Das junge Theologenehepaar Maria und Max Ammann hat den Eucharistischen Weltkongress in Ecuador besucht – als Delegierte der Schweizer Bischöfe. «Wir fühlen uns reich beschenkt», sagen sie nun. Der Kongress fand vom 8. bis 15. September statt.
Jacqueline Straub
Sie waren beim Eucharistischen Weltkongress in Ecuador. Mit welchen Erfahrungen reisen Sie nun nach Hause?
Maria und Max Ammann:Wir fühlen uns reich beschenkt! Der Kongress eröffnete uns eine wahrhaft weltkirchliche Perspektive. Wir konnten uns mit zahlreichen Teilnehmenden aus allen Teilen der Welt unterhalten und austauschen.
«Wir hatten einen besonderen Zugang zu den Bischöfen.»
Als Delegierte hatten wir zudem einen besonderen Zugang zu den anderen Delegierten, die mehrheitlich Bischöfe waren. Auch hier konnten wir viel lernen, wie der Glaube andernorts gelebt wird und welche Schönheiten und Herausforderungen dort bestehen. Weiter stiess unser Zeugnis als Ehepaar offensichtlich auf ein Bedürfnis nach geistlicher Tiefe und Begleitung von Paaren, das weitaus grösser ist, als man vielleicht denken würde. Am wichtigsten ist uns aber die geistliche Erfahrung: Es war enorm bestärkend, mit so vielen Menschen aus der ganzen Welt zusammen zu beten und Eucharistie zu feiern.
«Sobald wir etwas ratlos wirkten, war jemand zur Stelle, der Hilfe anbot.»
Was hat Sie beeindruckt?
Ammann: Wir waren berührt von der ausserordentlichen Freundlichkeit der Gastgeber. Um die 1000 Volontäre waren in diesen Tagen im Einsatz. Jeden Morgen wurden wir mit einem strahlenden Lächeln begrüsst. Sobald wir etwas ratlos wirkten, war jemand zur Stelle, der Hilfe anbot. Die Erzdiözese Quito hat wirklich alles gegeben, um den Kongressteilnehmern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.
Eine andere schöne Erfahrung war die Prozession im historischen Zentrum von Quito. Es handelt sich um ein Unesco-Weltkulturerbe und man sieht sofort, wieso. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen nach der Prozession in die grosse Basilika strömten, um noch vor dem Allerheiligsten zu beten.
Welche Themen aus der Schweiz konnten Sie in Ecuador einbringen – und wie wurden diese angenommen?
Ammann: Wir hatten ja das Privileg, dass wir zur Teilnahme an einem Podiumsgespräch zum Thema Synodalität eingeladen waren. Wir haben dort den besonderen soziokulturellen und politischen Kontext der Schweiz, der sich durch eine starke Stellung der Laien und eine tief demokratische Mentalität auszeichnet, erklärt. Und aufgezeigt, welche Vorteile und Risiken sich daraus für einen synodalen Prozess ergeben. Auch sprachen wir darüber, inwiefern Synodalität auch in Ehe und Familie, der Hauskirche, eine Rolle spielt. Wir erhielten viele positive Rückmeldungen von Teilnehmenden und Organisatoren.
«Wir sahen uns eher in der Rolle des Hörens.»
Viel wichtiger aber als die Frage, was wir einbringen konnten, ist, was wir von anderen lernen konnten. Wir sahen uns eher in der Rolle des Hörens als in der Rolle des Lehrers und Interessensvertreters. Es war inspirierend, zu hören, wie sehr andere Ortskirchen auch unter widrigsten Bedingungen Kraft aus dem Glauben schöpfen – beispielsweise unter Verfolgung, Armut, Problemen mit der Inkulturation des Evangeliums und krassem Priestermangel. Insbesondere die Eucharistie schenkt ihnen Kraft und Ausdauer, um ein fruchtbares Gemeindeleben zu verwirklichen.
In welchen Punkten gab es grosse Zustimmung? Wo haben Sie Unterschiede festgestellt?
Ammann: Wir fühlten uns stark mit allen Teilnehmenden verbunden. Der rote Faden des Kongresses war die Botschaft, dass die Eucharistie nicht einfach eine persönliche Frömmigkeitsübung sein kann, sondern dazu verpflichtet, aktiv zu werden und das erhaltene Liebesgeschenk weiterzugeben, indem man Geschwisterlichkeit lebt und so die Wunden der Welt zu heilen beginnt. Darauf konnten sich alle einigen. Der Ort für theologische Debatten rund um die Eucharistie war eher das theologische Symposion in der Vorwoche, an dem wir aber nicht teilnahmen.
«Geschwisterlichkeit und Synodalität gehören eng zusammen.»
Was will der Weltkongress der katholischen Schweiz mitteilen?
Der Eucharistische Kongress in Quito hat einen weltkirchlichen Anspruch in der Behandlung von primär lateinamerikanischen Fragestellungen – ganz gemäss der einen Zeile aus der Kongress-Hymne: «desde el Ecuador para el mundo entero» (»von Ecuador aus für die ganze Welt»). Wir müssen es noch viel mehr wagen, aus dem Glauben und konkret der Eucharistie Kraft schöpfend, Geschwisterlichkeit zu leben – ganz konkret, Tag für Tag. Geschwisterlichkeit und Synodalität gehören hierbei eng zusammen: Synodalität ist nicht primär eine Frage der Kirchenorganisation, sondern von gelebter Geschwisterlichkeit als Individuum, in der Ehe und in der Kirche. Es geht um ein gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist und die daraus resultierende Aktion.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant