Abt Urban Federer aus Rom: «In Asien und in Afrika blüht das monastische Leben»

Zurzeit findet in Rom der alle vier Jahre tagende Kongress der Benediktiner-Äbte statt. Auch Abt Urban vom Kloster Einsiedeln ist in die Heilige Stadt gereist, wo die Benediktiner unter anderem einen neuen Abtprimas wählen. Wer dies sein könnte, darüber hält sich der Einsiedler Klostervorsteher im Interview bedeckt.

Wolfgang Holz

Abt Urban, wie gut geht es den Benediktinern in Europa derzeit so?

Abt Urban Federer: Zunächst möchte ich von Rom aus berichten, dass das Aussergewöhnliche dieses Kongresses seine Internationalität ist. Es geht also zuerst einmal nicht um Europa, sondern um die Klöster der Weltkirche. Vor allem in Asien und in Afrika blüht das monastische Leben.

«Einige Benediktinerklöster auf dem alten Kontinent werden schliessen müssen.»

Und in Europa?

Abt Urban Federer: Daneben fällt Europa tatsächlich auf durch seine kleiner werdenden Gemeinschaften.

Einige Benediktiner-Klöster auf dem alten Kontinent werden schliessen müssen. Klosterschliessungen – und Neugründungen – gab es in der Geschichte immer wieder. Für andere Klöster in Europa wird die Zukunft in kleineren Gemeinschaften liegen.

«In einer Klostergemeinschaft für eine gewisse Zeit mitleben zu dürfen, ist ein Angebot, das heute bei vielen Menschen ankommt.»

Wie meinen Sie das?

Abt Urban Federer: Auch als kleine Gemeinschaft können Benediktinerklöster ihrer Berufung nachkommen: Orte zu sein, wo Frieden versucht und immer wieder neu gelebt werden muss. Unsere Zeit sehnt sich nach Frieden.

Und auch kleinere Klöster können ihr Engagement in ihren Regionen leben, sei das in der Bildung, im Kulturellen, im Sozialen, in der Gastfreundschaft. In einer Klostergemeinschaft für eine gewisse Zeit mitleben zu dürfen, ist ein Angebot, das heute bei vielen Menschen ankommt. Und schliesslich kann auch eine kleine Gemeinschaft die Gottesfrage wachhalten.

«Während junge Mönche eine frische Dynamik in eine Gemeinschaft bringen können, sind ältere dafür schon gesetzter.»

Trotzdem: Wie steht es denn so mit dem Mönchsnachwuchs?

Abt Urban Federer: Es gibt Klöster, die keinen Nachwuchs mehr haben. In Klöstern, wo es Nachwuchs gibt, zeichnet sich ab, dass Neueintretende im Durchschnitt älter sind als früher. Während junge Mönche eine frische Dynamik in eine Gemeinschaft bringen können, sind ältere dafür schon gesetzter. Von ihren Erfahrungen können die Klöster profitieren.

«Der Benediktinerorden ist nicht sehr zentralisiert.»

Wer könnte aus Ihrer Sicht neuer Abtprimas werden, und welche sind die grössten Herausforderungen für die Benediktiner momentan weltweit?

Abt Urban Federer: Die Herausforderungen sind vielfältig. Es gibt Benediktinerklöster, die in Kriegsgebieten existieren müssen und ihre Klostermitglieder gehören verschiedene Volksgruppen an.

Echte Friedensarbeit beginnt darum schon in unseren Gemeinschaften. Der Benediktinerorden ist nicht sehr zentralisiert, und so kann der Abtprimas die Klosterverbände und die einzelnen Klöster vor allem ermutigen, mit seiner Erfahrung geistlich zu begleiten und den fruchtbaren Erfahrungsaustausch zwischen den Klöstern zu fördern – auch international. Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.  Wem wir versammelten Äbte und Prioren die Aufgabe zutrauen, wissen wir Ende dieser Woche.

*Abt Urban Federer (56) ist der 59. Abt des Klosters Einsiedeln. 2013 wurde er von den damals 55 wahlberechtigten Mönchen des Konvents in Einsiedeln für die Dauer von 12 Jahren zum Abt gewählt. Heute leben noch 37 Mönche im Kloster Einsiedeln, zwei weitere Personen befinden sich in Formation. Das Interview wurde schriftlich geführt.


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https://www.kath.ch/newsd/abt-urban-federer-aus-rom-in-asien-und-in-afrika-blueht-das-monastische-leben/