Sie tanzen mit Brot und Früchten an den Altar: Afrika-Wallfahrt im Kloster Einsiedeln

Tänze, Gesänge, rhythmisches Klatschen: Wer an der Afrika-Wallfahrt im Kloster Einsiedeln am heutigen Samstag teilnahm, konnte spüren, wie sich Lebensfreude und Leidenschaft für den Glauben im Gottesdienst Bahn brach. Auch Weihbischof Josef Stübi, der das zweieinhalbstündige, stimmungsgeladene Pontifikalamt zelebrierte, liess sich sichtlich von der guten Laune anstecken.

Wolfgang Holz

So eine Gabenbereitung hat der Basler Weihbischof Josef Stübi wohl schon lange nicht mehr erlebt! Als der Gottesdienst in der Stiftskirche Einsiedeln bei der Gabenbereitung angelangt ist, werden Trommeln hörbar und ein langer Menschenzug macht sich auf den Weg zum Altar.

Bilder von Kindern, Früchte und Brot

Vorne schreiten im Gänsemarsch afrikanische Kinder, die alle eine Zeichnung gemalt haben für den Gabenbereitung. Als sie bei Weihbischof Stübi ankommen, nimmt dieser dankend die farbigen Geschenke in Empfang und segnet gerührt die Kinder.

Doch es wird noch lebendiger und lauter. Denn Afrikanerinnen und Afrikaner in bunten Gewändern und gemusterten Hemden tragen in rhythmischen Tanzsteps, untermalt von einem ohrenbetäubenden Trommelstaccato, dick beladene Körbe mit Früchten Richtung Weihbischof. Ananas, Mangos, Orangen und vieles mehr überreichen sie Josef Stübi, der die Lebensmittel freudig entgegennimmt – fast wie ein Hafenmeister, der glücklich über die Ladung ist, die sein Schiff tragen wird.

Wie eine Erntedank-Installation

Am Ende der Food-Prozession kommen Frauen und übergeben dem Weihbischof dicke Fladenbrote. Stübi gibt die Brote mit einem strahlenden Lächeln weiter an seine afrikanischen Priesterkollegen, die die Brote neben den Früchten zu einer Art Erntedank-Installation aufstapeln. Als der Basler Geistliche wenig später die Wandlung zelebriert, wirkt die Hostie fast winzig im Vergleich zu den Broten, welche ihm die afrikanischen Gläubigen gebracht haben.

Ein afrikanischer Gottesdienst scheint den gutgelaunten Glauben und die Lebensfreude der Menschen in jedem Moment abzustrahlen. Ständig wird getanzt und gesungen. Gleichzeitig kann man die Frömmigkeit der Menschen an ihren Gesten und Gesichtern ablesen. Dabei stört es niemanden, wenn kleine Kinder in den Kirchenbänken herumfläzen. Oder eine Mutter ihr Bäby im Kinderwagen zwischendurch mit Brei füttert.

«Sie bringen so viel Leben zu uns»

Abt Urban Federer begrüsste die afrikanischen Pilger zu ihrer Wallfahrt im Kloster Einsiedeln herzlich in drei Sprachen und versicherte, dass man sich immer so freue auf die Afrika-Wallfahrt, weil «diese so viel Leben ins Kloster bringe». Gleichzeitig erwähnte er das göttliche Wallfahrtsmotto, das da laute: «Ich bin mit Euch.»

Weihbischof Josef Stübi betonte in seinem Willkommensgruss, dass man um Frieden zwischen den Völkern beten wolle. Das Thema Frieden vertiefte Stübi dann in seiner Predigt.

«In Frieden zu leben, ist ein zutiefst menschliches Anliegen», sagte er. Frieden sei ein kostbares Gut, das nicht selbstverständlich, aber durchaus zerbrechlich sei. Gleichzeitig betonte er, dass die Herstellung von Frieden eine ständige Herausforderung darstelle und dass Frieden und Gerechtigkeit untrennbar zusammengehörten.

«Gemeinschaft in Christus leben»

«Deshalb müssen wir Menschen die Gemeinschaft in Christus und untereinander leben, um am Frieden in der Welt mitwirken zu können. Wir alle müssen uns für den Frieden einsetzen», forderte Stübi.

Er appellierte in diesem Sinn auch an die Gläubigen in Afrika: «Beten wir für Afrika, damit die Hoffnung auf Frieden nicht erlischt, und dass der Schutz und die Barmherzigkeit Gottes über Afrika strömen, und die Menschen und ihr Leid dort nicht vergessen werden.» Bei den Fürbitten wurde auch dem Engagement von Flüchtlingshelfern gedacht.

«Christus hat nur unsere Hände und Füsse…»

Bein eigentlichen Friedensgruss nach dem Vaterunser bat Weihbischof Josef Stübi Gott: «Schenke Deiner Welt Brückenbauer, die Frieden schaffen – damit uns ein friedliches Zusammenleben beschert wird.» Ein Frieden, der bei uns allen beginne, in liebevollem Umgang miteinander. «Den Christus hat nur unsere Hände und unsere Füsse…»  


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