«Die Hoffnung stirbt zuletzt»: Glocken in Brienz läuten weiter, Kirche bleibt angestrahlt

Die Steinlawine droht – und alle Brienzer sind inzwischen evakuiert worden. Die Kirche in Brienz ist und bleibt der optische und akustische Hoffnungsanker der Bevölkerung.

Wolfgang Holz

«Das Aussenlicht am Abend bleibt eingeschaltet, ebenso das Glockengeläut», verkündet Pfarradministrator Don Federico Pelicon gegenüber kath.ch die Hoffnungsbotschaft. Wie bereits während der ersten Evakuierung läuten also die Glocken der Brienzer St. Calixtus-Dorfkirche weiter, und das Gotteshaus signalisiert der erneut heimatlos gewordenen Brienzer Bevölkerung, dass das Dorf auf diese Weise weiterlebt. Der Puls Gottes schlägt quasi weiter.

«Unsere Kirche ist immer gut besucht gewesen.»

Wie der 56-jährige Pfarradministrator versichert, bedeutet den Brienzerinnen und Brienzern ihre Kirche sehr viel. «Unsere Kirche ist immer gut besucht gewesen», berichtet Pelicon. Die Brienzer Gläubigen seien natürlich traurig, dass sie ihre Kirche ebenso wie ihr Dorf für einige Zeit zurücklassen müssen.

«Wir sind eine Kirchgemeinde mit elf Pfarreien, und in Brienz ist man gewohnt, zwischen den Kirchen im Tal zu pendeln.»

Dass die Gläubigen von Brienz nun wahrscheinlich einige Monate lang in eine der zehn anderen Pfarreien gehen müssen, um Gottesdienste zu feiern, sei für sie aber nicht ungewöhnlich. «Wir sind eine Kirchgemeinde mit elf Pfarreien, und in Brienz ist man gewohnt, zwischen den Kirchen im Tal zu pendeln», sagt der gebürtige Italiener.

Solidarität für Brienzer Bevölkerung

Bei den einzelnen Gottesdiensten werde zudem immer an Brienz gedacht, und für das Dorf, das erneut von einem Schuttstrom bedroht ist, gehofft. «Wir beten für Brienz.»

Die Solidarität im Tal für die evakuierte Brienzer Bevölkerung sei gross. Das Dorf bleibe bewacht, damit es nicht zu Plünderungen komme. «Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass die Menschen aus Brienz bald wieder in ihr Dorf zurückkönnen», so Pfarradministrator Federico Pelicon.

Schutthalde im Fluss

Bereits am vorletzten Samstagabend wurde die Bevölkerung von Brienz aufgefordert, sich umgehend auf eine Evakuierung vorzubereiten. Bis Sonntagmittag um 13 Uhr mussten alle Menschen und Tiere das Dorf verlassen haben, entschied die zuständige Behörde wenige Tage später.

Denn der Gemeinde im Albulatal, die bereits im vergangenen Jahr evakuiert werden musste, droht erneut Ungemach von oben. In der Schutthalde hoch über Brienz/Brinzauls bewegen sich seit der zweiten Septemberhälfte rund 1,2 Millionen Kubikmeter Felsschutt mit 20 bis 35 Zentimetern pro Tag talwärts. Es besteht die Gefahr, dass der Fels sich löse und dann als schneller Schuttstrom in Richtung des Dorfes abgleite.

Altar abgebaut

Auch der Altar der Pfarrkirche St. Calixtus wurde inzwischen aus der Gefahrenzone gebracht, auch er zum zweiten Mal. Es handelt sich um einen wertvollen spätgotischen Flügelaltar, der vor dem Abbau in seine Einzelteile zerlegt werden musste.


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