Trump ist neuer Präsident – und Papst Franziskus schweigt erst einmal

Donald Trump hat die Wahlen gewonnen: Der frühere ist auch der künftige Präsident der USA. Welche kirchlichen Reaktionen gibt es darauf? Wenige. Auch der Papst schweigt.

In den ersten Stunden gibt es eigentlich gar keine Reaktionen auf den Sieg Trumps – jedenfalls nicht vom offiziellen Katholizismus. Die US-Bischofskonferenz hat zunächst nicht offiziell auf das Wahlergebnis reagiert, was auch verständlich ist, solange noch Stimmen ausgezählt werden.

Bei Generalaudienz kein Wort

Heute Morgen im Vatikan wurde bei der Generalaudienz kein Wort über den Sieg von Trump oder den amerikanischen Wahlkampf verloren, obwohl er auch die Kirche und das US-Episkopat, das seit langem zwischen Progressiven und Konservativen gespalten ist, in Atem gehalten hat.

 Während der neue Präsident Trump also in Mar-a-Lago mit seiner Familie feierte und sich mit den ersten Erklärungen den Kameras zeigte, betete Papst Franziskus auf dem Petersplatz für die Opfer des Krieges in der Ukraine und im Gazastreifen und erinnerte daran, dass «neulich 153 Zivilisten beim Spazierengehen auf der Strasse erschossen wurden». Wie es üblich ist, wird die Glückwunschbotschaft des Papstes an Trump erst bei dessen Amtsantritt im Weissen Haus eintreffen.

Papst: «Kleineres Übel wählen»

Im Vorfeld der Wahl hat Papst Franziskus empfohlen, das «kleinere Übel» zu wählen. Auf dem Heimflug aus Singapur nach Rom warf das Oberhaupt der katholischen Kirche beiden Kandidaten wegen deren Positionen zum Umgang mit Einwanderern beziehungsweise zur Abtreibung eine lebensfeindliche Einstellung vor. Trotzdem riet er den US-Bürgern, zur Wahl zu gehen. «Man muss wählen und man muss das kleinere Übel wählen.»

Franziskus legte sich weder auf den Ex-Präsidenten, der für die Republikaner antritt, noch auf die Vizepräsidentin von den Demokraten fest. «Ob es derjenige ist, der Migranten vertreibt, oder diejenige, die Kinder tötet, beide sind gegen das Leben», sagte der Pontifex.

Dilemma: Hier Abtreibung,da Vorgehen gegen Migranten

Gespalten wirkt, was die Haltung zur Politik betrifft, die US-Bischofskonferenz selbst. Das Dilemma bestand darin, dass Harris› Demokraten für ein «Recht auf Abtreibung» eintraten und Trumps Republikaner für hartes Vorgehen gegen Migranten. Beides musste den Katholiken Bauchschmerzen bereiten.

Hauptstadt-Kardinal Wilton Gregory bezeichnete mit Blick auf den Wahlkampf den Schutz des menschlichen Lebens als «das grundlegende Thema». Der New Yorker Kardinal Timothy Dolan befand, keiner der Kandidaten könne «die katholische Kultur des Lebens wirklich auf den Punkt bringen». Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Timothy Broglio, warnte wiederum vor einem Patriotismus, der «durch blinden Nationalismus entstellt» werde.

Keine einheitliche Stellungnahme der US-Bischöfe

Dass es keine einheitliche und deutlichere Stellungnahme der US-Bischöfe zum Wahlkampf gegeben hat, sehen viele in den USA als Versäumnis. Die New Yorker Moraltheologin Meghan Clark kritisierte, die vorsichtige Haltung der Bischöfe sei «dem Moment, den wir erleben, nicht angemessen». «So etwas kann man kaum eine prophetische Kirche nennen», urteilte auch Theologe Massimo Faggioli. So hätten die Bischöfe doch schon nach dem Sturm auf das Kapitol 2021 deutlich von der Bedrohung der Demokratie reden können.

«Trump hat keinen Hehl aus seiner Absicht gemacht, die Menschenrechte von Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten zu verletzen.»

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch blickt mit Sorge auf die zweite Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident. Er habe «keinen Hehl aus seiner Absicht gemacht, die Menschenrechte von Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten zu verletzen», sagte Tirana Hassan, Exekutivdirektorin von Human Rights Watch, am Mittwoch in Washington. Institutionen und zivilgesellschaftliche Gruppen müssten alles in ihrer Macht stehende tun, um Trump und seine Regierung für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen.

In Trumps erster Präsidentschaft dokumentierte Human Rights Watch nach eigenen Angaben mehrere Menschenrechtsverletzungen. Dazu zählten der Versuch Asylsuchende auszuweisen, die Verbreitung rassistischer Stereotype vor allem gegen Schwarze und eine Politik, unter der Familien mit geringen Einkommen litten.

Im Wahlkampf forderte Trump nun Masseninhaftierungen und -abschiebungen von Migranten. Auch wolle er politische Gegner verfolgen und das US-Militär im Inland einsetzen, um gegen Proteste vorzugehen. Trump müsse davon abgehalten werden, die von ihm angekündigten Menschenrechtsverletzungen zu begehen, sagte Hassan. (Vatican News/kna/»Il Messagero»/Süddeutsche Zeitung/woz)



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