Der Einsiedler Pater Martin Werlen ist nahe dran an den Überschwemmungen in Österreich. Der Propst von St. Gerold in Vorarlberg ruft alle dazu auf, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen – auch im Kleinen. «Ich glaube an den Schneeballeffekt der kleinen Schritte», sagt er.
Regula Pfeifer
Die jüngsten Überschwemmungen in Österreich und mehreren Ländern Osteuropas bekommt auch der Propst in St. Gerold in Vorarlberg zu spüren. Etwa über Mitarbeitenden, die um ihre Heimat bangen und über Seminarleitende, die absagen müssen. Die Katastrophe habe «Dimensionen angenommen, die man sich nicht im Schlimmsten hätte vorstellen können», sagt er gegenüber der Zeitschrift «Schweizer Illustrierte». Die Betroffenen hätten das als Sintflut erlebt.
Das Grundproblem sei, so Werlen: «Wir sind nicht bereit, unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung wahrzunehmen.» Viele leugneten die Gefahr, die aus der Klimaveränderung entstehe. Auch führende Politiker in Österreich. Dabei warnten Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten.
Der Benediktiner verweist hierzu auf die Papstenzyklika «Laudato sì». Darin habe Papst Franziskus aufgerufen, sorgfältig mit Gottes Schöpfung umzugehen. «Das heisst auch, auf gewisse Dinge zu verzichten», folgert Werlen. «Wer das nicht wahrhaben will, ist blind.»
Die grosse Solidaritätswelle mit Betroffenen schätzt der Benediktiner als Zeichen der Hilfsbereitschaft der Menschen. Aber er warnt auch: «Immer nur zu reagieren, wenn’s brennt, genügt nicht.» Und er ruft zu nachhaltigem Handeln auf: «Gemeinsam können wir doch möglichst so handeln, dass es gar nicht erst brennt.»
Mit Naturkatastrophen zeigt «Gott uns, dass wir besser auf sein Werk aufpassen müssen», ist Martin Werlen überzeugt. «Ich möchte alle einladen, sich dieser Verantwortung zu stellen», sagt er laut der «Schweizer Illustrierten».
In der Propstei St. Gerold versucht Werlen, einen nachhaltigen Lebenswandel zu pflegen. Die aktuelle Gebäudesanierung geschehe mit Lehm und Holz aus der Region. Geheizt werde mit Holzschnitzeln und eine grosse Fotovoltaikanlage sorge für Strom.
Der Einsatz für Nachhaltigkeit im Kleinen lohne sich. «Das Grosse setzt sich aus dem Kleinen zusammen», sagt Martin Werlen, «Ich glaube an den Schneeballeffekt dieser Schritte und an die Hoffnung.» Jeder Ort, an dem die Menschen nachhaltig miteinander lebten, sei eine Arche.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/martin-werlen-das-war-eine-sintflut-fuer-die-betroffenen/