Ein Domherr des Bistums Basel hat früher als Offizial falsch auf eine Missbrauchsmeldung einer Betroffenen reagiert. Dennoch soll er von Bischof Felix Gmür den Titel «Ehrendomherr» erhalten. Der Luzerner Jurist Loris Fabrizio Mainardi fordert von ihm den Verzicht.
Regula Pfeifer
Loris Fabrizio Mainardi hat den betreffenden Domherrn am Dienstagabend dazu aufgefordert, die Ernennung zum Ehrendomherrn auszuschlagen. Dies als Zeichen der Rücksicht gegenüber dem Missbrauchsopfer mit dem Pseudonym Denise Nussbaumer.
«Damit würden Sie den für die Reputation des Bistums – und damit der Kirche – bereits eingetretenen Schaden nicht noch grösser werden lassen und überdies ein Zeichen wahrhafter ‘Ehre’ setzen», schreibt Mainardi im betreffenden Mail.
Auf die Frage, weshalb er dies tut, erklärt Mainardi gegenüber kath.ch: «Weil Bischof Gmür seine Aufgabe nicht wahrnimmt.» Es sei seine Aufgabe, in Rücksprache mit dem Domkapitel, Ehrendomherren zu ernennen.
Dies zu tun oder eben nicht, liege in seinem Ermessen. Denn im Kapitelstatut heisst es: «In aller Regel wird diese Ehre zurückgetretenen Domherren zuteil.» Das ist «rechtlich eine klare Ermessenseinräumung», sagt der Luzerner Jurist.
Er kritisiert: «Gmür macht daraus – willkürlich – einen Automatismus, indem er nur auf eine Verleihung des Ehrendomherr-Titels verzichte, ‹wenn entsprechende Domherren dies ausdrücklich nicht wollen›».
«Die Ehrentitelvergabe demütigt und verhöhnt das Missbrauchsopfer D.N noch weiter.»
Eine solche Titelverleihung ist laut Mainardi nicht nur überholt. Sie «demütigt und verhöhnt das Missbrauchsopfer D. N. noch weiter. Das hat mit einer glaub-würdigen Kirche überhaupt nicht mehr zu tun.»
Die geplante Ehrenernennung habe ihn schockiert, schreibt Mainardi an kath.ch. Er engagiere sich als Mitglied der katholischen Kirche seit Kindheit, begründet er seine Aktivität. Und fügt in Klammer hinzu, er sei glücklicherweise nicht selbst missbrauchsgeschädigt.
Er habe «vertuschendes Verhalten von Bischof Felix Gmür in mehreren Missbrauchsfällen» kritisiert. Und ihn aufgefordert, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten.
Kath.ch hat beim Domherrn nachgefragt, was er dazu sage. Er äussert sich nicht selbst, sondern hat die Kommunikationsbeauftragte des Bistums Basel, Barbara Melzl, informiert. Diese hat eine mögliche Antwort auf Anfang nächster Woche angekündigt.
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https://www.kath.ch/newsd/domherr-des-bistums-basel-soll-auf-titel-ehrendomherr-verzichten/