Diakonatsweihe für Frauen – eine Sackgasse?

Manche versprechen sich von der Diakonatsweihe für Frauen einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung in der römisch-katholischen Kirche. Kapuzinerbruder Willi Anderau warnt: Ein spezieller «Diakonat für Frauen» verfestige die Auffassung, dass der Klerikerstand nur für Männer möglich ist.

Willi Anderau*

Das Abschlussdokument der Weltsynode erwähnt mehrmals die Gleichwürdigkeit der Frauen in der Kirche, vermeidet aber tunlichst das Wort Gleichberechtigung. Mit schönen Worten über die gleiche Würde und einer Aufzählung von vielerlei Diensten, welche die Frauen in der Kirche bereits ausüben und noch ausüben könnten (Punkt 60 im Abschlussdokument), werden diese darüber hinweg vertröstet, dass man (Mann) weiterhin nicht bereit ist, den Frauen neben gleicher Würde auch gleiche Rechte zuzugestehen.

Zur Vertröstung gehört auch, dass eine Sonderkommission bis Mitte 2025 abklären soll, ob ein spezielles Dienstamt für Frauen als Diakonat mit einer Weihe verbunden werden könnte; allerdings mit klarer Abgrenzung zur Priesterweihe, so wie das auch bei der Weihe zum «Ständigen Diakonat» für verheiratete Männer geschehen ist.

Platz für Frauen in Kirchenordnung festgelegt

Damit wird einmal mehr der Platz für Frauen in der Kirchenordnung klar festgelegt: ein Platz nicht innerhalb des Klerikerstandes, sondern daneben. Solange der Weg zum Klerikerstand versperrt bleibt, ist es nach traditioneller Lehre leicht möglich, den Frauen ein Diakonenamt anzubieten, das aber nicht verwechselt werden darf mit den höheren Weiheämtern, welche zur Priesterweihe führen.

Dem Namen nach tönt gleich, was zwei verschiedene Wege sind. Die Diakonatsweihe für Männer gehört zu den Höheren Weihen und führt in der Regel zur Priesterweihe, das Diakonatsamt mit angepasster Weihe, wie es einige für Frauen vorschlagen, führt in eine Sackgasse. Denn damit werden die alten Strukturen nicht geöffnet, sondern erst recht bestätigt und zementiert.

Frauen gleich vor Gott wie Männer  

Um es deutlich zu sagen: Die Frage ist heute nicht mehr, welche zusätzlichen Plätze die Männer – abgesehen von ihren Klerikerämtern – den Frauen noch zugestehen möchten. Heute stellt sich die Frage, ob man endlich bereit ist anzuerkennen, dass vor Gott den Frauen und den Männern gleiche Würde und gleiche Rechte zukommen.

Es ist betrüblich, dass es die vergangene Weltsynode der römisch-katholischen Kirche versäumt hat, in dieser Frage eine prophetische Rolle in der Welt zu spielen. Stattdessen muss sie sich von der Welt, von den Menschenrechten und von anderen christlichen Kirchen sagen lassen, was schon im ersten Testament steht: Gott hat den Menschen geschaffen, als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Also auch mit gleicher Würde und gleichen Rechten.

* Der Kapuziner Willi Anderau lebt seit diesem Sommer im Kloster Rapperswil, zuvor war er im Kloster Wesemlin in Luzern wohnhaft und ab 2020 als Guardian mit dessen Leitung beauftragt. Von 1988 bis 2004 war Anderau bischöflicher Radio- und Fernsehbeauftragter für die Deutschschweiz.


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