Das Resultat der Volkskonsultation im Bistum St. Gallen ist bekannt: 1305 Personen haben ihre Wünsche an den künftigen Bischof von St. Gallen geäussert. «Ein Bischof muss kein Übermensch sein». Dennoch muss er konkrete Reformen umsetzen.
Regula Pfeifer
Drei Eigenschaften wünschen sich die Mitwirkenden für ihren künftigen Bischof: Volksnähe, Offenheit und Mut. Notiert wurde etwa: «Er soll volksnah sein und offen für Neues» oder «Mutig – ohne Mut lassen sich die vielen anstehenden Entscheidungen nicht treffen.» So heisst es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung des Bistums St. Gallen.
Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) führte die Umfrage im Auftrag des Domkapitels durch. Die Umfrage startete am 20. August und endete am 9. September. Beteiligen konnten sich keine Einzelpersonen, sondern Gruppierungen.
173 Gesprächsgruppen fanden sich zusammen – insgesamt 1305 Personen – und äusserten ihre Meinung. Sie gaben 750 Erwartungen an den künftigen Bischof an, sowie 171 gewünschte persönliche Eigenschaften.
Knapp die Hälfte der Gruppen bildeten sich aus kirchlichen Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Freiwilligen. Die andere Hälfte waren Gruppen aus Kirchenmitgliedern. Vier Gruppen waren evangelisch-reformiert oder ökumenisch zusammengesetzt. Die meisten Teilnehmenden – rund die Hälfte – sind zwischen 46 und 60 Jahre alt. Am zweitmeisten äusserten sich die 30 bis 45-Jährigen, mit 25 Prozent.
Unter dem Begriff «Volksnähe» wurden Aussagen gesammelt wie: geerdet, bodenständig, authentisch, spür- und nahbar, zugänglich. Der Bischof soll eine Sprache sprechen, die verstanden wird und er soll sich in unterschiedlichen Milieus bewegen können.
Der Wunsch nach «Offenheit» zeigte sich in Wünschen wie: «offen für Neues» oder «offen für Veränderungen, für Wandel, für eine synodale Kirche». Auch Offenheit für die Ökumene und gegenüber anderen Religionen wird erwartet, ebenso für die Zeichen der Zeit und für die Nöte der Menschen. Der Bischof soll laut Umfrage auch «spirituelle Tiefe» haben und ein Brückenbauer sein.
Auch Mut wird vom Bischof erwartet, was sich in seinem Handeln zeigen sollte. «Der Bischof braucht Mut, in der Hoffnung getragen durch den heiligen Geist Neues zu wagen und auch andere Menschen dazu zu ermutigen.»
Als Mensch und als Leitungsperson soll der Bischof «achtsam, hörend, liebevoll oder spirituell verwurzelt» sein. Gewünscht wird «ein Seelsorger, kein Verwalter». Gleichzeitig müsse er belastbar sein, eine dicke Haut haben und resilient sein. Trotzdem halten die Umfrage-Teilnehmenden fest: «Ein Bischof muss kein Übermensch sein». Er solle vielmehr ein Teamplayer sein und Verantwortung und Aufgaben übertragen können.
Der neue Bischof werde sein Amt «in einer Zeit des Umbruchs» antreten, sind die beteiligten Menschen überzeugt. Es brauche «neue Wege zur Vermittlung von Glaubenswissen für Kinder und Erwachsene», sowie «die Entwicklung der Berufe in der Kirche oder neue pastorale Schwerpunktsetzungen».
Bezüglich Reformbedarf zeigt sich eine gewisse Polarisierung, heisst es in der Bistumsmitteilung. Die Reformfreudigen äussern sich demnach so: «Wir erwarten, dass der neue Bischof nicht nur offen für die Diskussionen über die Rolle und den Platz der Frauen in der katholischen Kirche ist, sondern sich auch aktiv für die Weihe von Frauen zum katholischen Priestertum einsetzt und Priestern offiziell die Heirat erlaubt». Demgegenüber vertreten wenige Stimmen den Gegenpol und wünschen sich «eine Umkehr zum wahren Glauben».
Betreffend Missbrauch fordern die Beteiligten nebst «schnellem, klarem und transparentem Handeln» auch «das Überdenken von Strukturen» und «mehr Empathie für Missbrauchsbetroffene».
Abschliessend heisst es im Bericht: «Der Bischof braucht auch Mut zu einem Aufbruch ohne fertige Lösungen, im Wissen darum, auch zu scheitern, Fehler zu machen, sie anzuerkennen, aber dann immer wieder neue Wege zu beschreiten.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/st-galler-wuenschen-sich-mutigen-offenen-volksnahen-bischof/