Priester Thomas Jäger: Deutsche Justiz sieht Tatverdacht

Statt in Vaduz wird Thomas Jäger voraussichtlich in Rheinland Pfalz vor Gericht erscheinen. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat Anklage erhoben gegen den deutschen Priester. Wie bereits im Fürstentum Liechtenstein wird ihm sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.

Barbara Ludwig

Vergangenen Dezember hätte sich Thomas Jäger vor dem Kriminalgericht in Vaduz verantworten sollen. Vorgeworfen wurde dem Priester sexueller Missbrauch von Unmündigen, allenfalls versuchter sexueller Missbrauch von Unmündigen.

Doch der Priester und ehemalige Pfarrer von Ruggell LI erschien nicht zum Gerichtstermin vom 14. Dezember 2023 – weil er sich als Opfer der Liechtensteiner Justiz sah und angeblich nicht ordentlich zur Verhandlung eingeladen worden sei.

Letzterem widersprach der Richter, indem er bei der Prozesseröffnung festhielt, dass die Ladung zur Gerichtsverhandlung gesetzmässig an Thomas Jäger zugestellt worden sei. Die Schlussverhandlung musste auf unbestimmte Zeit vertagt werden.

Gleichzeitig habe der vorsitzende Richter damals bekannt gegeben, dass die Staatsanwaltschaft Koblenz mit dem Einverständnis von Thomas Jäger dessen Akte angefordert habe, um eine Verfahrensübernahme zu prüfen, schreibt das «Liechtensteiner Vaterland» am Dienstag. Somit war nicht klar, ob der Ex-Pfarrer überhaupt noch in Vaduz vor Gericht stehen wird.

Hinreichender Tatverdacht

Nun meldet die Zeitung Neuigkeiten aus Deutschland. Das sogenannte Ermittlungsverfahren seitens der deutschen Behörden sei abgeschlossen, bestätigt Ralf Tries gegenüber dem «Liechtensteiner Vaterland». Tries ist Direktor des Amtsgerichts Montabaur in Rheinland-Pfalz.

«Mit Anklageerhebung vom 16. Juli 2024 beim hiesigen Amts- und Schöffengericht Montabaur geht die Staatsanwaltschaft Koblenz von einem dafür erforderlichen hinreichenden Tatverdacht aus.» Wie bereits in Liechtenstein lautet auch in Montabaur der Tatvorwurf auf die Vornahme sexu­eller Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) im Oktober 2019 in Ruggell. 

Gerichtstermin noch offen

Der Direktor des Amtsgerichts Montabaur bestätigt dem Bericht zufolge, dass Thomas Jäger als Angeschuldigtem und dessen Verteidiger die Anklageschrift zugestellt und ihnen die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wurde.

Über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens habe der Vorsitzende des Schöffengerichts noch nicht entschieden, so Ralf Tries gegenüber der Zeitung. Das bedeutet, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben zu einem Hauptverhandlungstermin gemacht werden können.

Dies solle sich allerdings im Laufe der nächsten rund vier Wochen ändern. Dem Ex-Pfarrer, für den weiterhin die Unschuldsvermutung gilt,  droht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Mädchen im Pfarrhaus massiert

Am 24. Oktober 2019 soll Thomas Jäger ein damals achtjähriges Mädchen nach dem Ministrantenunterricht, mit dem Vorwand, ihr ein Büchlein schenken zu wollen, ins Pfarrhaus von Ruggell LI gelockt haben. In seinem «Entspannungsraum» sollte sich das Kind auf ein Massagebett legen. Er soll ihm das T-Shirt hochgezogen und es im Brustbereich mit einem Öl massiert haben.


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