Alternatives Frauen-Welttreffen in Rom: «Wir sind bereit, hier und jetzt»

Rund 30 Frauen des Catholic Women’s Council haben im Internationalen Haus der Frauen in Rom die Eröffnung ihres «Heiligtums des Zuhörens» gefeiert. In einer Liturgie hörten sie von biblisch begründeter Ebenbürtigkeit von Frau und Mann und beteten vor selbst gestalteten Frauen-Altären.

Regula Pfeifer

«Wir sind bereit, hier und jetzt», sagt Zusanna Radzik. Die Polin spricht zur Eröffnung des «Sanctuary» am 3. Oktober im Internationalen Haus der Frauen Rom. Die Organisatorinnen des Catholic Women’s Council nennen den Anlass «Heiligtum des Zuhörens». Die Delegierten der Weltsynode hätten zwar die Aufgabe zuzuhören. «Aber sie werden uns nicht zuhören».

Liturgie zur Stärkung der Frauen

Rund dreissig Frauen haben sich eingefunden in dem mittelgrossen Raum des alternativ wirkenden Haus der Frauen in Rom – einige davon sind involviert in die Organisation des Anlasses. «Wir sind Vertreterinnen von rund 60 katholischen Frauenorganisationen weltweit», sagt Radzik. Mit dabei sind Frauen der Organisationen «L’autre Parole» aus Kanada, vom «Comité de la Jupe» in Frankreich, von «Women’s Ordination Conference» in den USA und von Tekla aus Polen.

Ziel des Anlasses ist – laut einer Mitteilung – anhand von Videos, Erzählungen, künstlerischen Darstellungen, Gebeten und Audioelementen «über die wichtige Rolle nachzudenken, die Frauen im Leben der Kirche spielen, insbesondere über ihre unerkannte pastorale Führungsrolle.»

Musik von Hildegard von Bingen

Radziks Landsfrau, Agnieszka Zareyriska, spricht über die sechs «Tempel» an den Wänden, die alle eine christliche Frau von früher darstellen – und auf heutige engagierte Katholikinnen verweisen. Während Zareyriska spricht, läuft im Hintergrund Musik. Diese sei von Hildegard Bingen. «Eine Frau, die so viel zu unserer Religion beigetragen hat», sagt Zareyriska.

Dann beginnt Mathapelo Annastacia Mphuthi die liturgische Feier. Sie lässt Kerzen anzünden. «Damit soll den Frauen Unterstützung gegeben werden», sagt sie. «Den Frauen, die immer kämpfen, leiden und sich um alles kümmern.»

Mauer des Geschlechts überwunden

Dann spricht sie ein Gebet: «Du hast uns erschaffen als Mann und Frau, als ebenbürtig. Du hast uns erschaffen, um dir zu dienen.» Gottes Sohn habe alle Mauern überwunden, welche die Menschheit trennten – auch die Mauer des Geschlechts. «Danke dir, Gott, dass du die Mauern abgeschafft hast, so dass wir in dieser Welt als Schwestern und Brüder in Christus leben können.»

Nach einer Lesung aus dem Evangelium, lässt die liturgische Leiterin eine Rose zirkulieren, von der jede Anwesende ein Blatt erhielt. Das solle nach Hause in die Familie gebracht werden.

Danach sind die Anwesenden gebeten, vor die Altäre an den Wänden zu gehen, dort zu beten und den eigenen Gedanken Raum zu lassen. Das taten die meisten und verweilten vor den Altären von Junia, Tekla, Phoebe, Maria von Magdala, und der Samariterin.

Frauen weltweit wollen mitreden

«Es war schön, vor allem das gemeinsame Vorbereiten und das Gebet, das ganz zum Anfang gesprochen wurde», sagt Alina Erni im Anschluss danach. Die Schweizerin hat den Anlass mitorganisiert. «Ich habe viel Neues gelernt und freue mich, weiterhin da dabei zu sein», sagt sie. Sie habe erfahren, wie andere Frauen ihren Glauben lebten und welche Schwierigkeiten sie erfahren. «Sie erleben Gewalt in der Kirche, können sich nicht ausleben, werden nicht ernst genommen», so Erni. Sie habe gemerkt: «Alle Frauen weltweit haben das Bedürfnis, mehr mitreden und mitbestimmen zu können in der Kirche.»

Das Engagement beim CWC hat Alina Erni Mut gemacht. «Wir müssen noch aktiver sagen, was wir wollen, was nicht», ist sie überzeugt. Von der Weltsynode wünscht sie sich: «Die Delegierten wissen ja hoffentlich, was die Kirchenmitglieder ihres Landes wünschen. Mein Anliegen ist, dass sie das offen auf den Tisch legen und besprechen.»


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