Erstmals in der Schweiz ist am Montag eine Frau in der umstrittenen Suizidkapsel «Sarco» gestorben – in einer Waldhütte in Merishausen bei Schaffhausen. Der für die Region zuständige Pfarrer Pius Troxler distanziert sich von dieser Todesart und rät stattdessen zur Pflege in Hospizen.
Regula Pfeifer
Wie beurteilen Sie den Einsatz dieser Suizid-Kapsel?
Pius Troxler: Es ist zu unterscheiden zwischen der sterbewilligen Person und den «Betreibern» der Kapsel. Letztere handelten offensichtlich illegal. Das muss die Justiz beurteilen. Von der verstorbenen Person weiss ich gar nichts. Also kann ich da keinerlei Beurteilung vornehmen.
«Dieses Sterben ist herausgerissen aus der eigenen Lebenswelt.»
«Gut sterben» ist für mich als Seelsorger ein grosses Anliegen. In dem Fall wird sozusagen das «gut» organisiert: An einem «schönen» Ort, selbstbestimmt und schmerzlos sterben. Nur ist es ebenso herausgerissen aus der eigenen Lebenswelt, ohne Angehörige oder Bekannte dabei und eingeengt quasi schon in den Sarg. Das ist für mich kein würdiges Sterben.
Was hätten Sie der sterbewilligen Frau geraten, wenn Sie dazu Gelegenheit gehabt hätten?
Troxler: Es gibt sehr gute Hospize, die schwerkranke Menschen – falls dies bei der Frau der Fall war – beim Sterben menschlich, medizinisch und seelsorgerlich optimal begleiten. Die sterbende Person muss da keine Angst vor Schmerzen oder Ersticken haben. Vorgängig ist natürlich eine Patientenverfügung eine gute Sache.
«Ich rate, sich mit dem eigenen Sterben zu beschäftigen.»
Was raten Sie den Katholikinnen und Katholiken in Ihrem Kanton angesichts des Vorfalls?
Troxler: Sich mit dem eigenen Sterben zu beschäftigen und die Wünsche diesbezüglich kundzutun, also mit Angehörigen oder Vertrauenspersonen darüber zu sprechen. Selber bin ich überzeugt, dass auch das «Feiern» von Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi, das wir regelmässig in unseren Kirchen tun, uns Christen im Blick auf das eigene Sterben guttut.
Wie stehen Sie zum diesbezüglichen Polizeieinsatz?
Troxler: Bei «fraglichen» Todesfällen (also nicht etwa «normales» Sterben im Altersheim oder offensichtlicher Verkehrsunfall) kommen Polizei und Justiz oft zum Einsatz. Sie tun ihre Arbeit.
*Pius Troxler ist Pastoralraumpfarrer von Schaffhausen-Reiat (inkl. Merishausen). Bei der im «Sarco» verstorbenen Frau handelt es sich laut Medienberichten um eine 64-jährige Amerikanerin. Die Polizei verhaftete mutmasslich involvierte Personen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Interview wurde schriftlich geführt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant