Chorherr Gilles Roduit hat sein Amt als Pfarrer niedergelegt – weil er im Zusammenhang mit der Untersuchung alter Missbrauchsfälle und der Wiederaufnahme seiner Priestertätigkeit immer wieder angefeindet wurde. Nun haben das Bistum Sitten und die Abtei St. Maurice seine Demission bestätigt und kommentiert.
«Das Bistum Sitten und die Abtei St. Maurice nehmen diese Demission zur Kenntnis und verstehen sie als einen Beitrag zur Beruhigung einer schwierigen und angespannten Situation», heisst es in einer Medienmitteilung des Bistums Sitten und der Abtei St. Maurice. Bischof Jean-Marie Lovey und der apostolische Administrator der Abtei, Jean-Michel Girard, haben die Medienmitteilung unterschrieben.
Chorherr Gilles Roduit werde im Moment im Einverständnis mit seinen Vorgesetzten im Foyer Dents-du-Midi in Bex wohnen und mit seinem Mitbruder Chorherr Guy Luisier, verantwortlicher Priester im Foyer, zusammenarbeiten. «Chorherr Roduit kann für Aushilfen angefragt werden.»
Das Bistum und die Abtei seien bemüht, eine Lösung für die Nachfolge von Chorherr Roduit in den Pfarreien der Region St. Maurice zu finden. Eine entsprechende Information werde sobald als möglich weitergeleitet, heisst es weiter.
«In der Hoffnung, dass sich die Situation für diese Seelsorgeregion und für alle betroffenen Personen beruhigen wird, danken das Bistum und die Abtei allen Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst und allen Gläubigen für ihr Engagement und für ihr Suchen nach gerechten und guten Wegen in die Zukunft», schliesst die Medienmitteilung.
Der Priester Roduit war kurz nach der Ausstrahlung der am 19. November 2023 ausgestrahlten «Mise au point»-Untersuchung des Westschweizer Fernsehens RTS über alte Missbrauchsfälle in der Abtei in den Ruhestand versetzt worden. Der Kanoniker war in einem Fall von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige angeklagt worden. Das Verfahren wurde 2005 eingestellt. Über die Nichtwiederaufnahme wurde 2021 entschieden.
Eine zweite Sendung von «Mise au Point» am 7. Juli dieses Jahres hatte neue Erkenntnisse gebracht. Dabei handelte es sich insbesondere um Zeugenaussagen über unangemessene Verhaltensweisen des Domherrn. Mehrere junge Frauen beschwerten sich über unangemessene Gesten und Äusserungen, die der Kanoniker ihnen gegenüber gemacht haben soll, als sie Teenager waren. Der Domherr wies die Anschuldigungen zurück.
Roduit war erst am 12. Mai nach einer mehrmonatigen Auszeit und einem Hungerstreik wieder in sein Amt eingesetzt worden. Er sah sich weiterhin «sehr regelmässig mit unwiderruflichen Urteilen konfrontiert, die ihn verurteilen und ihm die Türen verschliessen», heisst es in der Mitteilung des Pfarreirats der Region Saint Maurice.
«Ich bin traurig, dass ich meine Stelle aufgeben muss, aber ich bin mit dieser Entscheidung im Frieden», sagte Gilles Roduit gegenüber cath.ch. Der Kanoniker wird nicht mehr in Pfarreien arbeiten. «Alles ist offen für die Zukunft», fügte er hinzu. (woz)
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