Jeanine Kosch – als «Benediktinerin im Aussendienst» die Kirchenkrise meistern

Rund 20 Frauen haben sich am Samstag im Kloster Fahr getroffen – zum Begegnungstag für Theologinnen und Religionspädagoginnen des Bistums Chur. Neben Priorin Irene Gassmann hielt auch Theologin Jeanine Kosch (67) einen Vortrag zum Thema «Mein Leben als Theologin und Oblatin in unruhigen Kirchenzeiten». Im Gespräch mit kath.ch spricht sie von «echter Frauenpower».

Sabine Zgraggen

Was ist Ihr Anliegen am heutigen Begegnungstag?

Jeanine Kosch: Dass wir Frauen wieder merken, dass wir gemeinsam unterwegs sind. Für viele Frauen in der Kirche ist der synodale Weg eher eine Enttäuschung. Wir sollten uns von daher immer wieder vergewissern, dass wir nicht alleine stehen.

In Ihrem Vortrag haben Sie erwähnt, dass Sie schon vor der Frage standen, aus der Kirche auszutreten. Was spricht dagegen?

Kosch: Ich habe meinen Boden nicht auf dem dürren Feld der Kirchenpolitik, sondern im spirituellen Leben. Hier spielt bei mir die Verbundenheit zum Kloster Fahr, zu den Klosterfrauen, eine wichtige Rolle. Wer auf ihr Leben schaut, teilweise mit einer 50-jährigen Treue, kann von ihnen lernen. Das gibt mir neue Kraft.

«Meine Grossmutter nahm mich schon als Kind mit ins Kloster Fahr.»

Sie haben den Dreiklang «Frau sein – Christin sein – Theologin sein» erwähnt. Worum geht es Ihnen da?

Kosch: Ein Regens im Priesterseminar St. Luzi erwähnte einmal, dass man vor dem Priestersein erst Mensch, dann Christ und dann erst Theologe sein sollte. Ich habe das auf den Frauenkreis umgemünzt. Mir geht es darum: Wir alle haben unsere Herkunft und Prägungen. Bei mir spielte das Vorbild meiner Grossmutter eine wichtige Rolle. Sie nahm mich schon als Kind mit ins Kloster Fahr. Als Kind fand ich einiges komisch und wollte schnell wieder weg…

Und heute?

Kosch: … bin ich Oblatin, das heisst ein Mitglied der klösterlichen Gemeinschaft, wohne aber nicht vor Ort. Das tiefe Wissen darum, dass die Schwestern für mich beten und wir Oblatinnen für die Schwestern, ist uns gegenseitig sehr kostbar. Das trägt und prägt meinen Alltag und ist echte Frauenpower.

«Es ist eine besondere gegenseitige Gebetsgemeinschaft.»

Könnte das ein Modell sein, in der Kirchenkrise nicht unter die Räder zu kommen?

Kosch: Auf jeden Fall! Die grösste Gefahr geht doch von der Vereinzelung aus. Sich auch geistig bei einer Schwesterngemeinschaft konkret zu verorten, das hilft mir im Alltag sehr. Ich erlebe mich quasi als «Benediktinerin im Aussendienst». Es ist eine besondere gegenseitige Gebetsgemeinschaft.

Könnte das eine Antwort auf Nachwuchsprobleme im Kloster sein, dass sich Oblatinnen später auch am Ort einfinden und hier mit leben?

Kosch: Das hat es schon einmal gegeben, sogenannte «Klaustral-Oblatinnen». Ob das für den Ort hier etwas ist, weiss ich nicht. Doch Gottes Geist weht, wo er will.

*Sabine Zgraggen (55) ist Theologin und Leiterin der kath. Spital- und Klinikseelsorge Zürich.


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