Maria und Max Ammann: «Einigende und heilende Kraft der Eucharistie»

Vom 8. bis 15. September findet in Ecuador der internationale Eucharistische Weltkongress statt. Die Schweizer Bischöfe haben mit dem jungen Theologenehepaar Maria und Max Ammann zwei Laien für die Teilnahme am Kongress delegiert. Damit gehen die Schweizer Bischöfe andere Wege.

Jacqueline Straub

Die Schweizer Bischofskonferenz schickt Sie beide an den internationalen Eucharistischen Weltkongress nach Quito in Ecuador. Wie kam es dazu, dass Sie hierfür ausgewählt wurden?

Maria und Max Ammann*: Im September 2022 wurde die Organisation Anima Una von der Schweizerischen Bischofskonferenz beauftragt, die Eucharistischen Weltkongresse für die Schweiz fruchtbar zu machen. Anima Una ist eine Plattform, die bereits mehrere fruchtbare Projekte innerhalb der katholischen Kirche der Schweiz vereinigt. Wir wurden von den Verantwortlichen von Anima Una angefragt, ob wir für sie diesen Dienst in Bezug auf den Kongress in Quito übernehmen könnten.

«Als Studierende der Theologie bringen wir das nötige akademische Rüstzeug mit.»

Sprechen Sie denn auch Spanisch?

Maria und Max Ammann: Maria spricht perfekt Spanisch und hat sogar Familie in Ecuador. Sie kennt das Land und auch die Stadt Quito gut. Generell war unsere Mehrsprachigkeit ein grosser Vorteil, da wir zum Beispiel beim Vorkongress letztes Jahr mit praktisch allen Delegierten sprechen konnten – sei es auf Französisch, Spanisch, Englisch, Italienisch oder natürlich Deutsch. Als Studierende der Theologie bringen wir zudem das nötige akademische Rüstzeug mit. 

Was bedeutet Ihnen diese Ernennung?

Maria und Max Ammann: Es ist uns eine grosse Ehre diese Aufgabe in Quito übernehmen zu dürfen. Wir schöpfen beide viel Kraft und Glück aus der Eucharistie und es freut uns, wenn wir helfen dürfen, dieses Geschenk weiterzugeben. Der persönliche Bezug zu Ecuador macht es natürlich zusätzlich ganz besonders. 

Welche Schwerpunkte wollten Sie beim Kongress einbringen?

Maria und Max Ammann: Wir wurden von den Organisatoren angefragt, bei einem Podium zum Thema Synodalität mitzumachen. Wir werden dort aus eigenen Erfahrungen mit Synodalität in der schweizerischen Kirche berichten und uns mit Vertretern aus Taiwan und Italien austauschen. Das ist natürlich ein herausforderndes Thema, denn der Begriff «Synodalität» ist im Moment in aller Munde, wird aber teilweise sehr unterschiedlich verstanden. Die Schweiz mit ihrer demokratischen Tradition und einer Kirche, die mehr als andere «bottom up» funktioniert, hat hier natürlich einen besonderen Zugang mit eigenen Stärken aber auch Gefahren.

«Wir freuen uns besonders auf den Austausch mit Menschen aus allen Teilen der Weltkirche.»

Was erwarten Sie sich von den Tagen in Quito?

Maria und Max Ammann: Wir freuen uns besonders auf den Austausch mit Menschen aus allen Teilen der Weltkirche. Es weitet den Horizont enorm, Einblick in die Situation der Kirche aus ganz anderen Regionen zu erhalten, und man bekommt ein «weltkirchliches» Gefühl. 

Das ermöglicht auch Fragestellungen, die bei uns möglicherweise im Vordergrund stehen, in einem weiteren Kontext, frisch zu betrachten. Gleichzeitig kommen all diese Menschen in der Eucharistie, letztlich in Christus, zusammen. Das ist eigentlich unglaublich. Weiter wird es natürlich viele interessante Vorträge und Podiumsgespräche geben.

Die Eucharistie steht im Fokus der Tagung. Wie blicken Sie auf das Thema Eucharistie in der Schweiz?

Maria und Max Ammann: Das Thema Eucharistie steht in der Schweiz unter etwas anderen Vorzeichen als in Ecuador. In Ecuador wird getreu dem Motto des Kongresses «Fraternidad para sanar el mundo» – «Geschwisterlichkeit, um die Welt zu heilen» über die einigende und heilende Kraft der Eucharistie für die Gesellschaft gesprochen. Dies ist angesichts von mordenden Drogenkartellen, politischer Instabilität und bröckelndem gesellschaftlichem Zusammenhalt verständlich und wichtig.

«Wir haben zu wenig Priester.»

Und wie siehts mit der Eucharistie in der Schweiz aus?

Maria und Max Ammann: In der Schweiz stehen andere Fragen eher im Vordergrund, obwohl am Ende natürlich alles zusammenhängt. Wir haben zu wenig Priester, um die enorme, noch stark volkskirchlich geprägte Infrastruktur angemessen mit dem Sakrament der Eucharistie zu versorgen. Auch müssen wir uns offen die Frage stellen, wie es um den eucharistischen Glauben in der Breite der Gläubigen steht, und ob es uns als Kirche gelingt, einen fruchtbaren Nährboden für dieses wunderbare Geheimnis unseres Glaubens zu bieten.

«Die Eucharistie verbindet uns alle in Christus und das ist tatsächlich Anlass zur Freude.»

Welche Impulse erhoffen Sie sich zu erhalten?

Maria und Max Ammann:Wir erfahren in Ecuador eine grosse Freude an der gemeinsamen Feier der Eucharistie. Die Eucharistie verbindet uns alle in Christus und das ist tatsächlich Anlass zur Freude. Damit ist Eucharistie mehr als eine persönliche Frömmigkeit, eine Sache zwischen Jesus und mir. Eucharistie hat eine kirchliche, eine gemeinschaftsstiftende Dimension. Sie lässt Gott «unter uns» sein. Das erleben wir in Ecuador stark. Wir hoffen, dass wir etwas davon auch zurück in die Schweiz bringen können.

* Maria und Max Ammann studieren beide an der Universität Fribourg Theologie. Das Interview wurde schriftlich geführt. 


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/die-einigende-und-heilende-kraft-der-eucharistie-schweizer-ehepaar-in-ecuador/