Der Schwarzen Madonna wurde von einem verwirrten Jugendlichen in der Stiftskirche das Kleid entrissen. Nicht nur die Pilgernden im Kloster Einsiedeln waren geschockt. Wird die legendäre Sakralfigur nun vor der Öffentlichkeit gesichert?
Wolfgang Holz
Die Schwarze Madonna wurde bei dem Angriff des 17-jährigen Asylbewerbers jüngst leicht beschädigt. Welcher Schaden ist genau passiert, und ist jetzt eine kurze Renovation der Sakralfigur nötig?
Pater Thomas Fässler: Schäden zeigen sich an der Hand des Gnadenbildes sowie an dem Zepter und der Krone der Madonna. Tatsächlich ist nun eine Renovation vonnöten.
Welches Kleid hatte die Schwarze Madonna getragen und ist dieses nun auch beschädigt?
Pater Thomas: Das Gnadenbild trug am Samstag das sogenannte Schwyzer-Kleid aus dem Jahr 1922, bestehend aus weisser Seide mit Stickerei. Es wurde beim Vorfall beschädigt und muss ebenfalls restauriert werden.
Ist schon Näheres bekannt über die Motivation des verwirrten Asylbewerbers, warum er die Schwarze Madonna entkleidet hat?
Pater Thomas: Hier ist die Polizei noch in Abklärung.*
Wird die Schwarze Madonna nun künftig bewacht oder geschützt, etwa durch eine Plexiglasscheibe?
Pater Thomas: Wir werden uns bestimmt Gedanken darüber machen, wie wir das Gnadenbild künftig besser schützen können. Unmittelbar sind allerdings keine weiteren Massnahmen geplant. Die Schwarze Madonna stand schon bislang unter Alarm, der auch am Samstag gut funktioniert hat. Wir wollen als Kirche weiterhin für alle Gläubigen offen und zugänglich sein.
Ist die Schwarze Madonna schon früher einmal attackiert bzw. beschädigt worden?
Pater Thomas: Der grösste Einschnitt in ihrer Geschichte war gewiss 1798, als französische Revolutionstruppen das Kloster besetzten und plünderten. Kurz zuvor – in allerletzter Minute – war von den Mönchen das Gnadenbild in Sicherheit gebracht worden und kam in mehreren Stationen bis nach Triest. Die Schwarze Madonna war in den fünfeinhalb Jahren bis zu ihrer Rückkehr 1803 unter anderem vergraben oder in Kleiderschränken versteckt.
Und die Stiftskirche? Ist diese auch schon öfters Ziel von Attacken gewesen – bekannt ist ja noch der Vorfall vor vielen Jahren, als ein Auto das Hauptportal der Kirche rammte?
Pater Thomas: Neben dem von ihnen angesprochenen Vorfall waren wir bislang – Gott sei Dank – von Attacken verschont. Damals, im Oktober 2001, versuchte ein junger Mann, mit seinem Auto in die Klosterkirche zu fahren. In den Zeitungen stand damals: «Der Amokfahrer ist vom Klosterplatz her über die Treppe hinauf zur Klosterkirche gefahren, teilte die Kantonspolizei Schwyz mit.
Dabei habe der Wagen auf der Klostertreppe angehalten, worauf Passanten das offenstehende Hauptportal der Kirche geschlossen hätten. Dem Amokfahrer sei es aber gelungen, sein Auto wieder in Fahrt zu setzen und die Tür des Hauptportals ungebremst zu rammen. Die massiven Eichentüren hielten laut Polizei dem Aufprall stand, und es wurde niemand verletzt.»
Das Interview mit dem Einsiedler Pater Thomas Fässler wurde schriftlich geführt.
*Nach Auskunft der Schwyzer Kantonspolizei handelt es sich bei dem 17-jährigen Asylbewerber um einen Flüchtling afghanischer Herkunft, der sich zuvor ausserhalb des Kantons Schwyz aufgehalten habe. Der Jugendliche befinde sich momentan in einer medizinischen Einrichtung. Welche Motivation hinter seiner Tat steckt, so die Medienstelle der Schwyzer Kantonspolizei, sei noch nicht bekannt. Es würden aber keine Anzeichen darauf hindeuten, dass es sich um einen Islamisten handle.
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