45 Projekte sind für den «Sozialpreis 2024» der Aargauer Landeskirchen und «benevol Aargau» nominiert. Darunter finden sich auch katholische Initiativen ganz unterschiedlicher Art.
Jacqueline Straub
Die Aargauer Landeskirchen und «benevol Aargau» verleihen einen «Sozialpreis», mit dem ein besonderes Projekt für soziales Engagement ausgezeichnet wird.
Honoriert werden Privatpersonen, Organisationen oder Institutionen, welche im Sozialen innovative und aussergewöhnliche Projekte mit Kooperationen in der Freiwilligenarbeit durchführen, heisst es auf deren Website. Der «Sozialpreis» soll Menschen motivieren, sich für Freiwilligenarbeit zu engagieren.
Unter den 45 nominierten Projekten finden sich auch einige katholische Initiativen. Etwa der «Suppentag Würenlingen» der Pfarrei St. Michael Würenlingen. Dieser findet einmal im Jahr am dritten Fastensonntag statt. Diesen gibt es seit dem Jahr 1999. Der Suppentag ist ökumenisch und ortsübergreifend, sagt Diakon Marcus Hüttner. Und: Es bringt sich die ganze Pfarrei ein.
Die Firmandinnen und Firmanden bauen alles auf und servieren die Suppe, die Ministranten verkaufen Getränke, die Jubla bietet Spiele für Kinder an, die Frauengemeinschaft bringt Kuchen mit, der Kirchenchor hilft in der Küche, die Kirchenpflege baut Tische und Stühle auf – und versorgt alles wieder. Und der Pfarreirat ist für die Hauptorganisation fürs Essen zuständig, erklärt Marcus Hüttner.
Zudem helfen auch einzelne Personen mit, indem sie Gemüse rüsten, Plakate drucken und aufhängen, einen Fahrdienst für Senioren anbieten oder in der Küche mithelfen. Beim Suppentag wird man nicht nur verköstigt, sondern auch musikalisch unterhalten. Das Bläser-Ensemble der Musikgesellschaft Würenlingen gestaltet diesen Gottesdienst, ebenso singen Kinderchöre. Alles in allem sind es rund 200 Freiwillige.
«Die Atmosphäre gleicht einem grossen Pfarrei- und Familienfest, es ist ein wunderbares Hand in Hand auf allen Ebenen», sagt Diakon Marcus Hüttner. Er freut sich darüber, dass es ein Projekt ist, das Menschen über Konfessions- und Dorfgrenzen hinaus verbindet. Der Erlös des Suppentages, der sich im vierstelligen Bereich aufhält, kommt Fastenaktion zugute.
Ein weiteres Projekt ist «Deutsch in der Küche». «Unser Projekt ist ein gemeinsames Projekt der Kontaktgruppe Asyl Frick, der katholischen Kirche Frick und des Kirchlichen Regionalen Sozialdienstes Oberes Fricktal, was ich als ganz besondere Zusammenarbeit erlebe», sagt Steffi Kuhn, Sozialarbeiterin und Standortleitung beim Kirchlichen Regionalen Sozialdienst Oberes Fricktal.
Es ist eine Veranstaltung mit gemeinsamem Kochen, Essen und kulturellen Besonderheiten. «Deutsch in der Küche» zielt darauf ab, Einheimische, Migrantinnen und Migranten zusammenzubringen, gemeinsam eine Tätigkeit auszuführen, sich gegenseitig kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen und die Möglichkeit zu haben, Kontakte über die Veranstaltung hinaus zu knüpfen.
«Neben dem integrativen und vernetzenden Charakter der Veranstaltung erhoffen wir uns mehr Verständnis und Interesse aneinander, an den Verschiedenheiten der Kulturen und ihren verbindenden Elementen», sagt Steffi Kuhn.
Das Projekt wurde ursprünglich 2015 gegründet und wurde bis 2017 monatlich durchgeführt. Während Corona wurde es eingestellt. «Im Jahr 2023 haben wir das Projekt wiedererweckt – mit neuen und alten Elementen», sagt Kuhn. «Deutsch in der Küche» findet nur noch viermal jährlich statt, dafür aber mit kulturellen Aspekten, wie einem Sänger oder einer Bühnenshow.
«Unser Projekt sollte gewinnen, da wir alle ansprechen, von Jung bis Alt. Wir möchten für ein gemeinsames Feiern werben, Austausch und spannende Begegnungen ermöglichen und zum kulinarischen Experimentieren einladen», sagt Steffi Kuhn zum nominierten Projekt. «Und das mit einem urchristlichen Medium: dem gemeinsamen Essen!»
