli, Journalist und ehemaliger Informationsbeauftragter des Bistums St. Gallen, nennt ziemlich schnell die Namen Raffael Rieger und Andy Givel. «Beide sind in der Seelsorge tätig und haben verantwortungsvolle Posten in ihrer Ordensgemeinschaft.» An diese beiden Ordensleute könnte man gedacht haben, als man sich für die Ausweitung des Kandidatenkreises für die anstehende Bischofswahl entschied, mutmasst Stampfli.
Am häufigsten würden jedoch Generalvikar Guido Scherrer und Dompfarrer Beat Grögli als potentielle Bischöfe genannt, die beide keinem Orden angehören. Dafür sind sie Mitglied im Domkapitel – und damit bereits potentielle Kandidaten. Bislang gehörten nämlich bis auf zwei alle bisherigen St. Galler Bischöfe vor ihrer Wahl dem Domkapitel an.
Raffael Rieger und Andy Givel sind keine Domherren. Sie könnten aber trotzdem Bischof werden, wie das Beispiel von Otmar Mäder zeigt, der 1976 zum Bischof gewählt wurde, ohne vorher dem Domkapitel anzugehören.
Mit Emmanuel Rutz, Abt von St. Otmarsberg in Uznach SG, gibt es einen weiteren Ordensmann mit Führungserfahrung. Doch niemand nennt den Missionsbenediktiner gegenüber kath.ch als potentiellen Bischof. Der oben erwähnte Diözesanpriester meint, Rutz komme wegen seiner in kirchenpolitischen Fragen deutlich rechten Positionierung nicht in Frage. Er ist überzeugt: Der neue Bischof von St. Gallen werde wieder aus dem fortschrittlichen Flügel des Klerus kommen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wird-raphael-rieger-bischof-von-st-gallen/