Tierschützer fordern: Schluss mit Hubertusmessen in der Kirche

Tierschützer kritisieren neuerdings nicht nur Hobby-Jäger, sondern fordern in einer aktuellen Petition, dass die Kirche keine Hubertusmessen mehr feiert, «um Jägern für das systematische Töten den symbolischen Segen zu erteilen.»   

Wolfgang Holz

Was ist denn hier los? Der Mailordner von kath.ch ist plötzlich geflutet von Protest-E-Mails von Tierschützern. Zahlreiche andere kirchliche Institutionen in der Schweiz haben ebenso Standard-Petitionsmails von Tierschützern erhalten. Diese fordern: «Schluss mit der Gewalt und mit Tierquälerei!»

«Hobby-Jäger mit hierarchischem Aufbau»

Die Gründe dafür werden in der Massen-Mail erläutert. «Das Wort Sekte (…) wird unter anderem so definiert: Eine kleine Gemeinschaft wie Hobby-Jäger, oft mit einem hierarchischen Aufbau, deren Ansichten meist sehr radikal und abwegig sind, widersprechen den ethischen Grundwerten der Gesellschaft», ist da zu lesen.

Und weiter wörtlich: «Letzteres ist zum Beispiel bei der Waidgerechtigkeit der Hobby-Jäger erkenntlich, welche diametral den Tierschutzgesetzen in vielen Ländern widerspricht, oder bei den verbotenen Gewaltdarstellungen gequälter Wildtiere in den Kirchen bei den sogenannten Hubertusmessen.»

Heiliger Hubertus nur als Feigenblatt

Dabei fungiere der heilige Hubertus (Eustachius) als Feigenblatt und Schutzpatron für das «böse Waidwerk. Hubertus erhabene Lehren wollen Hobby-Jäger nämlich bewusst nicht befolgen.»

Wegen dieser Hobby-Jäger würden Wildtiere leiden. Weiter würden sich diese unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel (Angstmacherei, Lügenpropaganda, Jägerlatein usw.), bedienen, «um Einfluss auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zu nehmen».

«Wir sind überzeugt», endet der Petitionsaufruf, «dass keine Kirche mit so einer Gruppierung in einen Topf geworfen werden will. Verzichten Sie also in Zukunft auf die Hubertusmessen.»

IG Wild beim Wild lancierte Petition

Die Petition wurde lanciert von der 2015 gegründeten IG Wild beim Wild, einer gemeinnützigen Tierrechts-Organisation, mit Sitz in Zizers, Graubünden in der Schweiz. Sie widmet sich in der Hauptausrichtung der Förderung und dem Schutz von Wildtierarten sowie deren Lebensräumen, wie auf deren Webseite zu lesen ist. «Sie will seit Jahren dem Jägerlatein seit Jahren Paroli bieten.»

«Die Hubertusmesse verkennt zudem, dass der Heilige Hubertus vom Jäger zum überzeugten Jagdgegner wurde.»

«Einen Gottesdienst zu feiern, der Jägern den symbolischen Segen für das systematische Töten wehrloser Mitgeschöpfe gibt, sendet ein völlig falsches Signal. Kirchen müssen für die Bewahrung der Schöpfung eintreten, nicht für ihre Zerstörung», heisst es in einem Online-Text zum Petitionsaufruf. «Die Hubertusmesse verkennt zudem, dass der Heilige Hubertus vom Jäger zum überzeugten Jagdgegner wurde.»

 Carl Sonnthal von der IG Wild im Wild stellt gegenüber kath.ch klar, dass seine Interessengemeinschaft ein Infoportal sei, und dass er nun Reaktionen auf die Petition erwarte. «Wir werden auch an den Vatikan schreiben.» Tierschutz sei immer auch Menschenschutz.

Rückmeldungen von der Kirche erhalten

Zu den von der IG kritisierten Hubertusmessen sagt er: " Wir glauben nicht, dass die Kirche für solche Messen der geeignete Ort dafür ist. Zur Analogie: Jede Gruppe aus Soldaten, die sich in der Kirche mit ihren Opfern so darstellt, würde unehrenhaft aus dem Dienst entlassen und in die Psychiatrie eingewiesen», so Sonnthal. Von der Kirche habe die IG schon Reaktionen auf die Petitionsmails erhalten: «Sie sollte die Protestmails ernst nehmen und sich Gedanken darüber machen, ob eine Hubertusmesse im 21. Jahrhundert in der Kirche noch zeitgemäss ist.»

3. November ist Hubertustag

Am Hubertustag, dem 3. November, gedenken Jägerinnen und Jäger im deutschsprachigen Raum bekanntlich ihres Schutzpatrons Hubertus in Form eines Gottesdienstes. Laut der Legende erkannte Hubertus im siebten Jahrhundert Christus, als ihm ein Hirsch mit einem Kreuz im Geweih erschien. Dies führte zu seiner Bekehrung. Hubertusmessen finden konfessionsübergreifend und nicht überall gleichzeitig statt. Bekannt sind sie vor allem wegen der Parforcehörner, die diese Gottesdienste musikalisch gestalten.

«Hobby-Jäger ziehen tierquälerisch durch die Wälder»

Diese Hubertusmessen bilden laut der IG Wild beim Wild häufig den Auftakt «zu besonders grausamen Treib- und Sonderjagden, bei denen auch senile Hobby-Jäger tierquälerisch durch die Wälder ziehen und unzählige Wildtiere mit ihren Jagdhunden hetzen, verletzen und töten.» Wobei die IG Wild beim Wild nicht die einzigen Gegner der Hubertusmessen sind.

Auch «Hunt Watch» protestiert seit ungefähr zwei Jahren gegen Hubertusmessen und macht besonders in den sozialen Medien Stimmung gegen die Jagd. Die Mitglieder von Hunt Watch geben sich bei den Aktionen schwarz gekleidet, mit einzelnen Buchstaben auf den Kleidern werden die Wörter «Töten stoppen» gebildet.

Kein Hirschgeweih mehr in der Kirche

Jagdhornisten aus Burgdorf erwarten Widerstand von Hunt Watch bei Hubertusmessen. In Steffisburg verzichten die Jagdgegner ausnahmsweise auf eine Protestaktion. Die Gruppe hat den Dialog mit der reformierten Kirche als «nachhaltige Lösung» gesucht, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Als Reaktion wird nun auf ein Hirschgeweih in der Kirche verzichtet.

«Wenn sich eine Jagdgesellschaft in einer Hubertusmesse die Verantwortung gegenüber Tier und Umwelt in Erinnerung ruft, halte ich das sogar für eine wertvolle Form des Gottesdienstes.»

«Generell lehne ich dann die Jagd ab, wenn sie einfach dem Vergnügen der Jäger dient», sagt Simon Spengler, Leiter Kommunikation Katholische Kirche im Kanton Zürich und Hobbykoch. Es gebe auch Formen der Jagd, wie die Fuchsjagd mit Hunden, die aus tierethischer Sicht sicher problematisch seien. In der Schweiz seien diese Jagdformen seines Wissens gar nicht erlaubt.

«Die Jägerinnen und Jäger, die ich persönlich kenne üben ihr Handwerk aber mit grossem Respekt vor dem Tier und mit einem hohem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Schöpfung aus», ist Spengler überzeugt. «Wenn sich eine Jagdgesellschaft in einer Hubertusmesse die Verantwortung gegenüber Tier und Umwelt in Erinnerung ruft, halte ich das sogar für eine wertvolle Form des Gottesdienstes.»


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