Die katholische Pfarrei Rheinfelden-Magden-Olsberg und die reformierte Kirche Rheinfelden bieten ein gemeinsames Projekt an: eine Gratis-Kleider-Fundgrube. Die Kleider-Fundgrube gibt es seit Ende Juni 2022. Ursprünglich war es ein Projekt für Menschen aus der Ukraine, die nur mit ihren Winterkleidern geflüchtet sind, sagt Marie Hohl, Seelsorge-Mitarbeiterin in der katholischen Pfarrei Rheinfelden. Heute wird die kostenlose Kleiderabgabe auch von anderen von Armut betroffenen Personen und von Geflüchteten aus weiteren Unterkünften genutzt.
«In unserer Gesellschaft werden sehr viele Kleider gekauft, nur kurz getragen und wieder weggeworfen. In unserem Projekt wird die Nachhaltigkeit gefördert, da bereits getragene Kleider freiwillig gespendet und an Bedürftige kostenlos weitergegeben werden», sagt Marie Hohl. So können bedürftige Menschen die Kleiderkosten sparen und das solidarische Handeln anderer bewirkt eine ressourcenschonende Nutzung und Entlastung der Umwelt.
Inzwischen ist die Fundgrube ein Begegnungsort, so Marie Hohl. Es werden Kontakte geknüpft, Informationen ausgetauscht, Sorgen und Ängste geteilt und die Verständigung mithilfe von verschiedenen Sprachen über die kulturellen und konfessionellen Grenzen hinweg gefördert. «Das Projekt bietet eine einzigartige Gelegenheit für ein soziales Engagement in der Region inmitten einer multikulturellen Welt», so Marie Hohl.
Aus dem Pastoralraum Zurzach-Studenland wurde das Projekt «Nähtreff Zurzach» nominiert. Das Projekt legt Wert auf Nachhaltigkeit. Die Pfarrei sammelt hierfür Sachspenden wie Nähmaschinen, Stoffe und Nähzubehör. Aber auch gut erhaltene Kleidungsstücke, die ein zweites Leben bekommen können. «Wir arbeiten mit Upcycling und fördern die Kreativität», sagt Christine Knopf, die den Nähtreff leitet.
Die Zielgruppe sind Menschen mit kleinem Budget, Migrantinnen und Flüchtlinge. Neben der Frauengruppe, die Ende Mai 2024 entstanden ist, gibt es auch eine Männergruppe. Die Geschlechtertrennung sei bewusst. «Frauen sollen ihre eigenen Sozialkontakte finden und pflegen können», sagt Christine Knopf. Inzwischen gibt es eine Warteliste bei der Frauengruppe.
Das Projekt sollte gewinnen, so Christine Knopf, weil es Menschen mit kleinem Budget ohne Hemmschwelle unterstützt, unkomplizierte Integration ermöglicht und verschiedene Nationalitäten zusammenbringt. Ebenfalls werden dort die deutsche Sprache trainiert und Sozialkontakte geknüpft.
Aus dem Pastoralraum Zurzach-Studenland stammt ein weiteres nominiertes Projekt: Der Treff für Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten wurde vor über zwei Jahren von Privatpersonen initiiert, um für die aus der Ukraine geflüchtete Menschen einen Ort zu schaffen, an dem sie ihre Erfahrungen teilen, sich vernetzen und sich informieren können. Inzwischen gibt es die Treffs in mehreren Dörfern für alle schutzbedürftigen Menschen.
Das Projekt zeichnet aus, dass es sich laufend den Bedürfnissen der hilfesuchenden Menschen anpasst und eine «ausserordentliche Vernetzung und Kooperation sowie Unterstützung mit anderen sozialen Diensten und Organisationen geschaffen hat», sagen Theres Germann-Tillmann, Initiantin und Co-Leiterin des Treffs und Bettina Kustner, Seelsorgerin der Pfarrei Schneisingen-Siglistorf, Co-Leiterin des Treffs und Diakonieverantwortliche im Pastoralraum Zurzach Studenland.
«Und weil unsere diakonische, sehr individualisierte Hilfe im In- und Ausland vielen Menschen zugutekommt, die in ihrer momentanen Lebenssituation Unterstützung brauchen.» Durch die breite Vernetzung werden sie auf die Not einzelner aufmerksam und können entsprechend nach Wegen der Unterstützung suchen.
Unter www.sozialpreis-ag.ch kann angestimmt werden. Das Gewinnerprojekt erhält 5000 Franken.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wird-ein-katholisches-projekt-den-sozialpreis-2024-gewinnen/